Bezahlverfahren: Mehrwert bieten

Der Markt für Mobile Payment kommt mit dem Einstieg von Payback Anfang Juni in Fahrt. Welche neuen Entwicklungen Händler im Blick behalten sollten.

Von 13.07.2016

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Von Douglas bis zu Aldi oder Lidl: Immer mehr Händler bieten die Möglichkeit, mobil zu bezahlen. Anfang Juni dieses Jahres hat Payback seine App erweitert. „28 Millionen Kunden können jetzt entscheiden, ob sie weiterhin, wie gewohnt, mit ihrer Karte Punkte sammeln wollen oder ob sie dafür die neue App nutzen möchten“, sagt Payback-Geschäftsführer Dominik Dommick.

Die App kombiniert das Punktesammeln, Coupons und das Mobile Payment. Zunächst können Verbraucher als Pilotprojekt in den Märkten der Drogeriekette dm ihren Bon per digitaler Karte und mit ihrem Smartphone begleichen. Mobiles Bezahlen per Payback-App wird ab Juli auch bei Real möglich sein.


„28 Millionen Kunden können jetzt entscheiden, ob sie weiterhin, wie gewohnt, mit ihrer Karte Punkte sammeln wollen oder ob sie dafür die neue App nutzen möchten.“ Dominik Dommick, Payback-Geschäftsführer


„Kunden fordern immer mehr mobile Services. Durch die gegenseitige Integration mobiler Angebote ist es egal, wo und wie der Nutzer seine Einkaufsreise startet“, kommentiert Philipp Blome, Geschäftsführer Digital Services bei Real. Bei der Metro-Tochter sollen bundesweit alle Kassen Payback-Pay akzeptieren. Galeria Kaufhof, Rewe oder Alnatura steigen ab Herbst ein.

Payback-Pay basiert auf einem QR-Code und dem internationalen Übertragungsstandard NFC (Near Field Communication). Die Daten werden kontaktlos per Funk übertragen, der Betrag wird dann per Lastschrift eingezogen. Die Bankdaten sind weder für Payback noch für die Partner einzusehen. Sie werden ausschließlich bei einem zertifizierten Zahlungsdienstleister gespeichert.

Junge Generation zeigt sich aufgeschlossen

Der Markt ist also in Bewegung – auch vonseiten der Verbraucher. Nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom können sich inzwischen 36 Prozent der Konsumenten vorstellen, in allen Alltagssituationen fast ausschließlich bargeldlos zu bezahlen. In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen ist es sogar nahezu die Hälfte der Befragten. Fast ein Viertel der Deutschen will an der Kasse künftig das Smartphone einsetzen.

Das deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Mobile-Money-Studie im Auftrag von Visa Europe aus dem vergangenen Jahr. Hier gehen vier von zehn Deutschen davon aus, dass sie im Jahr 2020 mindestens einmal pro Woche mit einem Smartphone, Tablet oder Laptop bezahlen werden. Zwölf Prozent erwarten, dass sie ihr Smartphone in fünf Jahren sogar täglich einsetzen.


Toolbox-Tipp: Bezahlverfahren

Bezahlverfahren haben einen maßgeblichen Einfluss auf die Conversion. Also darauf, ob ein Besuch des Webshops auch in einen Kauf umgesetzt wird. Wie viele und welche Bezahlverfahren Sie Ihren Kunden anbieten wollen, sollten Sie sich daher gut überlegen.

Weitere Informationen dazu finden Sie in der HDE-Toolbox.


„Mobiles Bezahlen an sich bietet aber weder dem Handel noch dem Verbraucher einen großen Mehrwert. Erst wenn dies mit anderen Vorteilen verbunden wird, wie es bei der Payback-App der Fall ist, könnte es interessant werden“, meint Ulrich Binnebößel, beim HDE zuständig für Zahlungssysteme.

Auch für Dorothee Frigge, Projektleiterin für Online- und Mobile-Payment des EHI Retail Institute in Köln, geht es um mehr als nur Schnelligkeit und Datensicherheit an der Kasse. „Die Verbraucher wollen einen Mehrwert erzielen, wenn sie ihr Smartphone einsetzen.“ Sie wollen weitere Pluspunkte sammeln, etwa auf ihrem mobilen Telefon auch gleich den Kassenbon abspeichern. „Die Integration weiterer Services wie Couponing ebenso wie die Steigerung von Effizienzpotenzialen sind für Händler die höchsten Motivatoren, ins mobile Bezahlen einzusteigen“, so Frigge. An der Technik wird es nicht scheitern. Lösungen kommen von vielen Seiten auf den Markt – mit jeweils unterschiedlichen Ansätzen. Die NFC-Variante scheint sich aber als Favorit herauszukristallisieren.


Die Trends im Blick haben

Mittelständische Einzelhändler sollten sich für den mittelfristigen Einstieg ins mobile Bezahlen bereithalten.

Etwa acht Millionen Verbraucher sollen die Payback-App bereits auf ihr Smartphone geladen haben – Tendenz steigend. In den nächsten Monaten werden sich große Händler sowie Tankstellenbetreiber beteiligen. Das dürfte die Attraktivität deutlich steigern. M-Payment, davon gehen die Experten aus, wird sich in den nächsten Jahren auch hierzulande etablieren. Mittelständische Händler brauchen sich zwar jetzt noch nicht darauf einzustellen, sie sollten aber bei Bedarf reagieren können: Kartenlesegeräte tauschen sie gegen NFC-fähige Terminals aus.


Nach der Studie Mobile in Retail 2015 des EHI Retail Institute im Auftrag von GS1 Germany sehen Experten hier das größte Potenzial. Darauf setzt auch der Kreditkartenanbieter Visa. In den letzten zwölf Monaten wurden drei Milliarden kontaktlose Visa-Transaktionen per NFC durchgeführt. „Wir registrieren ein steigendes Verbraucherinteresse an schnelleren und noch benutzerfreundlicheren Bezahlmöglichkeiten“, meint Volker Koppe von Visa.

Per NFC funktioniert künftig auch die mobile Girocard. Noch in diesem Jahr sollen Kunden mit einem Konto bei einer Volks- und Raiffeisenbank per Smartphone bezahlen können. Sie brauchen sich dafür dann nur die Banking-App herunterzuladen sowie die Wallet-App der Telekom, von Vodafone oder Telefonica. Zum Bezahlen wird am Ende das Smartphone vor das Terminal des Einzelhändlers gehalten. Bei einem Betrag von mehr als 25 Euro kommen zusätzlich die PIN der Girocard oder alternativ die Unterschrift zum Einsatz.

Das Potenzial ist groß: Künftig könnten laut Vodafone rund 110 Millionen Girocards, darunter 26 Millionen VR-BankCards, in den Smartphones eingesetzt werden. „Der Handel wird seine Terminals entsprechend dem Trend mittelfristig für das kontaktlose Bezahlen komplett umrüsten. Dann bleibt abzuwarten, was sich die Entwickler noch einfallen lassen“, so HDE-Zahlungsexperte Binnebößel.

Schlagworte: Payment, mobile Payment, Bargeldlos bezahlen, Bezahlsysteme, Kontaktloses Bezahlen, Bezahlen, Payback

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