Kundenbewertungen

Vorgehen gegen Fake Reviews

Gefälschte Bewertungen zu im Onlinehandel angebotenen Produkten sind vielen Verbrauchern ein Dorn im Auge, so eine neue Studie. 68 Prozent der Befragten wünschen sich ein koordiniertes Vorgehen der Branche gegen Fake Reviews.

10.03.2020

© iQoncept/Stock Ddobe

Falsche oder betrügerische Bewertungen gefährden die Reputation einer Marke.

Bewertungen abzugeben, soll nur noch verifizierten Kunden erlaubt sein, meinen 51 Prozent der mehr als 2.000 in Deutschland Befragten. Unternehmen sollen außerdem tägliche Kontrollen von Kundenbewertungen durchführen, fordern 45 Prozent. 41 Prozent sagen, Produkte sollten vor dem Verkaufsstart ausschließlich von echten Konsumenten getestet werden. Für Verstöße gegen entsprechende Maßnahmen fordern die Umfrageteilnehmer hohe Umsatzstrafen, ähnlich denen, wie sie bei DSGVO-Verletzungen mit vier Prozent verhängt werden können, so Ergebnisse der Umfrage des Content-Netzwerks Bazaarvoice.

Das Vertrauen von Kunden zu gewinnen und zu erhalten, ist für Marken entscheidend. Der wichtigste Faktor dafür sind die persönlichen Erfahrungen der Konsumenten. 68 Prozent der Umfrageteilnehmer sagen, dass für ihr Vertrauen in eine Marke vor allem die eigenen Erfahrungen ausschlaggebend sind, die erst vor kurzem gemacht wurden. Darauf folgt mit 35 Prozent die Einstellung des eigenen Umfelds (Freunde und Familie) zu einer Marke. Für ein knappes Drittel (31 Prozent) sind Onlinebewertungen, die zeigen, dass andere Kunden gute Erfahrungen gemacht haben, der wichtigste Faktor. 

Haben Kunden einmal Vertrauen aufgebaut, verzeihen sie sogar einzelne schlechte Erfahrungen. 67 Prozent der Deutschen würden auch nach einer einzelnen schlechten Erfahrung weiterhin Produkte einer Marke kaufen, solange diese ihr Vertrauen nicht verloren hat. 

Für Marken steht viel auf dem Spiel

Falsche oder betrügerische Bewertungen sind dagegen eine Gefahr – nicht nur für das entsprechende Produkt, sondern auch für die Reputation einer Marke. Wenn deutsche Verbraucher den Verdacht haben, dass Bewertungen eines Produkts gefälscht sind, würden 48 Prozent den Artikel nicht kaufen und 32 Prozent würden sogar das Vertrauen in die Marke verlieren. 80 Prozent der Befragten geben an, sie würden keine Produkte einer Marke mehr erwerben, die einmal ihr Vertrauen verloren hat. 31 Prozent würden in diesem Fall eine negative Bewertung über das Produkt schreiben, das ihre Unzufriedenheit auslöste. 

"Viele Kommentare mit dem gleichen Wortlaut und eine sehr große Anzahl positiver Bewertungen machen Konsumenten schnell misstrauisch", sagt Tobias Stelzer, Head of Sales DACH und Benelux von Bazaarvoice. "Für Marken und Händler ist es daher entscheidend, Kunden-Reviews regelmäßig zu überprüfen, sowohl mithilfe menschlicher Moderatoren als auch technologiegestützt."

Wenn sich Verbraucher über Produkte informieren, sind dabei nicht allein positive Eigenschaften entscheidend. Über die Hälfte der von Bazaarvoice befragten Verbraucher (55 Prozent) sehen negative Bewertungen als genauso wichtig an wie positive. Als Gründe dafür geben die Umfrageteilnehmer an, dass in negativen Rezensionen mehr Informationen zu Pro- und Kontrapunkten eines Produkts enthalten sind (66 Prozent). Außerdem sei hier die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es sich um Fälschungen handelt (37 Prozent). 

Falsche oder betrügerische Bewertungen sind zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor für Vertrauensverlust. Auf Platz eins rangiert hier schlechte Produktqualität (61 Prozent). Darauf folgen mit 44 Prozent falsche Bewertungen und mit 43 Prozent unehrliche Marken- oder Produktinformationen. Letztlich könne das Vertrauen der Kunden nur gewahrt werden, wenn Marken Ehrlichkeit und Anpassungsfähigkeit als Kernwerte in den Vordergrund stellen, meint Stelzer. "Neben den richtigen Werkzeugen und Fachkenntnissen sollten Marken neue Erkenntnisse aus Kundeninhalten gewinnen, die zur Verbesserung von Produktdesign und Produktionsqualität beitragen können. Dies wiederum führt sowohl zu einem besseren Einkaufserlebnis als auch zu einer Verringerung der Rücklaufquoten, die derzeit den Einzelhandel massiv belasten."

Schlagworte: E-Commerce, Onlinehandel, Kundenbewertungen, Studie

Kommentare

  • Daniel Gobl

    Ein wichtiger und richtiger Schritt wäre das... Ich bin nach nur kurzer Recherche unter Google Bewertungen kaufen auf Seiten wie www.bewertungkaufen.com oder www.bewertungsfee.com gestoßen. Echt unglaublich was es nicht schon alles gibt im großen WWW. lg Daniel
    Antworten
    10.03.2020, 18:39 Uhr
  • Content-Werkstatt Ofner

    Der absolute Kampf gegen Windmühlen. Ein Monitoring wäre evtl. eine Möglichkeit, um herauszufinden, wo überall Bewertungen abgegeben wurden. Allerdings sagt dies noch nichts über Fakes oder nicht, Wahrheit oder üble Nachrede und wichtig oder unwichtig auf. Dieser Kampf kann leider nicht gewonnen werden und noch mehr Regeln machen niemandem das Leben leichter. Außer vielleicht den Rechtsanwälten.
    Es gibt nur einen Weg: Der Verbraucher muss seine Rechte kennen und nicht jedem Quatsch hinterher rennen, den er hört. Als Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Bewertungsmanagement sage ich schon seit Jahren: Bitte Leute, schaltet doch einfach den gesunden Menschenverstand ein! Aber zu einer Zeit, in der gefühlt die halbe Welt aus Bloggern und die andere Hälfte aus Influenzern besteht, ist dies wohl vergebliche Liebesmüh'.
    VG, content-werkstatt
    Antworten
    13.03.2020, 14:58 Uhr
Ihr Kommentar