„NFC ist bei großen Händlern fast Standard“

Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme und Mitglied der Geschäftsleitung beim EHI Retail Institute über Wallets, mobiles Bezahlen und die Akzeptanz von NFC beim Kunden.

Von Pascal Fynn 20.05.2019

© Philippe Remakers/EHI

Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme beim EHI Retail Institute.

Herr Rüther, welche mobilen Bezahlmethoden favorisieren die Kunden zurzeit?

Rüter: Zur Präferenz mobiler Bezahllösungen kann momentan keine Aussage getroffen werden, da die Handelsunternehmen von ihren Dienstleistungspartnern keine spezielle Auswertung für kontaktlose und mobile Transaktionen erhalten. Das heißt, bei NFC-Akzeptanz sind mobile Transaktionen für die Händler immer kontaktlose Transaktionen.

Bei herkömmlichen Kassenmodellen fallen neben der Anschaffung der Geräte zudem Kosten für Personal, Abrechnung des Bargelds und Geldtransporte an. Wie sieht es beim mobilen Bezahlen aus?

Insgesamt entstehen dem Einzelhandel Gesamtkosten von 5,7 Milliarden Euro für sämtliche Zahlungen, bezogen auf einen Bruttoumsatz von 410 Milliarden Euro mit 20 Milliarden Transaktionen. Die genaue Berechnung kann der aktuellen Publikation „Kosten der Bargeldzahlung im Einzelhandel“ entnommen werden, die gemeinsam von der Deutschen Bundesbank und dem EHI Retail Institute erstellt wurde. Beim mobilen Bezahlen fallen bei bestehender NFC-Infrastruktur für das kontaktloses Bezahlen nach derzeitigem Kenntnisstand keine Zusatzkosten an, wenn die Mobilbezahlsysteme ebenfalls auf NFC-Technologie beruhen. Dies gilt beispielsweise für Apple Pay, Google Pay sowie die digitale Lösungen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Für optische Identifikationslösungen auf Basis von QR-Codes bedarf es hingegen spezieller Lesegeräte. Zu deren Kosten gibt es jedoch noch keine exakten Studien.

Sollten Händler mit einem oder mehreren mobilen Payment-Anbietern zusammenarbeiten?

Händler können sich bei bestehender NFC-Infrastruktur nicht gegen die Akzeptanz von Apple Pay, Google Pay oder anderen NFC-basierten Mobilbezahlverfahren wehren, es sei denn, dass die in den entsprechenden Wallets hinterlegten Karten dort grundsätzlich nicht akzeptiert werden. Dann würde der Zahlungsversuch mit dem Hinweis „ungültige Karte“ abgebrochen.

Raten Sie Händlern auf NFC oder eher auf QR-Code zu setzen?

NFC ist bei großen Händlern fast Standard, bei mittelständischen Händlern herrscht noch Nachholbedarf. Aber auch QR bietet Vorteile, für Kunden etwa die systemunabhängige Nutzungsmöglichkeit.

Schlagworte: Payment, NFC, EHI Retail Institute

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