Black Friday

Schwarze Zahlen für den Handel

Der Black Friday ist vor einigen Jahren aus den USA nach Europa importiert worden. Der Handelsverband Deutschland rechnet 2019 mit einem Umsatz von 3,1 Milliarden an Black Friday und Cyber Monday. Strategie-Expertin Nadine Dlouhy über Vor- und Nachteile der Rabattschlacht.

Von Nadine Dlouhy 28.11.2019

© BrandLite GmbH

Nadine Dlouhy ist Expertin für strategische Markenentwicklung & Positionierung.

Der Black Friday steht für Kaufrausch auf Knopfdruck und läutet den Start in die Weihnachtseinkaufssaison ein. Händler wollen sich gegenseitig mit vermeintlichen Super- Angeboten überbieten, ob online oder im Einzelhandel. Amazon und Co. knüpfen an den Schnäppchentrend an und versuchen, mittels Cyber Monday oder ähnlichen Early-Bird-Aktionen, mehr Käufer zu generieren. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Wahnsinn? In der Tat ist der Black Friday ein hochprofitables Commerce-Instrument mit Trigger-Potential. Als wenn es kein Morgen gäbe, überbieten sich die Händler, ob online oder offline, mit vermeintlichen „Super-Angeboten“. Am 29.11. ist die Jagdsaison für Schnäppchenjäger wieder eröffnet.

Frei nach dem Motto: „Ja, ist denn heute schon Weihnachten...?“ geht in vielen Fällen das Geschäft am Black Friday und dem darauffolgenden Cyber Monday auf Kosten des Weihnachtsgeschäfts. Die Folge: ein inszenierter und kalkulierter Rabatt- und Shopping- Kannibalismus – bevorzugt online. Denn am meisten profitiert der Onlinehandel vom modernen „Preis- und Vorteilsstrategietool“. Das Geheimnis ist unter anderem die Preissteuerung, welche online geschickt inszeniert, tagesaktuell gesteuert und in die Konsumentenmärkte implementiert wird.

Das Codewort lautet: Identifikation

Wir können sicher sein, das Phänomen „Kauf-Lust“ folgt einem Mix an Strategien, welche hoch emotionalisiert in den Markt kommuniziert werden. Man kann meinen: Bingo für den Handel und den Konsumenten. Rabattaktionen gibt es viele. Doch der Black Friday und Co. erheben eine simple Rabatt-Aktion zu einer „Party“, die weltweit verbindet und auf den Community-Gedanken abzielt. Das Codewort und der „Kauf-Treiber“ lauten: Identifikation. Übrigens: Nicht überall, wo Rabatt drauf steht, ist auch Rabatt drin. Nicht selten werden vor allen „Black"-Aktionen die Preise angezogen und dann auf einen unspektakulären Rabatt reduziert. Das Kundenerlebnis ist dennoch großartig – gefühlt ein Mega-Rabatt, die Realität ernüchternd.

Die strategisch aufeinander abgestimmten Verknappungs-, Differenzierungs-, Vorteils-, Individualisierungs- und Preisstrategien sorgen für Turbo-Kaufimpulse bei den Konsumenten. Suggestion als Macht in der Kommunikation. Gekrönt wird das ganze Event durch die Inszenierung, dem Zauber, welcher dem Black-Friday innewohnt. In einem immer härter umkämpften Markt mit Preis- und Produktgleichheit werden Marketing- und Commerce-Tools, wie der Black-Friday zu einer entscheidenden Wirtschaftskraft. Die Marketing-Ära „Geiz ist geil“ hat es vorgemacht, wie aus einer einfachen Marketing-Kampagne erst eine Community und sogar eine gesellschaftliche Haltung erwachsen ist.

Im Zeitalter von klar dominierten Käufermärkten gilt es, dem Bedürfnis des Konsumenten zu entsprechen. Das heißt im Klartext: Konsumenten kaufen immer weniger das Produkt als vielmehr das Gefühl. Somit werden Soft Facts zu Hard Facts. Gepaart mit einem intelligenten Strategie-Mix heißt es dann: Der Countdown läuft – Let‘s Rock & Shop the Black Friday.

Zur Person

Nadine Dlouhy ist Expertin für strategische Markenentwicklung & Positionierung, führt seit 20 Jahren die BrandLite GmbH und begleitet 46 Unternehmen in 35 Ländern. Sie ist Mit-Autorin von „Erfolg geht anders“ sowie Dozentin an der Hochschule Fresenius University of Applied Science für „Digitale Innovation“, „Strategisches Management“, „Media-Management“, Schwerpunkt Automotive und Mobility. Auszeichnung im Manager Magazin Top11 Coaches in D/A/CH.

Schlagworte: Black Friday, Rabattaktionen

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