Gastbeitrag

Wie digitales Banking den Handel verändert

Viele Händler haben während der Coronakrise ihre digitalen Vertriebskanäle ausgebaut. Wie sie die Möglichkeiten des digitalen Bankings für ihren On- und Offlinehandel nutzen können, beleuchtet Philipp Adrian Pohlmann, Country Manager Germany beim FinTech-Start-up Qonto, im Gastbeitrag.

Von Philipp Adrian Pohlmann, Qonto 26.06.2020

© Greenbutterfly / Adobe Stock

Digitales Banking kann Onlinehändlern Vorteile bringen.

Die im Zuge der Corona-Pandemie beschlossenen Einschränkungen des stationären Handels sind zum allergrößten Teil wieder aufgehoben. In den Ladengeschäften sind nur noch die weiterhin notwendigen Hygienevorgaben umzusetzen. Wer sich nicht schon vor der Covid-19-Krise mit einer sinnvollen Online-Ausweitung seines stationären Geschäfts beschäftigt hat, wird wohl spätestens kurz nach dem Lockdown diesbezügliche Maßnahmen ergriffen haben, schon um das bloße Bestehen zu sichern. Die gute Nachricht: Dieses Engagement zahlt sich auch in zukünftig normaleren Zeiten aus und die verfügbaren Optionen haben sich auch für kleine Händler immer weiter verbessert. Welcher Stellenwert kommt dabei dem digitalen Banking zu, welche Auswirkungen lassen sich in Bezug auf die Handelsbranche beobachten?

Vollkommen zu Recht hat der stationäre Handel von Beginn an das sogenannte Showrooming kritisiert  – wer im Ladengeschäft die Ware in die Hand nimmt und umfassend prüft, um sie dann online für den aktuellen Bestpreis zu ordern, ignoriert bewusst die hohen Zusatzkosten des stationären Handels und bringt gerade kleinere Händler um die hart verdiente Marge. Der umgekehrte Effekt – online recherchieren, offline kaufen – boomte zuletzt aus Solidarität zum lokalen Handel. Unternehmer können sich diesen Effekt aber auch nach Corona umfassend zunutze machen und ihr E-Commerce-Engagement vom reinen digitalen Schaufenster zu einem umfassenden Info- und Entertainment-Angebot mit breitgefächerten Interaktions- und Individualisierungsmöglichkeiten ausbauen.

Die starren Grenzen zwischen ausschließlich stationärem Handel und Online-Shop haben sich erfreulicherweise schon vor einiger Zeit aufgelöst, jetzt schlägt die Stunde der flexiblen Hybrid-Händler, die es den Kunden überlassen, wie sie zu ihrem Wunschartikel gelangen – und wie sie ihn bezahlen. Die geschickte Kombination der verfügbaren Optionen – und der dazugehörigen Service-Anbieter – verschafft kleinen und mittleren Händlern in Kombination mit einer ausgeprägten Kundenorientierung einen dringend benötigten Vorteil vor den global agierenden Online-Warenhäusern, die ihren Umsatz dank Corona erheblich ausweiten konnten.

Strikte Trennung von On- und Offline hat sich überholt

Um flexibel und serviceorientiert vorzugehen, benötigen gerade kleine und mittlere Fach- und Spezialhändler passende Partner und Technologien, die ihre Anforderungen in Bezug auf Kostentransparenz, Bedienungsfreundlichkeit, Interkompatibilität und Kundenakzeptanz (über-)erfüllen. Dabei muss man sich keineswegs auf den reinen Verkauf beschränken, unterschiedliche Geschäftsmodelle lassen sich hervorragend verbinden. Innovative Start-ups erweitern das eigene Portfolio, erhöhen die Kundenorientierung/-bindung und können dank offener Schnittstellen schon in die Recherche-Phase potentieller Kunden eingebunden werden.

Ein gutes Beispiel bietet digitales Finanzmanagement mit intuitiv bedienbaren Analyse-Tools und unkompliziert administrierbaren Rollen. Die Lösungen ermöglichen den Unternehmensverantwortlichen, FiBu, Kreditlinie, Liquidität und Zugriffskontrolle den dynamischen Marktanforderungen schnell und detailliert anzupassen. Dementsprechend bietet es sich an, nach einfach kombinierbaren SaaS-Angeboten zu suchen, die von fachkundigen Start-ups mit einem sehr engen und tiefen Kompetenzfokus entwickelt werden.

SaaS und Startups punkten mit Modularität und Nutzerorientierung

Das SaaS-Prinzip – Software as a Service – ermöglicht sehr schlanke und fokussierte Business-Modelle. Man kann sich genau die Funktionen zusammenstellen, die auch wirklich benötigt werden und verlagert Daten und Prozesse (natürlich unter Wahrung der jeweiligen Datenschutzbestimmungen) so weit wie möglich in die Cloud, um die Anforderungen an Infrastruktur so niedrig wie möglich zu halten. Natürlich greift diese Vorgehensweise auch im Handelsumfeld, vereinfacht die Administration der immer strenger reglementierten Finanzbuchhaltung und vergrößert die Bandbreite der Zahlungsmöglichkeiten. Inzwischen können Einzelhändler ihren Kunden fast sämtliche Zahlungsmodalitäten anbieten, die bis vor kurzem nur großen und etablierten Handelsunternehmen vorbehalten waren.

Innovativen FinTechs – den Start-ups mit Finance- und Technologie-Fokus – gelingt es dann schnell und kreativ die Lücken zu schließen, die den klassischen Universalbanken nicht auffallen – oder schlichtweg zu unrentabel erscheinen. Retail-Unternehmen können unabhängig von ihrer Größe und Zielgruppenausrichtung mit einem überdurchschnittlich hohem Service-Level punkten, ohne sich gleichzeitig mit unflexiblen, oftmals unpassenden Lösungen auseinandersetzen zu müssen.

Philipp Adrian Pohlmann ist Country Manager Germany der französischen B2B Neo-Bank Qonto. Er begann seine Karriere bei den Unternehmensberatungen PwC und CAPCO, betreute für Google traditionelle Großbanken und Fintechs im DACH-Raum. Nach dem Wechsel zum Software-Unternehmen App Annie vertiefte Philipp Pohlmann seinen Fintech-Schwerpunkt, bevor er sich 2019 Qonto anschloss. Seitdem verantwortet der dort den Aufbau des deutschen Marktes.

Schlagworte: Einzelhandel, E-Commerce, Banking

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