Uhrenfachhandel

Zeit läuft

Millennials treiben den Luxusgütermarkt, das Onlinegeschäft mit hochwertigen Uhren wächst. Während Fachhandel und Hersteller den digitalen Anschluss suchen, wachsen Pure Player wie Horando und Montredo prächtig in der Nische.

Von Ralf Kalscheur 04.02.2020

© Chronext

Digitalanzeige: Auf Onlineplattformen wie Chronext bieten sowohl Juweliere wie auch Großhändler und Hersteller weltweit Luxusuhren an.

Als Zwei-Mann-Unternehmen und ohne Fremdkapital gründen Stefan Sebök und Christopher Fischer kurz nach dem BWL-Studium im Jahr 2013 ihr Start-up Horando in Bamberg. Das Startkapital für die Entwicklung ihrer Luxusuhren-Plattform wirft der Ebay-Shop ab, den Sebök während des Studiums mit vier Uhren in der Online-Auslage eröffnet. „Wir sind damals zu vielen Markenpartnern gereist, um Kontakte zu knüpfen“, erinnert sich Sebök. Für Bestellungen fehlt den Gründern das Geld, doch ihr Geschäftsmodell dürfen sie einigen Juwelieren erklären.

Zu dieser Zeit gibt es hierzulande noch kaum vertrauenswürdige und damit ernst zu nehmende Online-Angebote für Luxusuhren. Viele Händler sitzen auf hohen Lagerbeständen, die Kapital binden. Für Läden in Urlaubsorten ist die Saison kurz. Das Recht der von Herstellern ausgesuchten Konzessionäre, begehrte und limitierte Markenmodelle vertreiben zu dürfen, geht zudem in der Branche traditionell nicht selten mit der Order möglicherweise weniger beliebter Uhren der Produzenten einher. Der Listenpreis etwa seltener Rolex-Modelle beträgt schließlich oft nur die Hälfte des erzielbaren Marktpreises.

Preis schlägt Einkaufserlebnis

Bei Horando können sich Konzessionäre und Hersteller an die Onlineplattform andocken, den Kundenkontakt übernimmt das Start-up. Horando biete Luxusuhren „15 bis 40 Prozent günstiger an als der Fachhandel“, so Sebök. Das Angebot spricht insbesondere jüngere Zielgruppen an, die keinen gesteigerten Wert auf ein luxuriöses Einkaufserlebnis legen.

Im ersten vollständigen Geschäftsjahr knacken die Jugendfreunde schon die Umsatzmillion, 2018 erwirtschaftet Horando über fünf Millionen Euro und Sebök ist sich sicher, dass 2019 „noch besser“ ausfallen wird. Mittlerweile arbeite das Unternehmen mit 450 internationalen Händlern und Großhändlern zusammen, so der 33-Jährige. Zudem ist Horando Vertragspartner einiger Luxushersteller und damit selbst Konzessionär. „Unser Schwerpunkt liegt auf Neuware. Wir bieten 4 500 Uhren in unserem Shop an, der durchschnittliche Warenkorbwert liegt bei rund 6.000 Euro“, berichtet Sebök. Die schnelle Verfügbarkeit seltener Uhren ist im Wettbewerb entscheidend für den Geschäftserfolg.

Investition in Algorithmen

Einen Gutteil seiner Umsätze erwirtschaftet Horando über Chrono24, der nach eigenen Angaben weltweit größten Onlineplattform für Luxusuhren. Im vergangenen Sommer übernahm Chrono24, das bislang nur als Mittler für über 3.000 Uhrenhändler fungierte, den deutschen Gebrauchtuhrenhändler Zeitauktion – und kaufte sich damit Juwelierexpertise für die Echtheitsprüfung und autorisierte Serviceleistungen im wachsenden Certified-Pre-Owned-Segment ein. Das ist ein Geschäftsfeld, von dem auch Sebök und Fischer künftig ein Stück abhaben wollen.

Die emsigen Geschäftspartner, die den Aufstieg ihres überaus schlanken Unternehmens bislang in Eigenregie gemanagt haben, müssen sich von Chrono24 unabhängig machen und investieren. Im vergangenen Juli sammelt Horando in erster Finanzierungsrunde einen Millionenbetrag von institutionellen Investoren ein und sucht in diesem Zuge den Schulterschluss mit der Universität Hildesheim.

„Immer mehr Hersteller kommen auf uns zu und möchten mit uns kooper­ieren.“

Philipp Budiman, CEO Montredo

Mit den dort angesiedelten Forschern und Entwicklern soll es gelingen, die Algorithmen zu optimieren. Ziel ist es, mehr Endkunden und mehr Produzenten für die direkte Zusammenarbeit zu gewinnen. „Die Hersteller denken um, öffnen sich gegenüber dem Onlinehandel“, sagt Sebök. Die großen Marken brauchen aber weiterhin auch ihr Netzwerk ausgesuchter Juweliere. Noch kann ein Filialist wie Wempe darum den Hersteller Nomos in die Schranken weisen und untersagen, Kooperationen mit Plattformen wie Chronext und Chrono24 zu schließen.

Fragt sich nur, wie lange noch. Mit Sorge betrachten Fachhändler Beispiele wie das des Züricher Juweliers Zett Meyer, der nur noch als Betreiber von Markenboutiquen auftritt. Die Hersteller bezahlen ihre Pacht für einen Platz im Schaufenster und machen das Uhrengeschäft selbst. Laut einer aktuellen Studie von Morgan Stanley werden die Schweizer Hersteller in zehn Jahren mehr als ein Viertel ihres Umsatzes in eigenen Onlineshops erwirtschaften. Der Anteil eigener Markenboutiquen steigt von derzeit acht auf dann 18 Prozent.

Jugend für mechanische Uhren begeistern

Das Umsatzvolumen für Luxusuhren beträgt in Deutschland laut Erhebung des IFH Köln 900 Millionen Euro. Für 2019 erwarten die Handelsforscher einen moderaten Anstieg. Der kleinbetriebliche Fachhandel (49 Prozent) und Filialisten (18 Prozent) halten noch etwa zwei Drittel der Marktanteile. „Immer mehr Hersteller kommen auf uns zu und möchten mit uns zusammenarbeiten“, sagt Philipp Budiman, Gründer und CEO von Montredo. 2012 gegründet, setzte der 36-Jährige mit seinem Berliner Onlineshop für neue Luxusuhren 2018 rund 15 Millionen Euro um. Das Ergebnis 2019 soll noch einmal „deutlich besser“ und profitabel für das 26-köpfige Team ausfallen.

Im neuen Jahr erwägt der Unternehmer eine Finanzierungsrunde, um das Contentangebot auszubauen. Über junge Plattformen wie Montredo hoffen die Marken, Millennials für mechanische Uhren zu begeistern. „Ich halte es für realistisch, dass der Online-Anteil am Luxusuhrengeschäft 2025 bereits 20 Prozent betragen wird“, sagt Budiman. Neue Ware bezieht Montredo von 200 traditionellen Konzessionären. „Zum Start gestaltete sich die Händlerakquise schwierig“, erinnert sich der Gründer. Viele Juweliere glaubten nicht an das Luxusgeschäft im Internet. Sieben Jahre später sieht die Branche schon anders aus. 

Marktmechanik

Der weltweite Umsatz mit persönlichen Luxusgütern stieg 2019 um vier Prozent auf 281 Milliarden Euro, so die neue Studie „Worldwide Luxury Market Monitor“ der Unternehmensberatung Bain & Company. Während sich das Geschäft mit Schmuck positiv entwickelte (plus neun Prozent), ging der Umsatz mit Uhren um zwei Prozent zurück. Der Onlinehandel mit Luxusgütern konnte 2019 jedoch um 22 Prozent auf 33 Milliarden Euro zulegen und kommt damit inzwischen auf einen Marktanteil von zwölf Prozent. Der Markt für Luxusuhren hat derzeit weltweit ein Umsatzvolumen von insgesamt rund 27 Milliarden Euro. Nach unterschiedlichen Branchenschätzungen werden erst drei bis sechs Prozent der Luxusuhren online verkauft.

Schlagworte: Uhren, Luxus, Onlinehandel, Uhrenfachhandel, Digitalisierung, E-Commerce

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