Am liebsten mit Passwort

Ab September 2019 verpflichtet die Zahlungsrichtlinie PSD2 Händler und Zahlungsdienstleister zur sogenannten starken Kundenauthentifizierung. Biometrische Authentifizierungsverfahren werden in Zukunft eine größere Rolle spielen. Die meisten Verbraucher tun sich damit schwer.

05.08.2019

© Redpixel / Adobe Stock

Deutsche Kunden geben beim Onlinekauf am liebsten ein Passwort ein.

Laut einer neuen Paysafe-Studie äußern 61 Prozent der deutschen Verbraucher die Sorge, dass durch den Einsatz von Biometrie bei Bezahlvorgängen Identitätsdiebstähle stark ansteigen könnten. Unter den weltweit Befragten sind nur 56 Prozent dieser Meinung. Entsprechend bevorzugt mit 83 Prozent die große Mehrheit der Deutschen Sicherheitsmaßnahmen auf Basis von etwas, das sie wissen, wie etwa Passwort oder Pin. Biometrie liegt allerdings bereits auf Platz zwei: 73 Prozent der Deutschen fühlen sich wohl damit, ein Element zu nutzen, das einzigartig für ihre Person ist, beispielsweise Fingerabdruck, Gesicht oder Stimme. Am wenigsten beliebt ist die Identifizierung mit dem Mobilgerät mit 44 Prozent. Entsprechend den Anforderungen der 2-aus 3-Faktor-Authenitifzierung von PSD2 nannten die Befragten jeweils die zwei Maßnahmen, die sie bevorzugen.

Die aktuelle Studie „Lost in Transaction“ von Paysafe untersucht, was Verbraucher über neuartige Wege der Identifizierung denken und welche Zahlungsarten sie bevorzugen. Dazu wurden 6.000 Verbraucher in Deutschland, Österreich, Großbritannien, den USA, Kanada und Bulgarien befragt. „Lost in Transaction” ist eine jährliche Studienreihe zu neuen Entwicklungen im Payment-Sektor.

Vorbehalte gegen biometrische Verfahren unter deutschen Verbrauchern

Passend zu den Vorbehalten gegenüber der neuen Technologie ist die Anwendung von biometrischen Verfahren in Deutschland bislang nur wenig verbreitet: Über die Hälfte der deutschen Befragten (51 Prozent) nutzt kein biometrisches Verfahren, wenn sie sich bei einem Online-Kauf oder der Nutzung eines Online-Dienstes identifizieren. Der Einsatz von Fingerprint-Sensoren ist mit 39 Prozent noch am weitesten verbreitet unter den Deutschen. Eine innovative Einsatzmöglichkeit von Biometrie ist die eigene Stimme, um etwa im Smart Home Zahlungen abzuwickeln. Aber auch hiermit tun sich deutsche Verbraucher schwer: Während 60 Prozent der Deutschen befürchten, dass ihre Bankdaten bei der Verwendung von stimmengesteuerter Technologie wie Alexa oder Google Home nicht sicher sind, denken dies nur 49 Prozent der Briten.

Warum verwenden deutsche Verbraucher ihre biometrischen Daten bislang nur selten zur Identifizierung bei Online-Käufen? Laut der Studie von Paysafe geht es vor allem um den Datenschutz: 40 Prozent der Befragten in Deutschland, die biometrische Verfahren ungern anwenden, möchten vermeiden, dass Unternehmen Zugriff auf ihre persönlichen biometrischen Daten bekommen. 32 Prozent wissen nicht genug über dieses Verfahren, um ihm zu vertrauen. 28 Prozent halten es nicht für sicher.

Deutsche Verbraucher halten Biometrie für unsicher – aber auch für praktisch

Gleichzeitig sehen die Befragten in der „Lost in Transaction“-Studie durchaus die Vorteile von Biometrie bei Online-Käufen: 44 Prozent der Deutschen halten biometrische Methoden bei Bezahlverfahren für praktischer, als wenn sie Passwörter eingeben müssen. 41 Prozent der Deutschen denken, es sei schneller, und immerhin ein Drittel (33 Prozent) der Deutschen hält es für sicherer als andere Verfahren. 

Claire Gates, CEO Paysafe Pay Later sagt: „Biometrische Authentifizierung ist ein sehr sicheres Verfahren für Online-Bezahlvorgänge. Onlinenutzer und Bankkunden sind jedoch seit vielen Jahren an Passwörter gewöhnt – deshalb ist es verständlich, dass sie diese relativ neue Methode für unsicher halten, weil sie oft auch noch wenig darüber wissen." Die Studie zeige allerdings, dass sich Verbraucher durchaus schon über die praktischen Vorteile des Verfahrens bewusst sind. Deshalb sollten Handel und Zahlungsdienstleister verstärkt darüber aufklären, dass biometrische Verfahren bequem und sicher sind. Gerade hinsichtlich der Vorgaben von PSD2 zur starken Kundenauthentifizierung sei dies entscheidend, so Gates. "Weil die biometrische Identifizierung so einfach ist, bringt sie auch die Chance, die Abbruchquote beim Bezahlvorgang zu verringern. Durch einen simplen und reibungslosen Bezahlvorgang können Händler ihren Kunden ein noch angenehmeres Einkaufserlebnis ermöglichen.“

Deutsche Online-Kunden zahlen gern traditionell

Bei der Wahl des Bezahlmittels zeigt die Studie von Paysafe interessante Unterschiede zwischen den Ländern auf: Während nur 40 Prozent der Deutschen mit ihrer Kreditkarte im letzten Monat etwas online gekauft haben, waren es in Kanada 64 Prozent, und in den USA 51 Prozent. Dagegen ist Deutschland mit 35 Prozent Spitzenreiter bei der Verwendung von Online-Wallets wie PayPal oder Skrill. Ebenfalls weit vorne liegen Deutsche und Österreicher bei der Bezahlung auf Rechnung oder in Raten: 23 Prozent der Deutschen haben im letzten Monat auf diese Weise etwas online gekauft, in Österreich waren es 25 Prozent. In den USA dagegen sind es nur 5 Prozent.

Claire Gates erläutert weiter: „Im Gegensatz zu anderen Ländern ist in Deutschland das Bezahlen auf Rechnung weit verbreitet. Händler sollten ihren Kunden deshalb eine umfassende Auswahl an Bezahlmethoden ermöglichen und gerade in Deutschland einen besonderen Fokus auf Bezahlung mit Rechnung legen. So optimieren sie das Einkaufserlebnis und verringern die Abbruchquote beim Bezahlvorgang.“ 

Schlagworte: Payment, PSD2

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