Personalisierung

No size fits all

Für Zalando, Deutschlands größtem Versandhändler für Mode und Schuhe, ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz überlebenswichtig. Dabei wertet das Unternehmen nicht nur fortwährend Nutzerdaten aus, sondern generiert auch im eigenen Haus permanent verlässliche Daten. Wie das genau funktioniert, erklärt Stacia Carr, Direktorin für Sizing bei Zalando.

Von Pascal Fynn 26.11.2019

© Zalando

Stacia Carr von Zalando.

Um sicher zu gehen, bestellen viele Fashionkäufer bei Onlinebestellungen gleich mehrere Größen, was zu Unmengen an Retouren führt. Was unternimmt Zalando, um das Problem in den Griff zu bekommen?

Exakt mit dieser Aufgabe beschäftigt sich mein Team. Die richtige Größe und Passform zu finden, ist für Onlinekunden schwierig. Denn je nach Hersteller fallen die Produkte zuweilen komplett unterschiedlich aus. Anhand von Daten aus verschiedenen Quellen versuchen wir, für unsere Kunden Parameter abzuleiten, die ihnen die präzisere Auswahl erleichtern. So probiert beispielsweise das Fitting-Model-Team Kleidung an und wertet aus, ob die einzelnen Modelle größer oder kleiner ausfallen als auf dem Etikett angegeben. Derzeit überprüfen wir rund 80 Prozent des Sortiments mittels dieser Methode auf Größen- und Passprobleme. Zudem bieten wir unseren Kunden eine individuelle Größenberatung an, im Zuge derer wir auf Basis des bisherigen Kauf- und Retourenverhaltens für jedes Produkt eine bestimmte Größe empfehlen.

Sind Bodyscanner-Apps geeignet, dieses Problem zu lösen?

Körpermaße exakt zu nehmen, ist für Laien nicht einfach. Deshalb kommt auch an diese Stelle unser Fitting-Model-Team zum Einsatz: Die Mitglieder probieren Kleidung sowie Schuhe an und vermessen sie im gleichen Zuge. Diese Daten helfen uns, die von uns verkauften Produkte besser zu verstehen und sicherzustellen, dass unsere Kunden einen präzisen Eindruck von den gewählten Modellen erhalten – und zwar bevor sie diese bestellen. Zugleich aber wollen auch wir unsere Kunden in Bezug auf ihre individuell benötigte Größe und Passform besser verstehen: Darum testen wir zurzeit die Verwendung einer Bodyscanner-App. Mithilfe dieser Technik können wir unseren Kunden virtuell zeigen, wie ein bestimmtes Kleidungsstück an ihnen sitzen könnte. Dabei helfen uns visuelle Hinweise, die anzeigen, wo ein Kleidungsartikel womöglich zu eng oder zu locker sitzt.

An welchen Stellen setzen Sie auf Künstlicher Intelligenz basierende Lösungen ein, wenn es darum geht, mit Kunden in Kontakt zu treten?

Wir setzen KI bei einer Vielzahl von kundenorientierten Anwendungen ein. Außer bei der Beratung zu Größe und Passform nutzen wir sie auch, um unseren Kunden personalisierte Empfehlungen für konkrete Artikel zu geben. Auch Inspiration ist ein Thema, dazu nutzen wir unter anderem den „Algorithmic Fashion Companion”. Dies ist ein Algorithmus, der auf der Grundlage eines Artikels, den der Kunde bereits besitzt, komplette Outfits zusammenstellt.

Gibt es neue Lösungen, an denen Zalando gerade arbeitet?

Zukünftig wird KI dabei eine noch größere Rolle spielen, insbesondere wenn es um das virtuelle Anprobieren von Kleidung mithilfe von 3D-Modellierung geht. Wir suchen derzeit nach Möglichkeiten, diese Technologie so einzusetzen, dass sie unseren Kunden bestmöglich hilft, Kaufentscheidungen zu treffen, an denen sie möglichst viel Freude haben.

Zur Person

Die gebürtige Kalifornierin Stacia Carr ist Absolventin der Berklee College of Music und kehrte einst aus New Yorks zurück in ihre Heimat, um mehr über die damals noch junge Tech-Szene zu lernen. Bevor Carr im 2016 zu Zalando kam, leitete sie Engineeringteams bei Sony, SoundCloud, Listen.com CMJ und Kink.com.

Schlagworte: Zalando, Künstliche Intelligenz

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