Neocom: Eine Plattform für viele Channel

Neocom, die Leitmesse für den interaktiven Handel, ließ aufhorchen. In Düsseldorf präsentierten sich an zwei Tagen renommierte Experten. Diskutiert wurden die drängenden Fragen der Branche: von A wie Amazon bis Z wie Zukunft.

Von Ralf Kalscheur 02.12.2015

© N. Ittermann / Handelsjournal

Auf dem Böhler-Areal in Düsseldorf wird branchenübergreifend gearbeitet. Beim Marsch vom Parkplatz zu den Eventhallen bot sich daher ein schönes Bild: Messeteilnehmer in mehrheitlich businessblauer Arbeitskleidung und die im Blaumann gekleideten Arbeiter ansässiger Stahlunternehmen trafen sich in stiller Übereinkunft zu einer Demonstration der Geschäftigkeit. Die Neocom, Leitveranstaltung für E-Commerce und Multichannel-Handel in Deutschland, will sich zur einheitlichen Branchenplattform entwickeln – und scheint dabei auf dem richtigen Weg zu sein.

Bei den Messebesuchern registrierten die Veranstalter vom Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr (insgesamt 4 500), gut zwei Dutzend mehr Aussteller wurden ebenfalls gezählt (203). Am Kongress nahmen über 1 100 Entscheider aus dem interaktiven Handel teil. Die Trägerschaft der Veranstaltung liegt seit Jahren in den Händen des HDE, in diesem Jahr erstmals zusammen mit dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh).

Auf der Bühne beteiligten sich von Rainer Hillebrand (Otto Group) über Tobias Kindler (MediaSaturn), Torsten Toeller (Fressnapf ), Jan-Dieter Schaap (Parfümerie Douglas) bis hin zu Philip Siefer (Einhorn Condoms) renommierte Repräsentanten des Internethandels an der Debatte. Die drehte sich auch um Kontroverses wie Amazon und die vermeintlich erdrückende Marktmacht des Global Players. Hartmut Deiwick (Aponeo) wusste auf dem Podium von einer bösen, ganz frischen Erfahrung zu berichten: Am Tag vor Beginn der Neocom hatte der amerikanische Internetgigant der Versandapotheke kurzerhand das Konto gesperrt. „Einfach so.“ Ein Albtraum. Auf die fälschliche Kontosperrung hingewiesen, habe Amazon Abhilfe innerhalb von 24 Stunden versprochen. Darauf musste Aponeo vertrauen – was sollten die Händler sonst auch tun? Es wurde in Düsseldorf deutlich: Besser, als allein auf Amazon zu setzen, ist es, sich mehrerer Kanäle zu bedienen.

Es ging auf der Neocom um die mittelfristigen Entwicklungen der Digitalisierung und die aktuellen Umwälzungen beim Datenschutz, die optimale Customer Experience und natürlich die clevere Integration aller Verkaufskanäle. Allerdings: Kanäle soll man nicht mehr sagen, konnte man erfahren, weil der Kunde nicht in Kanälen denke. Neben den großen Gedankensprüngen der Branchenexperten im Kongressprogramm sorgten vor allem auch die Messeforen auf vergleichsweise kleiner Bühne für die handfeste Informationsvermittlung mit praktischem Nutzwert. Dazu kann man den Zuhörern nur gratulieren. Ebenso wie Roman Arnold (Canyon Bicycles), dem die Auszeichnung „NEO – Personality of the Year“ zuteilwurde. Der Versandhändler E.M.P. Merchandising durfte sich über den „NEO – Excellence in Multichannel“ freuen. Den Preis „bevh Young Business Award“ erhielt Vice Sporting Goods aus München, Betreiber des Onlineshops Vicegolf.com.


Was macht ihr?
Die Branche rund um den E-Commerce kämpft um Kontakte. Das Handelsjournal hat Ausstellern, die beim Messerundgang auf der Neocom unsere Aufmerksamkeit gewinnen konnten, kurzerhand eine Aufgabe gestellt: spontaner Elevator Pitch für einen Platz in unserem Magazin, eine Minute Zeit. Was ist eure Botschaft? Und los!

Mobile Paketannahme
Wir alle kennen das Problem der „letzten Meile“: Selbst im besten Onlinehandel knirscht es, wenn der Kunde nicht zu Hause ist. Es gibt zwar diverse alternative Zustellwege, etwa die Abgabe beim Nachbarn, den Paketshop oder die Sendungsumbuchung. Doch diese Optionen sind für den Kunden wenig befriedigend, und auch für die Zusteller entsteht Mehraufwand. Jede der Alternativen führt letztlich auch zu Umsatzeinbußen beim Versender. Wir bieten Abhilfe mit unserem PakSafe, dem mobilen Paketbriefkasten, der an der Wohnungstür angebracht werden kann. Wir setzen bewusst auf eine mobile Lösung, die speziell auf Mieter und Bewohner von Mehrfamilienhäusern abzielt, die den PakSafe nur dann an der Tür anbringen, wenn sie tatsächlich ein Paket erwarten. Wichtig: Wir sind offen für alle Zusteller und haben alle denkbaren Diebstahlsicherungen integriert, inklusive Alarmanlage. Der Abschluss einer Versicherung für Pakete wird in Kürze möglich sein. – Andreas Runkel, Leiter Unternehmenskommunikation, Paksafe.de

Grenzenlos verkaufen
Bei uns geht es um multilingualen Content-on-Demand. Wir leisten Übersetzungen in über 30 Sprachen, verfassen auf Wunsch aber auch die Primärtexte zur Produktdarstellung. Unser Fokus liegt klar auf dem E-Commerce. Das bedeutet, wir helfen Onlinehändlern und Agenturen bei der Internationalisierung ihrer Websites und Webshops. Unsere Kunden wollen neue Märkte erschließen. Das sind vor allem klassische Onlinehändler, etwa aus der Modebranche oder der Reiseindustrie, die ständig neuen Content und entsprechend neue Übersetzungen benötigen. Bei der Mode wechseln die Kollektionen häufig, Reiseanbieter haben immer wieder neue Touren im Angebot. Das sind zwei Zielgruppen, die sehr wichtig für uns sind. Generell stehen wir aber Onlinehändlern aus jeglicher Branche zur Seite, die ihr Angebot internationalisieren möchten. – Volker Kratz, Country Manager DACH, Textmaster.de

Start-up im Bildfokus
Wir sind ein Nischendienstleister für Webshops, Produktfotografen und alle Händler, die Waren online oder offline abbilden. Wir übernehmen die Fleißarbeit für unsere Kunden, indem wir deren Bilder innerhalb von 24 Stunden freistellen, retuschieren, spiegeln oder schattieren. Unsere Auftraggeber sparen dadurch Zeit und können ihre Mitarbeiter anderweitig einsetzen. Wir bearbeiten bis zu 3 000 Bilder über Nacht und liefern sie nach einer Qualitätskontrolle bis zum nächsten Morgen an den Kunden zurück. Der kann die Bilder sofort online stellen – unsere Fehlerquote liegt mittlerweile bei unter 0,5 Prozent. Unsere Mitarbeiter sind Hobbyfotografen, aber in erster Linie ausgebildete Grafiker. Die haben ein geschultes Auge, sodass sich unsere Auftraggeber gut aufgehoben fühlen. Wir arbeiten für große Kunden, bieten unsere Leistungen aber schon ab drei Bildern an, um auch kleinere Onlineshops schnell und günstig glücklich zu machen. – Vernen Liebermann, COO, Doopic.com

Versender vergleichen
Wir sind ein Vergleichsportal für den Paketversand, sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich. Endkunden etwa bieten wir die Möglichkeit, Versandkosten unterschiedlicher Versanddienstleister zu vergleichen und einzelne Pakete über unser Portal zu versenden. Von dort können die Etiketten ausgedruckt werden, der Versender holt das Paket dann zu Hause ab. Aktuell launchen wir unser neues Produkt „Pro“ speziell für B2B-Kunden in Deutschland. Kunden mit einem höheren Versandvolumen, wie etwa Onlinehändler, verbinden unser Angebot direkt mit ihrer E-Commerce-Softwarelösung. Doch wir vergleichen nicht nur nationale und internationale Versender, überdies profitieren unsere Geschäftskunden von den Vorzugskonditionen, die wir als Großkunde direkt mit den Dienstleistern aushandeln. Kleineren und mittleren Unternehmen eröffnen wir die Möglichkeit, durch die kostenlose Integration unserer Logistiklösung ihren Versand ohne großen Aufwand zu professionalisieren. – Adrian Amorin, Marketing Executive Spain and Germany, Pro.Packlink.de

Tradition im Quadrat
Wir bieten sowohl Start-ups als auch etablierten Onlinehändlern die perfekte Verpackung für ihren Versand. Das ist unsere Qwikbox mit Selbstklebeverschluss, die seit vielen Jahren aus dem Versandhandel nicht mehr wegzudenken ist. Die Verpackung bietet einige Vorteile: Sie ist außerordentlich schnell aufzurichten und zu befüllen, zudem stabil und sicher. Die Box ist, wie der Name schon andeutet, selbstklebend zu verschließen und kann nur über ein Aufrissband wieder geöffnet werden. Das bietet besondere Sicherheit für alle Artikel, die mit der Box verschickt werden. Das Öffnen geht absolut problemlos und ohne Hilfsmittel von der Hand. Unser vor 95 Jahren gegründetes Unternehmen unterhält neun Niederlassungen in Europa, sieben davon in Deutschland sowie je eine in Österreich und in der Schweiz. – Heribert Teusch, Verkauf, Hoffmann-Verpackung.de

Bubblewrap zum Selbermachen
Unsere Fast-Wrap-Maschine verarbeitet flach gefaltete Folie gleich aus dem Karton. Unsere Kunden müssen das Material also nicht platzraubend einlagern, wie man das von großen Rollen her kennt. Die Kartons lassen sich ganz leicht stapeln, und die Folie bleibt im Karton bestens geschützt. Das Luftkissenmaterial kann der Kunde ganz nach seinem aktuellen Bedarf produzieren; die Maschine verarbeitet 19 Meter pro Minute. Durch die Wabenstruktur in der Folie erhält er ein sehr flexibles Produkt, das sämtliche Ecken ausstopft, Kanten schützt und zum Fixieren sowie zum Einwickeln genutzt werden kann. Als Systemanbieter stellen wir unseren Kunden die Maschinen kostenlos zur Verfügung, den Service rechnen wir über den Materialbezug ab. – Jens Lehnert, Produktmanager AirPouch, Autobag.de

Schlagworte: E-Commerce, Messe, Neocom, Interaktiver Handel

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