Handelsverband Wohnen und Büro

Ökologische Ökonomie

Die Nachhaltigkeitsorientierung der Gesellschaft nimmt zu. Dabei handelt es sich nicht um einen vorübergehenden Trend. Denn die aktuell zu beobachtenden Entwicklungen haben bereits einen langfristigen und tief greifenden Strukturwandel angestoßen.

Von Christian Haeser 06.10.2020

© KPM

Nachhaltige Handwerkskunst: Porzellan-Coffee-to-go-Becher von KPM.

Nachhaltige Entwicklung verknüpft Umweltbelange gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen sich Hersteller und Handelsunternehmen intensiver mit den Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) beschäftigen. Sie sollten dies nicht als lästige Verpflichtung, sondern vielmehr als Chance begreifen. Allein den äußeren Anschein erwecken zu wollen, nachhaltig zu agieren, wird nicht zielführend sein.

Deutsche Einzelhandelsunternehmen erhöhen bereits jetzt laufend ihr Angebot an nachhaltigen Produkten. Denn Kunden achten beim Kauf neben Kriterien wie Preis und Qualität zunehmend auch auf Produkteigenschaften wie Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit und Gesundheit. Der Absatz nachhaltiger Waren wird aber nur zu erhöhen sein, wenn die Kunden vermehrt Verantwortung übernehmen und beim Kauf nicht letztendlich anhand des Preises über die Produktwahl entscheiden.

Im Zuge der Globalisierung von Produktions- und Konsumstrukturen ist zudem die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards im Einkauf zu einem Kernziel von CSR geworden. Im Wesentlichen dreht sich die Diskussion darum, wie in der Produktion transparente und nachvollziehbare Nachweisketten zu organisieren sind. Mittlerweile hat sich die Bundesregierung des Themas angenommen und Mitte Juli angekündigt, ein Lieferkettengesetz vorzulegen.

Die eigenen Anstrengungen, nachhaltig zu wirtschaften, gegenüber der Öffentlichkeit transparent zu machen, ist für Unternehmen heutzutage enorm wichtig: Daher informieren sie anhand ihrer Nachhaltigkeitsberichte die Gesellschaft nicht allein über die wirtschaftliche Situation, sondern beleuchten zudem ökologische und soziale Aktivitäten, die idealerweise integrale Bestandteile der Geschäftsstrategie sind. Entsprechend kann der Kunde anhand des ökologischen Fußabdrucks eines Produktes erkennen, ob es nachhaltig produziert wurde.

Trendwende beim Plastikverbrauch

Die beschriebenen Entwicklungen decken sich mit meinen persönlichen Eindrücken, die ich in diesem Jahr auf Branchenveranstaltungen wie Ambiente, Paperworld und Imm Cologne gewinnen konnte. So achten immer mehr Verbraucher auf die Produktionsweise von Produkten: Sind sie recyclingfähig? Wurden bei ihrer Produktion soziale und ethische Ansprüche geachtet? Eine wachsende Anzahl von Anbietern stellt sich darauf ein.

Die Messe Ambiente greift diesen Metatrend seit Jahren auf und ist heute mit dem Format „Ethical Style“ der internationale Handelsplatz für nachhaltig produzierte Konsumgüter. Sehr stark im Trend liegen beispielsweise im Living Bereich Coffee-to-go-Becher aus Porzellan, wiederverwendbare Bestecksets für die Tasche und Strohhalme – bisher eines der kurzlebigsten Einwegprodukte – aus Glas und Edelstahl.

Die Europäische Union machte bereits 2018 mit dem Verbot von Einweg-Plastikprodukten Ernst; die vereinbarte Richtlinie soll ab 2021 in der gesamten EU umgesetzt werden. Ziel ist es, eine Trendwende beim Plastikverbrauch einzuleiten. Produkte aus Glas, Porzellan, Keramik und Holz stehen aufgrund ihrer Materialität an sich bereits für Nachhaltig- und Langlebigkeit. Dies sollten Industrie und Handel verstärkt kommunizieren.

Transparente Produktionsabläufe

Viele Verbraucher entscheiden sich heute zudem bewusst für regionale Produkte. Nachvollziehen zu können, woher die Ware stammt und wie sie produziert wird, spielt folglich eine zunehmend bedeutsame Rolle beim Kauf. Auch die Arbeitsbedingungen und die Umstände der Gewinnung von Rohstoffen sind für Verbraucher wichtige Faktoren bei der Kaufentscheidung. Entsprechende Standards einzuhalten, schafft Vertrauen und sichert lokale Arbeitsplätze und Wertschöpfungsketten.

Darüber hinaus vermitteln Gütesiegel Vertrauen in Produkte und Qualität sowie in die Transparenz von Produktionsabläufen. Das wohl bekannteste Qualitätszeichen heißt „made in Germany“ – ursprünglich im 19. Jahrhundert erdacht als abschreckender Hinweis, um die britischen Verbraucher vor angeblich minderwertigen deutschen Produkten zu schützen. Englische Produzenten sahen sich damals durch kostengünstige Importe aus Deutschland existenziell bedroht und forderten Schutz vom Staat. Der „Merchandise Marks Act“ richtete sich direkt gegen deutsche Importe, verlangt hatten ihn die Hersteller von Schneidwaren aus Sheffield. Die Kennzeichnung entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre zu einer Auszeichnung von Qualitätsware. Damit lief der englische Ansatz in Leere.

Auch heute ist „made in Germany“ eine weltweit bekannte Herkunftsbezeichnung, die als Gütesiegel für in Deutschland produzierte Dienstleistungen und Qualitätswaren steht. „Made in Germany“-Produkte erfüllen höchste Umwelt- und Sicherheitsstandards, deren Einhaltung von staatlichen Stellen regelmäßig überprüft wird. Die daraus resultierende hohe Langlebigkeit und Zuverlässigkeit der Produkte gilt nachhaltigkeitsbewussten Konsumenten in aller Welt als wichtiges Kaufargument.

Seit 2008 verleiht die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis gemeinsam mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung jährlich in Düsseldorf den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Die ausgezeichneten Unternehmen verbinden auf vorbildliche Weise wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Umweltschutz. Zudem nutzen sie ihr nachhaltiges Handeln für weiteres Wachstum. Im Fokus stehen konsequentes Nachhaltigkeitsmanagement und Nachhaltigkeitsthemen in der Markenführung.

Gelingt es Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsstrategie transparent und nachvollziehbar zu kommunizieren, wird die Gesellschaft diese Leistung anerkennen und honorieren. In der Folge werden auch private Haushalte langfristig nachhaltiger und umweltfreundlicher agieren. Diese Entwicklung wird die Gesundheit der Menschen verbessern, ihre Lebensqualität steigern sowie ihre Naturverbundenheit festigen. ●

Der Autor

Christian Haeser ist Geschäftsführer und Syndikusrechtsanwalt beim Handels­verband Wohnen und Büro (HWB). Seit mehr als 15 Jahren ist er im Verbands­wesen tätig. Sein besonderes Augenmerk gilt den Themen Transparenz sowie Stärkung des Wissenstransfers.

Schlagworte: Nachhaltigkeit, Ökologie, Handelsverband ­Wohnen und Büro

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