Handelsimmobilienkongress: Experimente am Kreativhaus

Die Bilanz für das Jahr 2015 klingt bestens, doch den Blick in die Zukunft trüben Sorgen: Demografischer Wandel und Digitalisierung setzen die Handelsimmobilienbranche unter Druck. Innovative Konzepte sind gefragter denn je.

Von Mirko Hackmann 22.02.2016

Trotz Digitalisierung stehen die Zeichen im Einzelhandel weiterhin auf Flächenzuwachs. „Der Handelsimmobilienmarkt in Deutschland wächst weiter. Im vergangenen Jahr konnte ein Rekordniveau bei den Investitionen verzeichnet werden“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. So stiegen die Investitionen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 120 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Gründe dafür seien die stabile Konjunktur und der gute Ruf des deutschen Handelsimmobilienmarktes. Auch die Signale für 2016 stimmten positiv.

Einig waren sich die Experten jedoch, dass der stationäre Handel angesichts hoher Onlinewachstumsraten und sinkender Bevölkerungszahlen im ländlichen Raum unter Druck geraten wird. Umso wichtiger seien passende politische Rahmenbedingungen für die Digitalisierung der stationären Flächen, aber auch eine Modernisierung der Baunutzungsverordnung. „Die Nahversorgung in der Fläche aufrechtzuerhalten, ist in unser aller Sinne“, betonte Genth.

Wie der Wandel im Handel gelingen kann, zeigen die Preisträger der Auszeichnung „Store of the Year“.

Geht es für Einzelhändler in der Provinz oft ums Überleben angesichts schwindender Bevölkerung, besteht im urbanen Raum an Nachfrage prinzipiell kein Mangel. Doch vor allem die digitalaffinen, jüngeren Zielgruppen sorgen für Modernisierungsdruck. Für sie sind Online- und Offlinewelt eine Einheit, weshalb der stationäre Handel digitaler werden muss. „Zugleich sind sie von einer Sehnsucht nach Gemeinschaft und kreativem Miteinander beseelt“, erklärte Andreas Steinle, Geschäftsführer vom Zukunftsinstitut Workshop, der „Analog für das neue Bio“ hält. So werde das Thema Essen im Handel eine größere Rolle spielen, ebenso Formate wie Manufacturing Halls, die durch die Zusammenführung von Produktion und Handel kreativen Konsum ermöglichten.

Für Aufhorchen im Forum sorgte Dennis Boehres, Geschäftsführer von GoPopUp. Das Startup vermittelt Locations, die temporär vermietet werden, in der Regel an internationale Markenhersteller. „Wir bieten kein Allheilmittel gegen strukturellen Leerstand, besetzen aber eine Nische mit beachtlichem Wachstumspotenzial“, betonte Boehres. Centerbetreiber wie Sierra oder ECE experimentieren mittlerweile auch mit Popup-Formaten. Zudem sollen Innovationen wie Apps, Promotion-Fences und Einkaufsscouts erlebnisaffine junge Käufer anziehen. Nicht alles kommt beim Kunden an, Trial and Error regieren. Oder wie Henrie W. Kötter, CIO von ECE, sagte: „Scheitern ist erlaubt. Uns geht es zunächst darum, etwas weiter zu sein als die anderen aus der Lerngruppe.“

 

Schlagworte: Digitalisierung, Handelsimmobilien, Handelsimmobilienkongress

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