Mobile Zukunft

Beim „Forum Handel 4.0“ ging es um Commerce-­Konzepte von morgen. Die Diskutanten waren darüber schon in der Vergangenheit nicht einer Meinung.

31.01.2017

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Was steht mir? Was tut mir gut?“ Es seien persönliche Fragen, die der Konsument in Zukunft an den mobilen Handel richten werde, meint Jochen Krisch. „Ich warte überdies auf ein reines Shopping-Device, denn bislang ist der Handel noch eine Art Beifahrer auf Smartphones und Rechnern“, so der Branchenexperte für E-Commerce und Fachblogger („Exciting Commerce“). „Die Interfaces im E-Commerce ändern sich“, sagt Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer. „Erst shoppten wir mit der Maus, nun tun wir es mit Tablet und App. Die Stimme ist der nächste Schritt.“

Bei der fünften Ausgabe des Forums Handel 4.0 ist der mobile Handel der Zukunft das Thema. Zur Diskussion begrüßt Tromp neben Jochen Krisch auch Gerrit Heinemann, Professor an der Hochschule Niederrhein und Leiter des dort angesiedelten eWeb Research Centers. Vor rund eineinhalb Jahren sind die beiden Handelsexperten in einem viel beachteten Streitgespräch im Wirtschaftsmagazin „brand eins“ bereits – fachlich – aneinandergeraten. Nun folgt also die Fortsetzung der kontrovers geführten Diskussion um die Zukunft des Handels, folgerichtig moderiert von Jens Bergmann, geschäftsführender Redakteur von „brand eins“. Es bleibt kein Platz unbesetzt im Berliner Basecamp.

Zunächst legt Krisch seine Vorstellungen vom mobilen Handel bis 2025 in seiner Keynote dar und macht die Megatrends aus: Die großen Anbieter werden zu Plattformplayern, während kleine Händler Marktplatzstrategien entwickeln. Erfolgsentscheidend seien die Unverwechselbarkeit des Shoppingerlebnisses sowie die vertikal verlängerte Wertschöpfungskette. Krisch verweist auf die Evolutionssprünge bei den Shopping-Apps, die sich künftig mithilfe künstlicher Intelligenz zu „verstehenden“ Kaufberatern entwickeln könnten.

Der Blick auf seine tabellarische Aufstellung der aktuell meistgenutzten Einzelhandels-Apps zeige aber auch, dass der Stationärhandel den Pure Playern im Rennen um die beliebtesten Apps nicht nachsteht, bemerkt Gerrit Heinemann: „Der stationäre Handel ist die wichtigste Bezugsquelle für den Kunden und wird das noch über viele Jahre bleiben.“

„Der Stationärhandel wird nicht ersetzt, aber es wird eine natürliche Auslese geben“, so Krisch. Das gelte allerdings ebenso für den E-Commerce: „Ich bin bei vielen Onlinehändlern skeptisch, ob sie den Sprung zum Mobile Commerce schaffen, weil das ein ganz anderes Denken ist.“ „Mobile ist keine Technologie, sondern ein Konsumverhalten“, betont Stephan Tromp.

Emotionale Dimension fehlt
„Die Chinesen haben mehr Spaß an Mobile Commerce“, beteiligt sich David Baumgart, Director Government Relations Alibaba Group, an der Diskussion. Er habe zuletzt drei Jahre in China gelebt und das mobile Shoppingerlebnis mit Chatfunktionen, zahlreichen Location-Based-Services und Bezahlfunktion schätzen gelernt. Die emotionale Dimension lasse der mobile Handel hierzulande noch vermissen, so Baumgart.

Ein Vertreter von Zalando im Publikum merkt an, dass der Stationärhandel seine Kunden nicht genug kenne. „Es gibt einen großen Nachholbedarf, weil viele Händler noch unter einer digitalen Allergie leiden“, pflichtet Heinemann bei, verweist aber auch auf Positivbeispiele, wie etwa die innovativen Kundenkartenkonzepte von Douglas oder Ikea. Und die deutsche App von H & M müsse sich in puncto Beliebtheit nur der Übermacht von Amazon und Apple Store ergeben.

„In zehn Jahren werden wir daran zurückdenken, wie primitiv der E-Commerce von heute war“, sagt Jochen Krisch. Gut möglich. Der Einkaufsbummel indes wird in der Erinnerung auch dann nicht aus der Zeit gefallen sein.

Schlagworte: Agenda, Forum Handel 4.0, Entwicklung, Retail

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