Trend zur Mischnutzung

Händler müssen ihren Kunden mehr bieten als reines Einkaufen. Viele Shoppingcenter stellen sich auf die Entwicklung ein, so das EHI. Im weitestgehend gesättigten Markt ist quantitativ zwar wenig Bewegung, aber konzeptionell stellen sich die Einkaufszentren vermehrt neu auf.

02.04.2019

© ECE Food Sky

Galt die Modebranche bis vor kurzem als Rückgrat der Centerindustrie, so fordert die aktuelle Schwächephase neue Ansätze.

Zum Jahresanfang 2019 wurden in Deutschland 483 Shoppingcenter mit einer Mietfläche von über 10.000 Quadratmeter betrieben. Vier neue Center kamen im letzten Jahr hinzu, nachdem in 2017 gar kein neues Center eröffnet wurde. Zwei Neueröffnungen entfielen jeweils auf Berlin, wo jetzt insgesamt 42 Center betrieben werden, und Bayern, das mit 54 Objekten die meisten Center nach Nordrhein-Westfalen aufweist. Die Zahlen gehen aus einer Vorabmeldung zum „Shopping-Center Report 2019“ hervor, den das EHI Retail Institute nach eigener Angabe im Mai veröffentlichen wird. 
 
Die Gesamtfläche dieser vier neuen Center umfasst 130.500 Quadratmeter, was einem Durchschnitt von knapp 32.600 Quadratmetern pro Center entspricht – allerdings schlägt hier vor allem das Schultheiss Quartier mit 53.500 Quadratmetern in Berlin zu Buche. Auch im laufenden Kalenderjahr wird sich diese leichte Erholung im Markt der Neueröffnungen fortsetzen. Wenn sich die Planungen bestätigen, wird die Gesamtzahl bis Ende 2019 bei 489 liegen, so das EHI.

Erlebnis Gastronomie

Galt die Modebranche bis vor kurzem als Rückgrat der Centerindustrie, so fordert die aktuelle Schwächephase neue Ansätze. Zur Steigerung der Attraktivität setzen Center nun vermehrt auf Erlebnisse, darunter gastronomische Angebote. Kreative Foodcourts sind eine Inspirationsquelle für den Lebensmitteleinkauf und ein wichtiger Wohlfühlfaktor für den Kunden. Zudem erhöht eine Snack- oder Lunchpause die Verweildauer und das führt zu höheren Ausgaben.

Während um das Jahr 2010 und danach pro Jahr noch mehr als zehn neue Einkaufscenter eröffnet wurden, ist zuletzt eine deutliche Zurückhaltung in Bezug auf neue Shoppingcenter festzustellen, so die Studienautoren. Dagegen ist die Einbindung von Einzelhandelsflächen in Mixed-Use-Immobilien ein Trend. Immer häufiger werden Büros, Wohnungen oder auch Hotels in Shoppingcenter-Projekte integriert, um den Nutzen der Immobilie auszuschöpfen und das Center sinnvoll in die Umgebung einzubinden. Damit reagiert die Branche auf die Nachfrage in Metropolen nach attraktiven Büros – vor allem aber nach Wohnungen.

So verfolgen Experten zurzeit beispielweise mit Spannung wie im Herzen Frankfurts nach der Fertigstellung des Flair jetzt als nächstes die Bauarbeiten beim The Four Frankfurt vorangehen und wie sich dieses neue Quartier dem Hochpreisniveau der Goethestraße anpassen wird.

Schlagworte: Einzelhandel, Point of Sale, Shoppingcenter, Studie, EHI Retail Institute

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