Visual Search im Fokus

Einfach ein Produkt mit dem Smartphone fotografieren und mithilfe des Fotos Artikel online finden, die dem fotografierten Produkt ähnlich oder mit ihm identisch sind? Visual Search hat Potenzial und könnte im Einzelhandel ein disruptiver Trend werden, so eine neue Studie.

20.03.2019

© Elaboratum

Visual Search hat großes Potenzial, so eine neue Studie.

Und zwar vor allem in den Branchen, in denen optische Komponenten der Produkte entscheidend sind. Doch neue Technologien werden nur dann erfolgreich, wenn sie dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten und von ihm akzeptiert werden. Die Unternehmensberatung Elaboratum hat die Akzeptanz von Visual Search im Rahmen einer neuen Studie analysiert. Gut 600 Nutzer haben insgesamt 3.600 echte Use-Cases von sechs führenden Visual Search-Anbietern aus der Fashion-Branche bewertet.

Im Fokus der Studie stehen die Erwartungen und Ansprüche der Nutzer an eine Online-Produktsuche. Am Beispiel der Fashionbranche haben Kunden in der Befragung die Suchergebnisse führender Technologie-Anbieter für Visual Search bewertet. Die wichtigsten Ergebnisse aus der Studie: 
Drei von vier Befragten können sich vorstellen, Visual Search in Zukunft zu nutzen
Für 67 Prozent der Nutzer liegt der große Vorteil der Visual Search darin, dass es einfacher ist, Bilder abgleichen zu lassen, als Suchanfragen über Text oder Sprache zu beschreiben. Rund 50 Prozent der Befragten erwarten von der Visual Search genauere Suchergebnisse als über text- oder sprachbasierte Suchen. 

Amazon abgeschlagen
Die verschiedenen Anbieter nutzen unterschiedliche Technologien; die Studie wollte herausfinden, welcher Anbieter am besten abschneidet. Das Resultat: Mit 62 Prozent positiven Ergebnissen im Gesamteindruck belegt Google den ersten Platz, dicht gefolgt von Asos (Technologie: viSenze) mit 61 Prozent und Zalando (Technologie: cortexica) mit 57 Prozent. Pinterest besetzt als solider Allrounder den vierten Platz. Überraschenderweise landet der E-Commerce-Riese Amazon mit lediglich 42 Prozent positiver Bewertungen abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. 

Einfluss vorheriger Nutzung
Wer vor der Untersuchung bereits Erfahrungen mit Visual Search gemacht hat, bewertet die Ergebnisse insgesamt deutlich positiver als Personen, die Visual Search in der Befragung zum ersten Mal genutzt haben. Wurde Visual Search davor bereits angewendet, steigen die positiven Bewertungen von 52 Prozent auf beachtliche 68 Prozent an. Über alle Anbieter hinweg bewerten Männer die Suchergebnisse um 14 Prozent positiver als Frauen. Auffällig ist der Unterschied insbesondere beim Gesamtsieger Google. Männer gaben in rund 86 Prozent der Fälle an, ein passendes Produkt unter den Top-4-Suchergebnissen ausgespielt zu bekommen, wohingegen es bei Frauen lediglich 62 Prozent waren. „Frauen scheinen allgemein deutlich kritischer in der Bewertung der Suchergebnisse zu sein“, hält Studienautor Maximilian Kirschbauer fest. „Wie die Studienergebnisse zeigen, sind Nutzer mit hoher Internet-Affinität, Smartphone-Power-User und die Zielgruppe der unter 20-Jährigen von der Visual-Search-Technologie besonders begeistert. Grundsätzlich sind die Ansprüche der breiten Masse an Visual Search jedoch hoch, sodass sich die Technologie auf lange Sicht noch verbessern muss, um eine nachhaltige Daseinsberechtigung im Markt zu manifestieren.“ 

Vier Tipps zur Einführung von Visual Search 
1.    Kundenbrille aufsetzen: Der Einsatz von Visual Search kann Unternehmen Wettbewerbsvorteile bieten – vorausgesetzt, sie bietet den Kunden einen Mehrwert. Deshalb ist es vor der Einführung oder einer Testphase wichtig, zunächst die Kundenbrille aufzusetzen: Wie profitieren meine Kunden am meisten von der neuen Suchform? Dies lässt sich durch einfache und unaufwändige nutzerzentrierte Methoden bewerkstelligen und als Test & Learn überprüfen.

2.    Einstiegshürden beseitigen: Unternehmen, die Visual Search einführen wollen, sollten darauf achten, die Einstiegshürden für die Nutzer so klein wie möglich zu halten. Idealerweise integrieren sie die Visual Search direkt in vorhandene und bereits genutzte Apps. So haben es die Nutzer leichter, die neue Technologie in einem gewohnten Umfeld auszuprobieren. Da die positive Wahrnehmung der Nutzer von Visual Search mit der gemachten Erfahrung steigt, ist es besonders wichtig, den Einstieg so leicht wie möglich zu gestalten.  

3.    Mit offenen Karten spielen: Vor allem in Testphasen sollten Nutzer darauf hingewiesen werden, dass es sich um einen „Piloten“ handelt. Damit wecken sie beim Kunden keine zu hohen Erwartungshaltungen, die dann eventuell enttäuscht werden und als schlechtes Kundenerlebnis in Erinnerung bleiben. Gleichzeitig zeigen sich Unternehmen als innovativ und offen für Neues, wenn sie neue Technologien als Piloten testen. 

4.    Gut, besser, optimal: Pilotphasen sind vor allem zum Ausprobieren da. Besonders wichtig ist es, die gewonnenen Erkenntnisse dann auch in die kontinuierliche Weiterentwicklung fließen zu lassen. So können beispielsweise Feedbackfragen nach Abschluss der Nutzung integriert und wertvolle Kundenmeinungen gesammelt werden. Natürlich sollten anbietende Unternehmen auch selbst die Technologie ausgiebig testen und mit eigenen Erfahrungswerten an der weiteren Verbesserung arbeiten.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Schlagworte: Einzelhandel, Omnichannel, Studie, Digitalisierung, Trends, Produktrecherche, Smartphone, E-Commerce, Onlinehandel

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