Die Zahl der Ladendiebstähle wächst

Im deutschen Einzelhandel wird immer häufiger gestohlen. Waren im Milliardenwert verschwinden in den Taschen. Verantwortlich sind neben einzelnen Langfingern immer häufiger auch organisierte Banden.

22.06.2016

Der Ladendiebstahl im deutschen Einzelhandel nimmt deutlich zu, meldet das Kölner Handelsinstitut EHI. Insgesamt wurden 2015 Waren im Verkaufswert von über zwei Milliarden Euro gestohlen, so die Schätzung der Forscher – 100 Millionen mehr als im Vorjahr. Immer häufiger würden die Händler Opfer organisierter Bandendiebstähle. Im gesamten Einzelhandel summierten sich 2015 die Inventurdifferenzen auf vier Milliarden Euro. Hauptursache sind laut EHI-Studie mit einem Anteil von rund 55 Prozent weiterhin die Ladendiebstähle. Vor allem der Bandendiebstahl mache den Händlern zu schaffen.

Die Handelsexperten schätzen, dass von den vier Milliarden Euro rund zwei Milliarden auf Ladendiebstähle durch Kunden zurückzuführen sind. Den eigenen Mitarbeitern werden knapp 810 Millionen angelastet und Lieferanten sowie Servicekräften etwas mehr als 340 Millionen Euro. Die restlichen 640 Millionen Euro entfallen auf organisatorische Mängel. Die durchschnittliche Inventurdifferenz beträgt 1 Prozent vom Umsatz, weitere Kosten entstehen durch Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz. Insgesamt verliert der Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3 Prozent des Umsatzes – absolut gesehen also rund 5,3 Milliarden Euro.

Ladendiebstahl durch organisierte Banden

2015 sind die angezeigten Ladendiebstähle laut polizeilicher Kriminalstatistik um gut 7 Prozent angestiegen auf insgesamt knapp 400.000 Fälle. Vor allem schwere Ladendiebstähle haben in den letzten acht Jahren drastisch zugenommen. Berücksichtigt man die hohe Dunkelziffer mit gut 98 Prozent, bleiben nach Expertenschätzung jährlich mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle je im Wert von rund 86 Euro unentdeckt.

Geschätzt ein Viertel aller Ladendiebstähle wird von kriminellen Banden verübt. Besonders die straff organisierten kaukasischen Tätergruppen machen Händlern und Polizei zu schaffen. Alleine sie sollen 2015 Waren im Wert von 250 Millionen Euro im Einzelhandel gestohlen haben. Im Durchschnitt gibt der Handel gut 0,3 Prozent vom Umsatz für Sicherheitsmaßnahmen aus. Bei den Trends zeigt sich die größte Steigerungsrate bei der offenen Kameraüberwachung, die für mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen zukünftig oberste Priorität hat. Nach wie vor kommt aber auch der Schulung und Sensibilisierung von Personal eine Schlüsselrolle zu, um Ladendiebstahl zu minimieren.

Beliebte Beute

Den Lebensmittelhändlern werden vor allem Parfüms und Kosmetika, Rasierklingen, Tabakwaren, Spirituosen, Wein und Sekt, Zeitschriften, aber auch Kaffee und Babynahrung geklaut. Im Bekleidungshandel sind aktuell neben den üblichen Accessoires wie Gürtel oder Tücher vor allem hochwertige Damenmarken sowie Funktionsbekleidung bei Dieben beliebt. Im Elektronik-Bereich zeigt sich hoher Schwund bei Tonträgern, Smartphones samt Zubehör, Speicherkarten, Druckerpatronen und Elektrokleingeräten. Baumärkte nennen unter anderem Akku-Schrauber, Werkzeuge und LED-Leuchtmittel als Diebstahlrenner.

Schlagworte: EHI Retail Institute, Ladendiebstahl, Kriminalität

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