Bögen und Schwünge

Obwohl Stifte zunehmend aus unserem Alltag verschwinden, wächst das Interesse an der Kunst des Schönschreibens. Ein Trend, den Kirsten Schmeißer mit ihrem Onlineshop Federführend zu bedienen weiß.

Von Kapka Todorova 19.01.2019

© privat

Obwohl sie ihr Geschäft ausschließlich online betreibt, hat Kirsten Schmeißer vor zwei Jahren Büroräume samt einem angeschlossenen Showroom gemietet. Dort können sich ihre Kunden in Ruhe umschauen, Papiere und Stifte zur Hand nehmen und ausprobieren. „In unserem stressigen Alltag sich die Zeit zu nehmen, etwas mit der Hand zu schreiben, auf eine schöne Schrift zu achten und sich dabei zu entspannen, empfinden immer mehr Menschen als Wohltat“, weiß die Hamburgerin. Zudem bereitet es Freunden und Verwandten Freude, persönliche Nachrichten zu erhalten, die von Hand geschrieben sind.

Vor gut sechs Jahren entscheidet sich Kirsten Schmeißer nach einer längeren Familienzeit, wieder ins Berufsleben einzusteigen. „Ich komme aus dem IT-Bereich. In dieser Branche ist es sehr schwierig, wieder Fuß zu fassen, wenn man weniger als 40 Stunden in der Woche arbeiten möchte“, sagt die studierte Betriebswirtin. Da ihr wegen der beiden Kinder eine solch lange Arbeitswoche nicht praktikabel erscheint, orientiert sie sich um und überlegt, was sie von zu Hause aus beruflich machen kann. Zur selben Zeit besucht sie einen Kalligrafie-Kurs und merkt, wie schwierig es ist, die notwendigen Materialien zu finden. So ergibt sich plötzlich alles fast von selbst.

Traum vom eigenen Laden
„Ich dachte: Das ist die Marktlücke für mich. Nach kurzer Recherche habe ich dann den Shop gegründet“, erinnert sich Kirsten Schmeißer. Die Finanzierung stemmt sie aus ihren Rücklagen – verbunden mit dem festen Entschluss, im Falle eines Misserfolgs den Laden nach anderthalb Jahren wieder zu schließen. Doch dazu kommt es nicht. „Mittlerweile besteht Federführend seit sechs Jahren und ist von anfangs 20 Artikeln auf inzwischen mehr als 1.000 gewachsen“, sagt die Unternehmerin nicht ohne Stolz. Die größte Herausforderung am Anfang sei es gewesen, den Shop so im Internet zu positionieren, dass Interessenten ihn schnell finden. Um ihr Geschäft auszubauen, investiert Kirsten Schmeißer viel Mühe. „Weil ich mein Sortiment mit immer neuen Artikeln bereichern möchte, recherchiere ich viel auf Messen, in Büchern sowie in Fachzeitschriften. Sagt mir etwas zu, dann biete ich es in meinem Shop an.“

Zwar wirft Federführend mittlerweile Gewinn ab, doch bislang arbeitet Kirsten Schmeißer weiterhin allein. Perspektivisch sieht sie jedoch Wachstumspotenzial: „Kalligrafie liegt weiterhin im Trend, zudem interessieren sich aktuell viele Jugendliche fürs Handlettering.“ Bei dieser Kreativtechnik werden die Buchstaben kunstvoll gezeichnet und spielerisch ausgemalt. Es gibt keine strengen Regeln; erlaubt ist, was gefällt. Kalligrafie wiederum ist eine Kunst, die viel Geduld und Ruhe verlangt – und anders als das Handlettering – vornehmlich nicht mehr ganz so junge Menschen anspricht. Kirsten Schmeißer bemüht sich, den unterschiedlichen Zielgruppen gerecht zu werden. Denn eines Tages will sie sich ihren lang gehegten Traum erfüllen: „Einen eigenen kleinen Kalligrafie-Laden in Hamburg zu eröffnen.“


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