Stores of the Year 2020

Das Prinzip Glücksgefühl

Wer Hamburg und Berlin sagt, darf Heilbronn, Marktredwitz und Asbach-Bäumenheim nicht vergessen. Denn gerade dort, in der unterschätzten Provinz, zeigen selbstbewusste Händler, dass Erfolg eine Frage von guten Ideen ist. Das hat die „Stores of the Year 2020“-Jury überzeugt.

Von Cornelia Dörries 13.02.2020

© Paul Schimweg

Mit ihrem Flagshipstore in der Hauptstadt ist die Marke Douglas in der Zukunft des Beautygeschäfts angekommen.

Eine Erkenntnis nach der feierlichen Preisgala für die „Stores of the Year 2020“: Trends sind längst nicht mehr das Privileg von Metropolen. Denn mit der digital befeuerten Globalisierung ist das Stereotyp eines von Moden und Zeitgeist abgekoppelten Hinterlands obsolet geworden: Die Dynamik des Wandels erreicht die Branche überall und ohne Zeitverzögerung. Stationäre Händler, ganz gleich, ob in großen Städten oder im ländlichen Raum, müssen deshalb alle die dringliche Frage beantworten, mit welchen Konzepten sie dem Konkurrenzdruck aus dem Netz begegnen wollen. Obwohl die diesjährigen Preisträger des zum 16. Mal ausgetragenen HDE-Wettbewerbs für ganz unterschiedliche Ansätze stehen – ihnen gemeinsam ist das Vertrauen auf das Prinzip Glücksgefühl. Wer in der Fläche auf das Einkaufen als emotionales Erlebnis setzt und dafür klug integrierte digitale PoS-Lösungen mit kreativem Store Design verbindet, ist auf dem richtigen Weg. Insofern sind die in sechs Kategorien ausgezeichneten Läden Best-Practice-­Beispiele und Hoffnungsträger zugleich: Sie zeigen, was möglich ist – und das ist mehr als vielfach vermutet.

Fashion

Urbane Lounge

Wer als Modehändler im oberfränkischen Marktredwitz bestehen will, muss über die Grenzen des Landkreises hinaus Attraktivität entfalten. Das Modehaus Frey setzt mit seiner neuen Damenabteilung auf eine an urbanen Vorbildern geschulte Shoppingkultur: Pop-up-Themenwelten, private Shopping-Lounges und gastronomisch unterstützte Aufenthaltsqualität ziehen die Kundschaft auch aus Bayreuth und dem tschechischen Karlsbad an.

Food

Süddeutsche Lebensart, ganz groß

Mit der Neukonzeption ihres Fabrikverkaufs präsentiert sich die Molkerei Zott als Feinkostanbieter in XXL. Denn neben den hauseigenen Milchprodukten finden sich in der Zott Genusswelt in Asbach-Bäumenheim auch große Handelsmarken aus dem Süßwarenbereich sowie Frischeangebote von regionalen Bäckern, Metzgern und Käsereien. Unter dem Motto „Das Gute von zu Hause“ gibt es alles, was dazugehört, unter einem gemeinsamen Dach.

Concept Store

Welcome to the real life

Gerade die sogenannten Microbrands, also Nischenmarken für eher junge Zielgruppen, beschränken sich auf digitale Kanäle und sind im stationären Handel nur selten präsent. Mit der Folge, dass der Fläche damit auch der Kundennachwuchs ausgeht. Bei Realtale in Hannover bekommen solche Anbieter die Möglichkeit, die eigenen Produkte auf einer eigenständig gestalteten Fläche in Szene zu setzen und die Beratung an ein Vor-Ort-Erlebnis zu koppeln. Der Store wird zur Plattform im echten Leben.

Home+Living

Auf Hausbesuch

Der Flagshipstore des überregional präsenten Möbelhändlers Rieger in Heilbronn ist eine Absage an die immer gleiche Zweckmäßigkeit großflächiger Fachmärkte. Endlich. Das CO2-neutrale Gebäude wartet mit Tageslicht und schöner Atmosphäre auf, in der die durchdachte Inszenierung von Themen- und Wohnwelten als Rundgang angelegt ist. Der Kunde wird zum Flaneur. Den Weg durch Einrichtungsideen säumen Bistros und Streetfood-Stände, und auf dem Dach gibt es eine Sonnenterrasse.

Out of Line

Die Ware Schönheit

Vom Point of Sale zum Point of Experience: Mit ihrem Flagshipstore in der Hauptstadt ist die Marke Douglas in der Zukunft des Beautygeschäfts angekommen. Die Themenabteilungen bieten eine Vielzahl von digital unterstützten Ausprobiermöglichkeiten, außerdem gibt es im Obergeschoss eine integrierte Fläche für Treatments vor Ort. Im Zentrum steht die individuelle Beratung, ganz gleich, ob es um Düfte, Pflege oder Schönheitsprodukte geht. Eine Wohlfühladresse im besten Sinne.

Sonderpreis

Das Beste aus beiden Welten

Wenn sich on- und offline so perfekt durchdringen, dass die Kunden nicht mehr merken, in welcher Realität sie gerade unterwegs sind, kaufen sie wahrscheinlich gerade bei Bonprix fashion connect in Hamburg ein. Die auf circa 700 Teile reduzierte Modekollektion vor Ort vergrößert sich via Smartphone und Tablet auf 25 000, man kauft im Laden und im Onlineshop zugleich und probiert direkt in der Kabine oder erst zu Hause – ganz nach Belieben. Selbst das Bezahlen erfolgt ganz von selbst per RFID am Ausgang.

Schlagworte: Store of the Year

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