Payment

FinTechs in Deutschland auf dem Vormarsch

Wenn’s ums Bezahlen geht, ist Sicherheit das A und O. FinTech-Unternehmen gewinnen mit innovativen Lösungen zunehmend an Vertrauen und mischen damit den Payment-Markt auf, zeigt eine neue Studie.

Von Dr. Rufina Fingerhut, Projektmanagerin am IFH Köln 03.03.2020

© Stock Adobe/monsitj

Obwohl Banken ein hohes Vertrauen bei den Kunden genießen, ist für diese heute mehr denn je angesichts der wachsenden Konkurrenz durch FinTechs Handeln angesagt, so die Studienautoren.

FinTechs sind keine klassischen Banken und betreiben typischerweise ihr Geschäft ohne Vollbanklizenz, teilweise mit einer Lizenz als Zahlungsinstitut. Zwar beziehen Konsumenten heute (noch) die meisten Finanzdienstleistungen von Banken, allerdings zeigt die neue ECC-Payment-Studie Vol. 24 des ECC Köln und Professor Dr. Malte Krüger, dass FinTechs bei eher einfachen Finanzlösungen bereits eine führende Rolle eingenommen haben. 

So nutzen bereits 75 Prozent der Konsumenten Bonus-Programme, Cashback und digitale Gutscheine von FinTechs. Insbesondere FinTechs aus dem Bereich „Bezahllösungen“ sind bei den Konsumenten bekannt: 99 Prozent kennen PayPal, 93 Prozent Payback und 79 Prozent Klarna. Höhere Bekanntheit erreichen FinTechs vor allem bei besonders online- sowie mobile- und smartphoneaffinen Konsumenten, den Heavy-Onlineshopper und Smart Consumer. 

Auch händlerseitig sind insbesondere FinTech-Unternehmen aus dem Bereich „Bezahllösungen“ wie PayPal, Payback und Klarna bekannt, gefolgt von Anbietern aus dem Bereich „Kredite“ wie auxmoney und aus dem Bereich „Payment Service Provider“ wie Wirecard. Und mehr als zwei Drittel der Händler wickeln die Integration der E-Payment-Lösung an den Onlineshop über Fintech-Unternehmen ab. Händler greifen aber auch gerne bei Factoring (42 Prozent) und Scoring (40 Prozent) zu Angeboten von FinTech-Unternehmen und selbst auf gewerbliche Finanzierungsmodelle haben bereits 14 Prozent der befragten Händler zugegriffen.

Von Nischenanbietern zu Banking-Alternativen

Das Erfolgsgeheimnis von FinTechs ist so clever wie auch simpel: FinTechs setzen auf technologische Lösungen, die weder von der Hausbank, noch von einem branchenähnlichen Akteur angeboten werden. Marktlücken werden zunächst mit einfachen Finanzdienstleistungen wie z. B. digitalen Zahlungsverkehrslösungen und Informationsdiensten gefüllt. In der Studie nennen 80 Prozent der Konsumenten einfache Nutzbarkeit unter den Top-Fünf-Gründen für die Nutzung von FinTech-Unternehmen, dicht gefolgt von niedrigen Kosten (79 Prozent) und Schnelligkeit (71 Prozent). Für Händler stehen bei der Nutzung von FinTech-Unternehmen ebenfalls die Kosten (65 Prozent) und die einfache Nutzbarkeit (58 Prozent) im Mittelpunkt. Gleichzeitig können FinTechs aber auch aus Sicherheitsgründen bei einem Teil der Händler punkten (56 Prozent). 

„Der für uns ausschlaggebende Grund, Finanzdienstleistungen von FinTech-Unternehmen zu nutzen, ist der Kunde. Wir stellen uns die entscheidende Frage: Wird das Gesamtkundenerlebnis besser, schneller, sicherer? Im zweiten Schritt betrachten wir die Kosten und den Integrationsaufwand und nehmen eine Priorisierung zu anderen Themen vor “, so Bastian Siebers, CEO der babymarkt.de GmbH, im Rahmen des Experteninterviews zur ECC-Payment-Studie Vol. 24. Banken sollten aufpassen, denn durch die schrittweise Ausweitung der Leistungen von Bezahllösungen über Kredite hin zu weiteren Finanzdienstleistungen sichern sich FinTech-Unternehmen immer größere Marktanteile und streben zunehmend eigene Banklizenzen an.

Insbesondere die neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) kurbelt den Wettbewerb im Zahlungsverkehr an und schafft neue Angebote. In Folge der PSD2, können Konsumenten künftig auch Drittanbietern den Zugriff auf ihre Kontoinformationen gewähren, um Bezahlvorgänge direkt auszulösen – ohne den „Umweg“ über ihre Bank gehen zu müssen. Nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Händler und Hersteller, die ihre Produkte im Internet an Endkunden verkaufen, ergeben sich dadurch innovative Produkte und Services. Die Studie zeigt, dass die Mehrheit der Händler und Konsumenten FinTech-Unternehmen in der Zukunft eine noch größere Relevanz zuspricht. Zudem werden auch große Internetkonzerne wie Amazon oder Google als potenzielle Anbieter von Finanzdienstleistungen akzeptiert. „Für Banken ist heute mehr denn je Handeln angesagt: FinTech-Unternehmen stellen mit innovativen Lösungen die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt, gewinnen zunehmend an Vertrauen und mischen damit den Payment-Markt auf“, schlussfolgert Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln und Gründer des ECC Köln.

Über die Studie

Für die „ECC-Payment-Studie Vol. 24 – Banken vs. FinTechs – Kundenzentrierung neu denken“ hat das ECC Köln in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Malte Krüger 1.501 deutsche Konsumenten im Oktober und November 2019 befragt. Darüber hinaus wurde zeitgleich eine Umfrage unter 336 deutschen Onlinehändlern durchgeführt. Experteninterviews ergänzen die Befragung. Die ECC-Payment-Studie nimmt bereits zum 24. Mal die Bekanntheit, Nutzung und Bewertung von Zahlungsverfahren sowie Trendthemen im Payment-Markt aus Sicht von Onlineshoppern und Shopbetreibern unter die Lupe. Die aktuelle Auflage erscheint erstmalig in einer Neuausrichtung in Form einer Deepdive-Studie und kann hier bestellt werden.

Schlagworte: Payment, Studie, ECC Köln, Digitalisierung, FinTech

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