Überlebens-Kunst

Hirschmanns Kunst- und Karten-Haus hat viele Umbrüche überdauert: Seit 91 Jahren führt Familie Hirschmann ihren kleinen Laden im bayrischen Bad Griesbach. Dank steten, aber stets behutsamen Wandels floriert das Geschäft bis heute.

Von Kapka Todorova 15.02.2019

© Hirschmanns Kunst- und Karten-Haus

Familienbande: Tochter Elisabeth sowie Inge und Wolfgang Hirschmann arbeiten gemeinsam in ihrem Kunst- und Karten-Haus in Bad Griesbach.

Ein Geheimnis, wie man sich als Händler viele Dekaden halten kann, gebe es nicht, meint Wolfgang Hirschmann. Er muss es wissen, schließlich führt er den Familienbetrieb, Hirschmanns Kunst- und Karten-Haus, schon in dritter Generation. „Am wichtigsten sind der Zusammenhalt in der Familie und die Lust daran, sich immer wieder neu zu erfinden. Wir haben stets Nischen besetzt, die den großen Firmen zu klein oder zu komplex waren“, erzählt er.

1994 hat Wolfgang Hirschmann das Geschäft von seiner Mutter übernommen, ist nun also seit 25 Jahren Inhaber. Warum der Laden immer noch Erfolg hat? Hirschmann sagt, er verdanke das vor allem seiner Frau Inge: „Ihre Kreativität ist nicht hoch genug zu loben. Obwohl sie approbierte Apothekerin ist, hat sie sich auf das Thema Kunst eingelassen. Sie malt die Grundlagen für unsere Ansichtskarten und hat schon zwei Romane geschrieben: ,Bibergeil‘ und ,Wenn der Waschbär kommt‘. Wir sind selbst überrascht, wie gut das ankommt.“

Umstellung auf ein touristisches Sortiment
Die Schul- und Spielwaren aus den Anfangsjahren haben sie inzwischen abgeschafft, stattdessen bietet Hirschmann einen Lieferservice für ältere Kunden. Schwerpunkte sind der Bücherbestellservice sowie der Handel mit italienischen Papeteriepräsenten und Geschenkpapieren. „Unsere eigenen Aquarellkunstkarten verdrängen so langsam die Industrieware. Mittlerweile haben wir über 60.000 verkauft“, sagt Hirschmann. Der Clou: Auf Wunsch gibt es einen individuellen Innentext.

Angefangen hat alles im Jahr 1928 mit Hirschmanns Großeltern, die im bayrischen Bad Griesbach, nahe der österreichischen Grenze, zunächst Schreib- und Rauchwaren verkauften. Später stieß ihre Tochter hinzu und erweiterte das Sortiment um Zeitungen und Bücher sowie Spiel- und Parfümeriewaren. Mit seiner Frau Inge gestaltete Hirschmann den Laden um die Jahrtausendwende noch mal neu. „Als klassischer Schreib- und Schulwareneinzelhandel haben wir stark profitiert von dem Zufluss der Spätaussiedler und Flüchtlinge. Fremd im Land, waren diese Gruppen auf Beratung durch die Fachhändler angewiesen“, erzählt Hirschmann.

Es gab auch Krisen in der langen Geschichte des Familienbetriebs: Mit der Gebietsreform in den 1970er-Jahren waren viele Ämter nach Passau gezogen, Kundschaft blieb weg. Dann aber erschloss sich mit dem Thermalbad – dem drittgrößten Deutschlands – eine neue Quelle. „Tourismus war das neue Zauberwort“, sagt Hirschmann. Der fortan eben mehr Ansichts- und Wanderkarten, Presseartikel und Souvenirs vertrieb.

2018 ist der Laden der Hirschmanns 90 Jahre alt geworden, was die IHK mit einer Urkunde würdigte. Hirschmanns sind stolz darauf, denken aber nicht ans Aufhören. „Nun wollen wir auf die 100 zugehen, denn Tradition verpflichtet. Wenn wir das erreicht haben, wären wir im richtigen Rentenalter. Doch wie ich uns kenne, ist dann lange noch nicht Schluss!“

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