Gebeutelte Möbelbranche

Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel hat im Jahr 2018 einen um zwei Prozent niedrigeren Umsatz erzielt als im Vorjahr, liegt mit 32,9 Milliarden Euro Jahresbruttoumsatz aber weiter auf einem hohen Niveau.

15.01.2019

© imm cologne

Dies ergibt sich aus Hochrechnungen auf Basis der ersten zehn Monate 2018. Für 2019 erwartet der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) eine lebhaftere Nachfrage. Die Gründe für den Umsatzrückgang sind vielschichtig. Heiße Sommer, in denen Deutschland lieber Freizeitbeschäftigungen nachgeht und Abkühlung sucht, gab es schon immer. Aber dass er bereits im April beginnt und sich bis September hinzieht, ist außergewöhnlich und hat die Branche schwer gebeutelt.

Nicht nur in den angesagten Metropolen Deutschlands steigen die Preise für Immobilien und die Mieten. Dies geht zu Lasten der Umzugsbereitschaft von Menschen, die als Mieter bei einem Umzug mit schmerzlichen Mehrkosten konfrontiert werden. Diese Kostensteigerungen greifen auch in das Budget von Privathaushalten ein. Wohnen stellt neben bei den Ausgaben im Wettbewerb mit Essen, Bekleidung, Verkehr und Reisen eine eigene Position im Budget. Was für die Finanzierung von Wohnungen und Häusern, für Mieten und die stetig steigenden Nebenkosten zusätzlich aufgewendet werden muss, steht für Neuanschaffungen von Möbeln und Küchen oftmals nicht zur Verfügung.

Selbstkritisch ist festzustellen, so der Verband, dass sich Werbung mit Superlativen abnutzt, gleichgültig ob mit Rabatten, angeblich gesparter Mehrwertsteuer oder mit Prämien. Da diese Botschaften von einer Branche, die für viele Zeitungen der wichtigste Anzeigenkunde ist, bis in fast jeden Haushalt getragen werden, entsteht der Eindruck, dass sich viele große Möbelhäuser nicht wirklich voneinander unterscheiden. Doch in Wahrheit wird die Aufmerksamkeit von der Vielfalt des Angebots abgelenkt.

Branche im Wandel
Traditionell werden Möbel und Küchen auf den günstigen Flächen vor den Toren der Städte angeboten. Allerdings ändert sich das Verbraucherverhalten mit einer bislang nicht gekannten Dynamik. Die Innenstadt wird wieder zur Möbellage. Der europäische Marktführer sucht keine neuen, großformatigen Standorte mehr. Er geht mit kleineren Einheiten zu den Menschen in die Städte. Was der Kunde nicht bequem mitnehmen kann, wird ihm nach Hause geliefert. Das spart teure innerstädtische Logistikfläche und führt zu einer ganz neuen Kalkulation.

Gleichwohl sind Möbel und Küchen Produkte, die stationär gekauft werden. Niemand käme auf die Idee, sich eine Auswahl von Möbeln liefern zu lassen, um sie wie Bekleidung größtenteils zurück zu schicken. Daher geht der BVDM von zehn Prozent reinem Onlineanteil aus. Wobei durch die zunehmende digitale Präsenz von Möbelkonzernen eine Abgrenzung zwischen stationärem Geschäft und Distanzhandel nur schwer möglich ist.

Für den Handel sind digitale Angebote insbesondere dort interessant, wo Wohnräume und Küchen virtuell dargestellt werden, Produkte ganz konkret in diese Welten positioniert und mit unterschiedlichen Farben und Materialien gezeigt werden. Hier gibt es gleich mehrere Unternehmen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Augmented Reality, der computergestützten Wahrnehmungserweiterung in die Öffentlichkeit begeben haben. Der BVDM sieht dies als attraktive Ergänzung zur persönlichen Beratung, die das Vorstellungsvermögen unterstützt.

Konzentration setzt sich fort
Die Möbel- und Küchenbranche ist eine generell mittelständisch geprägte Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreitet und vor allem Großunternehmen wachsen, wie die jüngsten Übernahmen gezeigt haben. Der Anteil der Familienunternehmen oder solcher Unternehmen, wo Familien das Kapital in Stiftungen überführt haben, ist hoch. Das Engagement von Kapitalinvestoren im Handel ist unterproportional, an der Börse spielt der Möbelhandel kaum eine Rolle.

Dies liegt vor allem an der Stärke der Einkaufsverbände, in denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent des Branchenumsatzes organisiert sind. Dazu zählen mittlerweile fast alle in Deutschland und Österreich marktführenden Unternehmen. Hinzu kommt eine Konsolidierung unter den Verbundgruppen, wo auch die traditionelle Trennung zwischen Möbelhäusern, Vollsortiment und spezialisierten Küchenhändlern immer stärker überwunden wird. Dass im Oktober das Bundeskartellamt eine Untersuchung gestartet hat, verwundert daher nicht, blockiert allerdings zunächst eingeleitete Kooperationen.

Der Flächenzuwachs hat sich im vergangenen Jahr abgeschwächt: Es wird weniger neu gebaut, es werden häufiger bestehende Standorte und Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon werden 5,7 Millionen Quadratmeter – das ist ein Viertel der Fläche – von 165 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben.

Die Vertriebsform der online bestellten Möbel gewinnt weiter an Bedeutung. Über 3,2 Milliarden Euro brutto, also rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2017 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet. Küchenmöbel bilden mit 26 Prozent Umsatzanteil die stärkste Warengruppe. Zweitgrößte Warengruppe sind die Polstermöbel mit 22 Prozent, gefolgt von den Schlafzimmermöbeln mit 13 Prozent. Wohnzimmermöbel runden das Bild mit elf Prozent Umsatzanteil ab.

Der deutsche Möbelhandel baut auf die imm cologne und die Living Kitchen. Er rechnet durch die Messe mit positiven Ausstrahleffekten auf die Nachfrage. Die Branche erwartet die Marktentwicklung im neuen Jahr trotz positiver Rahmenbedingungen mit gemischten Gefühlen.


Möbel-Taschenbuch 2019 erschienen

Seit über 25 Jahren begleitet das BVDM-Möbel-Taschenbuch die Führungskräfte und Mitarbeiter des Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels. Es wird jährlich in Zusammenarbeit mit den Experten des Ferdinand Holzmann-Verlags, von Möbelsachverständigen, Dozenten der Fachschule des Möbelhandels und BVDM-Mitarbeitern überarbeitet und erscheint im praktischen DIN A6-Format pünktlich zur imm cologne.

Auf gut 300 Seiten gibt es Fachinformationen, einen umfangreichen Statistikteil sowie die wichtigsten Gesetze und Verordnungen für den Möbel- und Küchenfachhandel in Auszügen. Ebenfalls sehr gefragt sind die erläuterten Fachbegriffe. Mit diesen wird nicht nur Auszubildenden, sondern auch erfahrenen Fachleuten im gesamten Möbelhandel geholfen. Zusätzlich enthält das Taschenbuch viele nützliche Branchenadressen, Messetermine und Basisinformationen für jeden Verkäufer und Entscheider der Branche.

Das BVDM-Möbel-Taschenbuch 2019 ist zum Preis von 15,00 Euro zzgl. Versand und MwSt. beim BVDM, Natalie Albrecht unter bvdm@wohnenundbuero.de oder Fax 0221/940 83-90 zu beziehen.

Schlagworte: BVDM, Handelsverband Möbel und Küchen, imm cologne

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