Ab ins Netz

Webshoplösungen gibt es für jeden Anspruch und Geldbeutel. Da sich vieles im Nachhinein nur schwer oder nur zu einem hohen Preis ändern lässt, sollte man etwas Zeit in die Auswahl investieren und mit verschiedenen Anbietern sprechen.

Von Sabine Philipp 06.11.2018

© Stock Adobe / phonlamaiphoto

Was händisch gemacht werden muss, kostet Zeit. Bei einem Onlineshop ist das nicht anders. Und ein namhafter Sportartikelanbieter aus dem Frankfurter Raum hatte besonders viel zu tun. „Obwohl unser langjähriger Kunde einen gut funktionierenden Onlineshop hatte, wurden die internen Bestellungen zwischen Mitarbeitern und Zentrallager noch mithilfe von Excel-Listen, Fax und Papier durchgeführt“, erinnert sich Andreas Illig, Gründer und Geschäftsführer der Solution Drive GmbH. Um den internen Bestellprozess zu verbessern, war eine Lösung gefragt, die ständig mit der Warenwirtschaft und der Logistik kommuniziert.

Dazu nutzt das Unternehmen ein sogenanntes E-Commerce-Framework – in diesem Fall Sylius. „Sylius ist kein fertiges, standardisiertes Shopsystem, sondern ein modularer Werkzeugkasten, der eine Vielzahl von funktionellen Varianten und Möglichkeiten bietet, wie beispielsweise nicht standardisierte Check-out-Prozesse oder Sonderfeatures wie Produktbundles. Ebenso ermöglicht es eine ganz eigene Benutzerführung“, erklärt Illig. Innerhalb kürzester Zeit seien interne Bestellungen im siebenstelligen Eurobereich darüber getätigt worden. Illig: „Inzwischen ist dieses Bestellsystem aus unserem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken.“

„Frameworks wie Sylius oder Spryker sind eine relativ neue Erscheinung. Sie bieten ein sehr hohes Maß an Flexibilität. Aber man benötigt entsprechendes Know-how“, ergänzt Saskia Roch, Senior Consultant beim E-Commerce-Spezialisten Elaboratum. Für Einsteiger, die vielleicht nur ein Produkt testen möchten, sind sie deshalb sicher nicht die erste Wahl. Für sie können fertige Baukastensysteme, zum Beispiel von Jimdo oder von 1&1, eine Option sein.

Schnellstart mit Baukastensystemen
„Diese Systeme enthalten wesentliche Basisfunktionen, um sofort loslegen zu können“, erläutert die Diplom-Betriebswirtin. Allerdings: „Wer weiterführende Funktionalitäten benötigt, stößt schnell an seine Grenzen.“ Andreas Illig kann das bestätigen. „Für einen schnellen sowie kostengünstigen Start sind diese einfachen Systeme nützlich. Die Probleme tauchen in der Regel auf, sobald man verschiedene Dienstleister, wie etwa Logistiker, Zahlungsanbieter, CRM-Lösungen oder Suchsysteme, anbinden möchte, aber auch, wenn die Zahl der Bestellungen steigt.“

Eine höhere Flexibilität ermöglichen modulare Baukastensysteme wie Shopify oder Plentymarkets. „Diese Systeme bilden ein relativ breites Spektrum an Möglichkeiten ab. Je nach Bedarf können einzelne Module, wie beispielsweise Warenwirtschaftssysteme, hinzugebucht werden“, so Roch. Noch mehr Freiheiten bieten Open-Source-Shopsysteme wie Shopware oder Oxid eSales. Open Source heißt, dass der Quellcode offen liegt, sodass der Nutzer das System durch weitere Module an seine Bedürfnisse anpassen kann. In speziellen Foren tauschen sich die User über Funktionen, Trends, Probleme und Lösungswege aus. „In Deutschland nutzen mehr als 50 Prozent der kleinen und mittelgroßen Händler diese Art von Shopsystemen. Hierzu bedarf es jedoch neben Programmierkompetenz generellen Wissens zu den mannigfaltigen Facetten des E-Commerce“, erläutert Roch. Daher arbeiten viele Unternehmen mit Dienstleistern zusammen. Darüber hinaus gibt es auch sogenannte Enterprise Editions. Das sind fertige Anwendungen auf der Basis dieser Shopsysteme.

Gesamte Customer Journey abdecken
Nun besteht ein Shop nicht nur aus der reinen Verkaufsfläche. Er benötigt ein Warenwirtschaftssystem, Zahlungsanbieter müssen angebunden und Marketingmaßnahmen koordiniert werden. Hier sieht Roch einen Trend hin zur Vernetzung aller Geschäftsbereiche über eine einheitliche Plattform. Auch in punc­to Kundenmanagement. „Noch vor wenigen Jahren waren das stationäre Geschäft, der Onlineshop für den Endkonsumenten und die B2B-Plattform meist physisch voneinander getrennt. Heute versucht man, die Kunden in einem zentralen System zu führen und sie über die gesamte Customer Journey hinweg zu begleiten“, erklärt die Beraterin. Ein Callcentermitarbeiter könne dann etwa sehen, wer der Anrufer ist und welche Produkte er über welchen Kanal erworben hat. Dieser Trend führt letzten Endes dazu, dass immer mehr große Anbieter sogenannte Full-Stack-Lösungen anbieten.

So hat der CRM-Anbieter Salesforce das Shopsystem Demandware aufgekauft, SAP den E-Commerce-Anbieter Hybris. Adobe übernahm die Open-Source-Shoplösung Magento, die vor allem bei deutschen Unternehmern sehr beliebt war. „Es besteht die Möglichkeit, dass kleinere Anbieter übernommen werden und dann Teil eines großen Systems werden. Das Unternehmen bleibt dann zwar bestehen, aber für den Nutzer kann es unter Umständen teurer werden“, gibt Roch zu bedenken.

Liste mit Anforderungen erstellen
Wie aber findet ein Unternehmen den richtigen Partner? „Es ist enorm wichtig, Zeit in die Auswahlphase zu investieren und mit unterschiedlichen Anbietern zu sprechen.“ Roch empfiehlt zudem, eine Liste mit Rahmenbedingungen und Anforderungen zu erstellen, wie etwa den intern zur Verfügung stehenden Ressourcen, Schnittstellen zu bestehenden Systemen, den Ziel-KPIs des Onlineshops sowie dem Bedarf an Internationalisierung und Mandantenfähigkeit. Denn: „Im Nachhinein lässt sich vieles nur schwer oder nur zu einem hohen Preis ändern.“

Schlagworte: E-Commerce, Onlinehandel, Software, Webshop, Shopsoftware

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