Klamottenkauf per Cloudlösung

Das Berliner Start-up Newstore will stationäre Retailer per Smartphone mit ihren Kunden vernetzen. Kunden können per App einkaufen, Mitarbeiter können beraten, verkaufen und Lagerbestände prüfen. Der Clou: Der Händler muss keine zusätzliche Hardware anschaffen.

Von Jens Gräber 16.06.2019

© Newstore

Bisher nutzen vor allem große Händler Mehrkanalmodelle.

Einkaufen müsse wieder Spaß machen, findet Rudi Geiger. Er ist beim Start-up Newstore für den Verkauf in Europa verantwortlich und stellt bei den Omnichannel Days des EHI Retail Institute in Köln das von Stephan Schambach gegründete Unternehmen vor. Der stationäre Handel müsse sich ändern, sagt Geiger: „Zum Klamottenkauf in die Stadt zu fahren und dann nicht die passende Größe zu finden, das macht keinen Spaß.“ Wenn der Kunde etwas wolle, müsse er es bekommen – egal wo und wie. Keine neue Erkenntnis, redet der Handel doch seit Jahren über Omnichannel-Lösungen. Und doch hat das EHI gerade erst Zahlen veröffentlicht, wonach bisher vor allem große Händler Mehrkanalmodelle nutzen.

Den kleineren könnte der Ansatz von New- store helfen: eine Omnichannel-Lösung als Dienstleistung, die über eine Smartphone-App läuft und den Kunden Produkte anschauen, die Verfügbarkeit im Laden prüfen und zahlen lässt – die Ware wird ihm geliefert oder er holt sie im Laden ab. Die Plattform lasse sich innerhalb von sechs bis acht Monaten starten und in bestehende PoS- und andere Systeme integrieren, verspricht Geiger. Auch Barzahlung im Laden bleibt also möglich.

Überschaubares Risiko

Weil die Händler keine zusätzlichen Geräte anschaffen müssen, ist das Risiko überschaubar. „Am besten ist es, wenn die Mitarbeiter unsere App auf ihren eigenen Smartphones nutzen“, erklärt Geiger. Firmendaten landeten nicht auf den persönlichen Geräten, sondern blieben sicher in der Cloud.

Der skandinavische Modehändler Ganni, Newstore-Kunde seit Januar 2019, ist überzeugt, mit dem mobilen Omnichannel-Konzept den Nerv der Kunden zu treffen. Digital Director Kristian Kehlet zitiert eine Impact-Studie, wonach 70 Prozent der Kunden die Verfügbarkeit eines Produktes im Laden prüfen wollen, bevor sie sich auf den Weg dorthin machen. 50 Prozent wollen online kaufen und die Ware im Laden nur abholen, 47 Prozent wünschen sich persönliche Ansprache von Händlern auf allen Kanälen. Shoppingspaß eben, immer und überall.

Mann der ersten Stunde

1995 gründet Stephan Schambach Intershop, den ersten Onlineshop Europas. Zu kaufen gibt es Computerhardware. Als die Internetblase platzt, stürzt auch Intershop ab. 2004 gründet der heute 48-Jährige Demandware, einen Onlineshop in der Cloud, den Händler und Marken gegen Geld nutzen können. Der Softwarekonzern Salesforce übernimmt Demandware 2016 für 2,8 Milliarden Dollar. 2015 startet Schambach mit Newstore.

Schlagworte: Omnichannel, Cloud, Vernetzung

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