Grenzenlose Shoppingtouren

Der E-Commerce-Markt boomt ungebrochen. Die Verbraucher gehen dabei verstärkt auch im Ausland online auf Shoppingtour, so eine neue globale Studie. Tipps für Onlinehändler.

17.10.2017

© Fotolia/Andrey Popov

1.200 Einzelhändler in acht Ländern sowie 12.000 Konsumenten in zwölf Märkten weltweit hat Pitney Bowes, ein führender US-Dienstleister rund um die Versandabwicklung, für seine E-Commerce Studie 2017 befragt. Die Ergebnisse im Überblick:

Die Deutschen sind europaweit führend in Sachen Onlineshopping: 99 Prozent aller befragten deutschen Verbraucher haben schon einmal online eingekauft, 38 Prozent sogar mindestens einmal pro Woche. Wenn Deutsche im Ausland bestellen, dann am liebsten in Großbritannien (65Prozent), den Niederlanden (62) und Frankreich (58). Im nicht-europäischen Ausland sind die populärsten Bestellorte die USA (57 Prozent) und China (52). Die beliebtesten Produkte sind dabei Bekleidung/Schuhe (51 Prozent), Unterhaltungslektronik (39) sowie Bücher, Musik und Medien (34).

75 Prozent der deutschen Verbraucher informieren sich über Händlerplattformen wie Amazon, während nicht einmal die Hälfte direkt auf den Websites der Händler sucht. 66 Prozent kaufen auch bei Amazon & Co gegenüber nur 34 Prozent bei Onlinehändlern direkt. Auch damit ist Deutschland Spitzenreiter. 39 Prozent der Befragten  kaufen dort wegen der Möglichkeit zum One-Click-Bezahlvorgang. Das ist mit Abstand der höchste Wert europaweit und Deutschland ist das einzige Land, in dem das der Hauptgrund pro Plattform ist. Für die Onlinehändler spricht dagegen die Markentreue; sie ist mit 31 Prozent das wichtigste Argument für die deutschen Verbraucher.

Verbraucher schauen genau auf den Preis, auch beim Versand: 75 Prozent der Befragten wollen lieber einen kostenfreien Versand und warten dafür länger auf ihre Ware. In Deutschland beträgt die Rate der Sparfüchse sogar 85 Prozent.  Was Versandkosten angeht, sind sie dann aber doch nicht so knauserig: Während hohe Versandkosten weltweit im Schnitt 58 Prozent der Verbraucher von einem Einkauf abhalten, sind es in Deutschland nur 55 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist mit 33 Prozent Anteil dagegen die Angst, sich mit einer Retoure in ein anderes Land beschäftigen zu müssen.

Der internationale Vergleich zeigt, dass deutscher Händler auch unter saisonalem Druck ordentliche Ergebnisse abliefern: Während global im Schnitt 47 Prozent im letztjährigen Weihnachtsgeschäft mit Problemen kämpften, beschwerten sich in Deutschland nur 31 Prozent über Probleme bei Lieferung, Rückgabe und Service. Der Vorjahresvergleich relativiert das allerdings – im Weihnachtsgeschäft 2015 waren nur 23 Prozent der Verbraucher unzufrieden.

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Verbraucher mit einem Anteil von 66 Prozent, die je länderübergreifend bestellt haben, eher zurückhaltend. Dafür ist das Wachstum bei Bestellungen im Ausland im vergangenen Jahr um acht Prozentpunkte gestiegen. Für Onlinebestellungen aus dem Ausland nutzen deutsche Verbraucher in der deutlichen Mehrheit (70 Prozent) Plattformen; weltweiter Spitzenwert.


Aus diesen Erkenntnissen hat Pitney Bowes drei Strategien für Onlinehändler abgeleitet, mit denen sie ihren Onlineshop auch international erfolgreicher gestalten:

1. Von Plattformen lernen
a.) Günstiger, schneller, flexibler und akkurater Versand ist entscheidend für den Kundengewinn und seine Treue.
b.) Personalisierung hilft. Nutzen Sie Customer-Information-Management-Lösungen, die einen umfassenden Überblick über den Kunden bieten.
c.) Erweitern Sie Ihr Sortiment, bieten Sie saisonal passende Werbeaktionen an und vereinfachen Sie den Bezahlvorgang.

2. Grenzen überwinden
a.) Regional angepasstes Marketing ist essenziell, da die Verbraucher in unterschiedlichen Ländern teilweise signifikant unterschiedliche Marketingkanäle bevorzugen.
b.) Wer sein Geschäft versteht, gewinnt – insbesondere in Nachbarländern. Verbraucher erwarten niedrige Preise, eine hohe Transparenz bei der Lieferung, regionalen Kundenservice sowie minimierte Abgaben und Zölle.

3. Mutig auf Kunden zugehen
a.) Wenn Händler länderübergreifende Strategien umsetzen, neigen sie dazu, dort anzufangen, wo der Übergang am einfachsten ist – benachbarte Länder mit vergleichbarem rechtlichem Umfeld, in denen die Menschen die gleiche Sprache sprechen. Die größten Chancen für Wachstum und Erfolg im Ausland liegt allerdings häufig weiter weg von zuhause. Analysen von Pitney Bowes haben gezeigt, dass die Priorisierung von grenznahen Märkten zu einer Unterversorgung von Ländern führt, in denen eine höhere Begeisterung für länderübergreifenden Einkauf herrscht. Der Eintritt in neue Märkte mit anderen Kulturen, Sprachen und Rechten ist komplex – die Vorteile können aber die Investitionen und Herausforderungen deutlich überwiegen.

 

Schlagworte: E-Commerce, Studie, Onlinehandel, Pitney Bowes, Versandhandel

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