Die Ware leben

Alpen-Melange

Im bayerischen Aßling riecht die gesunde Landluft seit einigen Jahren nicht mehr nur nach glücklichen Kühen, sondern überdies noch nach gerösteten Kaffeebohnen – frisch aus der ­Rösterei Martermühle.

Von Cornelia Dörries 10.01.2020

© PR

Kaffee-­Connaisseure: Peter Vit und Ralf Heincke (v. l.), Gründer der Rösterei Martermühle.

Zwei Männer und eine gemeinsame Liebe, so beginnen die besten Geschichten. Auch die von Peter Vit und Ralf Heincke. Ihre Ehefrauen kennen sich vom Reiten. Vit, der in München beim Film-​ausrüster Arri arbeitet, ist immer auf der Suche nach gutem Kaffee. Wie der Sportjournalist Heincke. Wenn sie sich treffen, tauschen sie Tipps aus und fragen sich manchmal, warum es so schwer ist, vernünftige Bohnen zu finden.

Dann steht plötzlich eine Röstmaschine zum Verkauf. Zwar gebraucht und mit lediglich zehn Kilogramm Fassungsvermögen ein relativ kleiner Apparat, aber eben doch eine Investition, zumindest für ein Männerhobby. Sie schlagen zu. Bei einem befreundeten Kaffeeröster lernen sie die Grundlagen des Handwerks und verbringen fortan jede freie Minute in Experimenten mit Bohnensorten und Röstgraden. Das ist jetzt zehn Jahre her.

Auch wenn Vit und Heincke von Zeit zu Zeit immer noch selbst am Röster stehen, sind ihre Arbeitstage mit Geschäftsterminen, Händlerbesuchen und zuletzt auch Baustellenbegehungen gefüllt. Denn die geteilte Freizeitleidenschaft ist zu einem Unternehmen geworden, das 25 Mitarbeiter beschäftigt und unter dem Markennamen „Martermühle“ gut 40 verschiedene Kaffeeröstungen vertreibt.

„Wenn mir das damals jemand gesagt hätte …“, ruft Peter Vit in die Freisprechanlage und lacht. Er ist, wie so oft, im Auto unterwegs; dieser Tage die einzige Möglichkeit, ihn ungestört zu sprechen. Den Job bei Arri, der sich wegen der ausufernden Hobbyrösterei irgendwann auf eine Dreitagewoche beschränkte, hat er längst aufgegeben, und auch Heincke verfolgt das Sportgeschehen nur noch aus persönlichem Interesse.

„Es war ein Risiko, sich allein aus Leidenschaft in die Selbstständigkeit zu wagen“, sagt Vit. „Aber die Nachfrage nach unserem Kaffee hatte sich schon zwei, drei Jahre nach dem Kauf der kleinen Röstmaschine so gut entwickelt, dass wir entscheiden mussten, ob wir die Rösterei weiter als Nebenbeigeschäft betreiben oder den Betrieb professionalisieren.“ Ob es eine Art Fügung war, dass just zu dieser Zeit in Aßling südöstlich von München ein altes Bauernhaus leer stand?

In den Gewölben der historischen Hofanlage hat neben der Rösterei und dem Versandhandel ein Café mit angeschlossenem Verkauf Platz gefunden. Die Ware der Martermühle überzeugt nicht allein Kaffeegourmets, sondern ist mittlerweile in vielen Supermärkten Bayerns zu haben. „Wir merken, dass sich Kaffee als regionales Produkt vermarkten lässt“, sagt Marketingleiterin Hannah Marks. Obwohl die Kaffeeröstungen aus Aßling teurer sind als gängige Handelsmarken, läuft das Geschäft so gut, dass Vit und Heincke derzeit eine neue Halle bauen – für eine 60-Kilogramm-Röstmaschine. 

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Schlagworte: Die Ware leben, Kaffeebohnen, Kaffee

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