Fliegende Lieferanten und digitale Packesel

Was wünschen sich die Menschen auf ihrer Consumer Journey und was glauben sie, wie sie 2030 einkaufen werden? Bei unserer Straßenumfrage erzählen sie von pragmatischen Wünschen nach kassenlosem Bezahlen und überraschenden Zukunftsvisionen wie Shopping-Robotern.

Von Jens Gräber 16.06.2019

© Jordan Stead / Amazon

Eine Vision, die schon bald Wirklichkeit werden könnte: die Lieferdrohne von Amazon.

Johanna Ida Blume

Ich war gerade erst Klamotten einkaufen. Eigentlich bestelle ich meist online, aber jetzt bin ich ausnahmsweise mal in den Läden vor Ort unterwegs. Mich nervt es, wenn im Laden einzelne Größen vergriffen sind. Da hat man im Internet einfach mehr Auswahl. In Zukunft wird beim Einkaufen noch mehr online passieren, glaube ich. Und es wird sicher mehr Läden geben, in denen man sich Sachen vor Ort anschauen kann, die dann eingescannt und einem nach Hause geschickt werden. Vielleicht werden die Einkäufe ja dann auch von einer Drohne gebracht.

 

Patrick Goldau

Eigentlich bestelle ich nur im Internet, ich gehe höchstens mal in einen Laden, um mir etwas anzuschauen. Aber online finde ich das dann meistens billiger. Im Laden nervt mich oft die aggressive Herangehensweise der Verkäufer, die immer direkt auf einen losstürmen. Die sollten dem Kunden einfach etwas mehr Zeit geben, sich die Sachen auszusuchen. Ob wir 2030 von Drohnen beliefert werden? Da bin ich mir nicht sicher. Ich glaube aber, dass viele stationäre Einzelhändler keine Chance mehr haben werden. Alle werden nur noch online bestellen, weil es einfach viel bequemer ist – und auch bequem macht.

 

Erika Perschge

Ich gehe beim Einkaufen schlendern und schaue, ob was auf mich zukommt. Deshalb kaufe ich gar nicht online ein, ich muss was in der Hand haben. Bei Bestellungen gefällt mir auch das Hin- und Herschicken nicht, wenn etwas nicht passt. Ich habe schon überlegt, mal im Laden zu fragen, ob man mir was nach Hause schickt. Da ich Zeit habe und Rentnerin bin, kann ich ja überall hingehen. Ich glaube aber, dass in 20 Jahren die stationären Läden ausgestorben sind – man sieht es ja schon, dass viele geschlossen sind. Die Weiterentwicklungen, dass man zum Beispiel mit Fingerabdruck bezahlen können soll, sind nicht schlecht. Aber das ist mehr was für junge Leute.

 

Herbert Weiss

Ich bin heute mit meiner Frau auf Shoppingtour, das hatte ich ihr versprochen. Ich kaufe lieber in den Läden vor Ort ein, online bestelle ich gar nichts. Ich schaue mir höchstens mal Produkte im Internet an. Mit dem Angebot in den Läden bin ich eigentlich wunschlos glücklich, ich wüsste nichts, was ich sonst noch bräuchte. Ich kann mir vorstellen, dass in 30 Jahren nur noch online eingekauft wird – falls die Leute nicht davon enttäuscht sein werden. Sind sie unzufrieden und schicken wieder alles zurück, geht der Trend wahrscheinlich wieder zurück zu den Läden.

 

Maik Clühfuß

Ich bestelle fast alles online, vor allem wenn es schnell gehen muss – was eigentlich bei 90 Prozent meiner Einkäufe der Fall ist. Vom Handel wünsche ich mir, dass ich überall bargeldlos bezahlen kann. Es gibt immer noch Läden, wo man nicht mit Karte zahlen kann – oder erst ab zehn Euro. So was nervt mich. Ich glaube nicht, dass Handel in Zukunft nur noch online stattfindet. Es gibt bestimmte Dinge, die man einfach immer im Laden kaufen wird. Die Frage ist aber zum Beispiel: Gibt es noch jemanden, der an der Kasse steht? Amazon Go zeigt ja schon ein Konzept für kassenloses Bezahlen. Aber für Beratung und alles, bei dem der menschliche Kontakt eine Rolle spielt, wird es immer Bedarf in stationären Läden geben. Das können Maschinen einfach nicht gut ersetzen, da fehlt die Empathie.

 

Moritz Mayer

Lebensmittel kaufe ich immer im stationären Handel vor Ort ein, andere Dinge habe ich bisher oft online bei Amazon bestellt. Aber ich versuche jetzt, das nicht mehr so oft zu machen. Denn, ehrlich gesagt, finde ich es unverschämt, dass so ein Konzern im Grunde keine Steuern zahlt. Was ich mir vom Handel vor Ort wünschen würde, ist kontaktloses und kassenloses Bezahlen – das wäre cool. Die Konzepte gibt es ja. Ich kann mir vorstellen, dass der Onlinehandel in Zukunft noch zunimmt. Ich glaube aber nicht, dass die Läden ganz aussterben werden. Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen. Ich mag es auch, beim Einkaufen unter Leuten zu sein.

 

Astrit Ibro

Online kaufe ich gar nichts, so jung bin ich nicht. Ich möchte die Ware sehen und, wenn es geht, auch ausprobieren – dann kaufe ich. Manches übernimmt aber auch meine Frau, ich gehe nicht so gern in Geschäfte. Ich trinke dann in der Zeit einen Kaffee und helfe ihr, die Sachen nach Hause zu bringen. Die Technologie rennt, wir erleben eine digitale Revolution. Ich weiß nicht, was die Zukunft in 20 oder 30 Jahren bringt – vor 30 Jahren war die Situation auch noch ganz anders als heute. Aber wahrscheinlich werden die Menschen in Zukunft alles nur noch per Knopfdruck organisieren, auch das Einkaufen.

 

Sylvia Bewer-Becker

Ich nutze oft meine Mittagspause, um Einkäufe zu erledigen oder mich inspirieren zu lassen, was es Schönes gibt. Ich shoppe aber auch sehr gerne online. Es kommt ganz auf die Produkte an, ob ich zum Beispiel etwas anprobieren will, bevor ich es kaufe. Vom Handel wünsche ich mir, dass Lebensmittel nicht mehr so dick verpackt werden. 2030 stelle ich mir Einkaufen so vor, dass ich mit meinem persönlichen Roboter die Straße entlanggehe, der meine Tüten trägt und mir zeigt, wo es tolle Angebote gibt. Wahrscheinlich werden noch mehr Wünsche geweckt. Ich schaue mit viel Freude, aber auch etwas Besorgnis in die Zukunft.

 

Schlagworte: Umfrage, Verbraucher

Kommentare

  • Jörg Messing

    Zur Ansicht von Herrn Goldau: Solche Kunden habe ich in meinem Laden leider öfter. Ware ansehen, heftig ins Smartphone gucken, hintergründig lächelnd den Laden verlassen und dann vermeintlich günstiger Online kaufen. An der Ware ist logischerweise der normale EVP ausgewiesen. Wenn man aber ganz einfach mal mit dem Verkäufer kommuniziert, kann man vor Ort hübsche Rabatte aushandeln, die mit den Online-Händlern oft nicht nur konkurrieren können, sondern sogar höher ausfallen.
    Antworten
    15.07.2019, 10:58 Uhr
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