Bioware für den Hobbykoch

Textilhändler, die ihre Produzenten ­per­sönlich kennen, sind selten. Doch für Unternehmensgründer Stefan Rennicke von Kaya & Kato soll Nach­haltigkeit mehr als ein Label sein.

Von Martin Jahrfeld 31.01.2017

© Kaya&Kato

Der Weg in den Einzelhandel ist bekanntlich nicht notwendig ein geradliniger. Was Stefan Rennicke nach einem neuen Job Ausschau halten ließ, war vor allem der Wunsch, mehr Zeit mit Frau und Tochter zu verbringen. Während seiner Entwicklungsarbeit in Ländern wie Liberia, Uganda oder Lesotho hatte die Familie allzu oft allein in Köln bleiben müssen. Warum also statt Entwicklungsarbeit in Afrika nicht Textilhandel in Deutschland?

Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeitsfeldern erscheint nur auf den ersten Blick groß, tatsächlich hat das eine viel mit dem anderen zu tun. „Wir haben eine wirklich nachhaltige Produktion angestrebt. Deshalb war es wichtig, dass wir von Beginn an auf meine Kontakte in baumwollproduzierenden Ländern setzen konnten“, berichtet Rennicke. Mit innovativer Arbeitskleidung für Herd und Küche fand er zudem rasch eine passende Produktnische. „In diesem Bereich hat sich in der Vergangenheit wenig bewegt, das Segment drängte sich geradezu auf“, erklärt der 49-Jährige.

Nachhaltig produzierte Baumwolle aus Kirgistan
Seit Juli lässt der Gründer Küchenschürzen herstellen, um sie unter dem Markennamen Kaya & Kato via Onlineshop und Direktvertrieb an Restaurantchefs und Hobbyköche zu verkaufen. Ein großer Teil der verwendeten Biobaumwolle stammt von kirgisischen Anbauern, deren wirtschaftliche Probleme der Entwicklungsexperte aus nächster Nähe kennt. „Nach der Baumwolle müssen sie aufgrund der Fruchtfolge auf den Feldern andere Produkte anbauen, für die die Bauern oft keinen Absatzmarkt finden. Deshalb ist der Biobaumwollanbau selten attraktiv“, erklärt Rennicke, der den Kirgisen darum helfen will, für ihre Früchte Verkaufskanäle zu finden.

Auch im Verlauf der weiteren Wertschöpfungskette hat Nachhaltigkeit bei Kaya & Kato Priorität. Vernäht werden die Textilien nicht in asiatischen Niedriglohnländern, sondern in einer Fertigungsstätte der Kölner Caritas und in Tschechien. „Die Produktionskosten sind dadurch höher, doch das ist es uns wert“, sagt Rennicke, der bei Marketing und Vertrieb auf die Hilfe zweier weiterer Quereinsteiger rechnen kann.

Geschäftspartner Lillo Scrimali ist ein renommierter Musikproduzent, Rennickes Ehefrau Stefanie eine Kommunikationsexpertin mit viel Erfahrung in PR und Werbung. Publikumswirksame Veranstaltungen mit Promiköchen sowie eine intensive Medienarbeit sollen helfen, die Schürzen bekannter zu machen. Neben nachhaltiger Produktion und professionellem Marketing zählen innovative Schnitte und Formen. Die Sehnsucht nach mehr textilem Chic in der Küche sei groß, glaubt Rennicke. Die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung scheinen somit gegeben: „Wir wollen definitiv wachsen und uns im kommenden Jahr nach stationären Partnern umschauen“, versichert der Gründer.


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Schlagworte: Bio, Die Ware leben, Textilhandel

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