Online-Marktplätze

Wunsch nach Exklusivität

Trotz teils negativer Berichte über Wish, AliExpress und ähnliche Anbieter von Waren, die überwiegend aus Fernost stammen, liegen die neueren Marktplätze bei Konsumenten im Trend, so eine neue Studie. Schnäppchenjäger reizt das ausgefallene Angebot.

02.06.2020

© Michael J. Berlin/Stock Adobe

Kunden von Marktplätzen wie Wish beweisen Langmut und nehmen auch Nachteile wie lange Lieferzeiten in Kauf, um exklusive, mitunter auich exotische, Produkte zum kleinen Preis zu ergattern.

Mit deutlichem Vorsprung wird der Marktplatz Wish von Verbrauchern in Deutschland am häufigsten besucht. 81 Prozent der Befragten geben an, Wish schon einmal besucht oder sogar dort bestellt zu haben, gefolgt von AliExpress (55 Prozent) und Joom (27 Prozente). Dennoch zeigt sich, dass Konsumenten weniger häufig bei Wish und Co. bestellen als insbesondere bei Amazon.

Über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) kauft seltener als einmal pro Quartal bei den neueren Marktplätzen ein. Gleichzeitig geben 44 Prozent an, mindestens einmal pro Monat bei Amazon zu bestellen. Zwar haben sich neuere Marktplätze wie Wish und Co. im Relevant Set der deutschen Verbraucher positionieren können, ihr Erfolg reicht bei weitem aber noch nicht an etablierte Marktplätze wie Amazon und eBay heran. Das sind Ergebnisse der ECC-Club-Studie „Abenteuer, Nervenkitzel oder Risiko? Warum Kunden bei Wish und Co. bestellen“, für die rund 1.200 Konsumenten befragt wurden.

Zoll stellt Hürde dar

Marktplätze wie Wish, AliExpress und ähnliche vertreiben zu großen Teilen Produkte aus Fernost. Die Folge sind lange Lieferzeiten, die jedoch von einem Großteil der Kunden in Kauf genommen werden. 73 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen günstige Preise häufig wichtiger sind als eine schnelle Lieferung. 68 Prozent würden sogar wochenlange Lieferzeiten in Kauf nehmen, wenn das gewünschte Produkt in Deutschland deutlich teurer ist. Eine weitaus größere Hürde stellt der Zoll dar. 80 Prozent der Nicht-Käufer vermeiden einen Einkauf außerhalb Europas, damit sie sich nicht mit dem Zoll beschäftigen müssen. Zusätzliche Gebühren hindern 83 Prozent am Kauf.

Trotz der genannten Schwierigkeiten bei Bestellungen aus Fernost nutzen immer mehr Verbraucher die genannten Marktplätze. Dabei stehen andere Nutzungsmotive als bei Amazon oder Ebay im Vordergrund. Statt Convenience überwiegen hier Exklusivität und Preis. 50 Prozent der Käufer geben an, es sei ihnen wichtig Produkte zu besitzen, die nicht jeder hat. 84 Prozent betonen zudem die Wichtigkeit von Schnäppchen beim Einkauf im Internet, 72 Prozent legen Wert auf Coupons und Rabatte. Die Schnäppchenjäger bilden somit eine große Zielgruppe von Wish und Co.

Gleichzeitig spielt die mangelnde Qualität vieler Produkte eine untergeordnete Rolle. Obwohl diese zu den Top-5 Problemen bei der Bestellung auf neuen Marktplätzen gehört (34 Prozent), nehmen Konsumenten diese für günstige Preise oft bewusst in Kauf (48 Prozent). Trotz bekannter Probleme wie mangelnde Qualität, eventuelle Zollgebühren oder lange Lieferzeiten geben 20 Prozent der unzufriedenen Käufer an, wieder bei Wish und Co. zu bestellen.

Schlagworte: Handel, Onlinemarktplätze, Onlineshopping, Kaufverhalten, Studie

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