Corona-Pandemie

Händler bitten Kunden um Kartenzahlung

Um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu reduzieren, bitten immer mehr Supermärkte und Händler ihre Kunden, an der Kasse bargeldlos zu bezahlen. Einige lehnen sogar die Annahme von Bargeld ab.

23.03.2020

© S-Payment GmbH

Bargeldloses Bezahlen ist in der Coronakrise besonders gefragt.

So heißt es zum Beispiel in einer Kundeninformation des Discounters Aldi Süd: „Zahlt wenn möglich kontaktlos mit der Karte.“ Ein anderer Händler informiert seine Kunden: „Gerne weisen wir Sie darauf hin, dass wir unsere Hygienevor­schriften sehr ernst nehmen. Daher bitten wir Sie aus Rücksicht auf andere Kun­dinnen und Kunden, weitestgehend auf Bargeldzahlungen zu verzichten und wenn möglich, Ihren Einkauf mit der ec-Karte, gerne auch kontaktlos, zu zahlen.

Mit solchen und ähnlichen Hinweisen wollen Händler offenbar vor allem ihr Kas­senpersonal vor direktem Kontakt mit den Kunden bei der Bargeldannahme und Wechselgeldausgabe schützen.

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der Spitzenverband der deutschen Sparkassen, empfiehlt, für tägliche Zahlungsvorgänge verstärkt das kontaktlose Bezahlen mit der Sparkassen-Card, mit einer Sparkassen-Kredit­karte oder mittels Smartphone zu nutzen. Kontaktlose Kartenzahlungen sind bis 25 Euro ohne PIN-Eingabe am Kassen-Terminal möglich, mobile Zahlungen mit Hilfe der gewählten Entsperrmethode am eigenen Smartphone – also Geräte-Code, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – und damit unter besonders hygienischen Bedingungen machbar. Die Kunden kommen beim kontaktlosen und mobilen Bezahlen so gut wie gar nicht mehr mit dem PIN-Eingabefeld am Kassen-Terminal in Berührung.

Experten streiten über Gefahr durch Bargeld

Doch ist die Sorge vieler Händler vor möglicherweise kontaminiertem Bargeld überhaupt begründet? Im Zuge der Corona-Pandemie diskutieren Experten aus Wissenschaft und Kreditwirtschaft darüber, ob durch den Kontakt mit Scheinen und Münzen das Coronavirus übertragen werden kann. Die Meinungen sind geteilt.

"Viren auf Banknoten können eine Gefahr darstellen, wenn man sich nach dem Anfassen nicht die Hände wäscht und ins Gesicht greift", sagt zum Beispiel Mark Witchi, Leiter der Sektion Impfempfehlung und Bekämpfungsmaßnahmen im Schweizer Bundesamt für Gesundheit, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Untersuchungen seines Amtes, an denen er beteiligt gewesen sei, hätten ergeben, dass Influenzaviren beispielsweise bis zu 17 Tage auf Banknoten überleben könnten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) glaubt, dass Bargeld ein Nährboden für das Virus Covid-19 (Coronavirus) sein könnte. Sie plädiert daher dafür, dass Menschen ihre Einkäufe möglichst kontaktlos bezahlen.

Laut des Frankfurter Gesundheitsamts erfolgt die Ansteckung mit den neuar­tigen Coronaviren meist über Tröpfcheninfektionen im Rachen, durch Husten, Niesen oder Sprechen. Die Wahrscheinlichkeit, sich durch Kontaktübertragung an Geldscheinen oder Münzen zu infizieren, ist nach Einschätzung deutscher Virologen sehr gering – aber nicht ausgeschlossen. "Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen", sagte etwa der Virologe Christian Drosten in einem Podcast des Norddeutschen Rundfunks. Laut Robert Koch-Institut sind derzeit keine Fälle bekannt, in denen das Virus durch Gegenstände - also auch nicht durch Bargeld - übertragen wurde.

Auch die Deutsche Bundesbank gibt laut einem Bericht der Frankfurter Allge­meinen Zeitung Entwarnung für den Kontakt mit Bargeld. „Es gibt keinerlei Belege dafür, dass das Coronavirus durch Banknoten oder Münzen übertragen wurde“, zitiert die Zeitung das Institut. Nach Angaben der Bundesbank gibt es regelmäßig Untersuchungen dazu, ob die Verbreitung von Scheinen und Münzen sich auf die öffentliche Gesundheit auswirken könnte. Für die Bürger werden im Umgang mit Bargeld die gleichen Maßnahmen bezüglich der Handhygiene empfohlen wie bei allen anderen Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs auch, wie zum Beispiel Türklinken, Einkaufswagen oder Zahlungs­terminals, heißt es von der Bank.

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Kommentare

  • Milan K.

    Schon immer sind auf Geldscheinen hunderte bis tausende Keime zu finden, z.B. Noroviren, die ja bekanntlich Magen-Darm-Probleme auslösen. Trotzdem hat es wenige Leute gestört. Aufgrund von Corona und der Aktion verschiedener Staaten (China desinfiziert Bargeld, in den USA kommt es in Quarantäne) ist das Thema nun in aller Munde.

    Was natürlich richtig und wichtig ist: Wer mit Karte bezahlt, kann einfacher Abstand von den Kassierern halten. Das schützt beide. Aber für den Komplettverzicht auf Bargeld gibt es auch keinen Grund, siehe diese Notiz bzw. Infografik: https://www.bezahlexperten.de/kurz-notiert/corona-bargeld-kartenzahlung-ansteckung/

    Wenn man sich aber auch bei Google Trends die Entwicklung der Suchanfragen zu Begriffen wie "Kartenzahlung" oder "kontaktlos" anschaut, merkt man, dass das Thema in den letzten Tagen stark nachgefragt ist. Corona wird also auch in dieser Hinsicht unser Verhalten dauerhaft verändern.
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    23.03.2020, 16:54 Uhr
  • xy xy

    Bargeldlos bezahlen OK aber nicht bei jedem Geschäft gehts dann muß man den Pin eingeben und wie ist da die Gefahr daß man sich ansteck
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    14.04.2020, 17:18 Uhr
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