Auf Holz gebaut

Aus dem Getümmel der Modemesse Panorama sticht ein junger Mann heraus: Henrik Roth trägt das Markenzeichen von BeWooden – eine Holzfliege.

Von Kapka Todorova 21.03.2018

© BeWooden

Vor fünf Jahren gründeten vier Studenten in Tschechien das Fashion-Start-up, das heute seinen Sitz in Frankfurt am Main hat. Zunächst bietet BeWooden ausschließlich online eine Kollektion von Holzaccessoires für Herren an: Fliegen, Manschettenknöpfe und Portemonnaies beispielsweise. Überraschend, dass ein junges Team ohne nennenswerte Erfahrung innerhalb von wenigen Jahren zu einer zwar kleinen, aber ernst zu nehmenden Marke im Nischensegment „Accessoires aus Holz“ avancieren kann. Schon ein Jahr nach der Gründung führt Henrik Roth 2014 BeWooden erfolgreich am deutschen Markt ein. Er erntet viel positive Resonanz, und erst Ende vergangenen Jahres schießt ein Investor 400.000 Euro zu.

„Alle Produkte werden in der Nähe von Prag handwerklich gefertigt; dort befinden sich unsere Produktionsstätte und Schreinerei“, erzählt der Gründer. Holz ist in den vergangenen Jahren zum Trend geworden; BeWooden hat’s erkannt. „Wir fällen aber keine tropischen Bäume“, betont der Geschäftsführer, „sondern verarbeiten zu 90 Prozent Hölzer aus der Region.“ Für manche Accessoires verwendet das Unternehmen zwar Tropenhölzer, jedoch ausschließlich aus biologischem Anbau in Europa. „Zum Teil verwerten wir auch Möbelreste“, sagt der 24-Jährige, derweil sich an seinem Stand einige Damen Herrenfliegen anschauen.

„Beliebte Geschenke für Männer“, sagt Henrik. Für die Sommersaison haben sich die Gründer jedoch vorgenommen, mehr Produkte für Frauen zu entwickeln, zum Beispiel Schmuck aus Holz. Die Preise liegen derzeit bei 19 Euro für Broschen, eine Fliege in einer schicken Box kostet 115 Euro. Vor vier Jahren haben noch 200 Leute pro Monat im Internet nach Holzfliegen gesucht, heute sind es 1.200. Das Geheimnis des Erfolgs? „Gutes Marketing“, sagt Roth.

70 Geschäfte in Deutschland und weitere 40 im Ausland führen mittlerweile Produkte von BeWooden – vom Hochzeitsausstatter bis zur Geschenkboutique. Bereits in zwei Jahren will Roth eigene Geschäfte eröffnen. „Wir wissen noch nicht genau, wo. Vielleicht in Frankfurt, weil wir dort unser Büro haben. Aber auch Prag ist interessant – es gibt dort viele Besucher, die Mieten und Löhne sind erschwinglich“, erklärt Roth.

Das Unternehmen hat er neben dem Marketingstudium mit Freunden aufgebaut. Es war Learning by Doing, aber auch ein Abenteuer. „Eine spannende Reise, die ich nicht bereue“, wie Roth sagt. Heute arbeiten 22 Leute bei BeWooden, alle zwischen 24 und 29 Jahren alt. „Es läuft gut und macht Spaß“, sagt der Strategiechef. Er gibt aber offen zu, dass sein Team einige Jahre viel gearbeitet habe, ohne davon leben zu können. Nun würden aber alle Mitarbeiter gut bezahlt. Angefangen habe er, weil er ein eigenes Projekt machen wollte. Accessoires aus Holz sind kleine, aber tolle Nischenprodukte, dachte Roth damals. Heute weiß er: „Wenn man mit ganzem Herzen hinter seiner Idee steht, dann klappt es.“

Schlagworte: Handelshelden, Start-up, Accessoires, BeWooden, Holzfliege

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