Sicherheitswirtschaft

„Einkäufer diskutieren teils heftig über Coronaregeln“

Mit dem von der Krise gebeutelten Einzelhandel eng verbunden sind Sicherheitsdienstleister, die Auflagen zur Eindämmung des Virus durchsetzen müssen. Im Interview spricht Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft, über neue Herausforderungen.

Von Thomas Müller 13.10.2020

© Flashpic Jens Krick / DPA Picture Alliance

Die geltende Verhaltensregeln während der Coronapandemie werden von Sicherheitsdiensten durchgesetzt.

Viele Mitarbeiter der Sicherheitswirtschaft sind im Einzelhandel im Einsatz. Wie hat sich die Coronakrise, die viele Händler in existenzielle Not gebracht hat, auf Ihre Branche ausgewirkt?

Tatsächlich waren 2019 rund 10.000 Mitarbeiter unserer Unternehmen im Handel im Einsatz, vor allem als Kaufhausdetektive, Doormen oder beim Transport von Bargeld. Durch die Zwangsschließung vieler Läden hat sich in der Zeit des Lockdowns der Personaleinsatz bei den Handelskunden massiv reduziert. Infolgedessen mussten solche Unternehmen, deren Aufträge überwiegend aus dem Einzelhandel kommen, für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden.

Welche Unternehmen hat es besonders hart getroffen?

Die Wertdienstleister, die das Bargeld transportieren, werden dauerhaft zu den Verlierern der Krise gehören. Im vergangenen Jahr wurden noch Waren im Wert von fast 250 Milliarden Euro im Handel bar bezahlt. Das massive Werben für bargeldloses Zahlen während der Coronakrise hat das Verhalten der Kunden jedoch innerhalb kürzester Zeit deutlich verändert. Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Barzahlung im Handel von circa 48 Prozent Anfang dieses Jahres auf deutlich unter 40 Prozent im kommenden Jahr sinken wird. Eine große Mehrheit der Wertdienstleisterrechnet deshalb damit, dass ihre Umsätze um bis zu 20 Prozent geringer als in der Vergangenheit ausfallen werden.

Mit der Pandemie kamen neue Vorschriften wie Abstandsregeln und die Maskenpflicht, deren Einhaltung kontrolliert werden muss. Ein völlig neues Aufgabenfeld und sicherlich eine Herausforderung für Sicherheitsdienstleister und deren Mitarbeiter …

Grundsätzlich werden diese Regeln von der überwältigenden Mehrheit der Kunden akzeptiert. Dies ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass die Mitarbeiter unserer Unternehmen ihre Arbeit mit hoher Einsatzbereitschaft und Motivation durchführen. Dennoch ist diese von Konflikten geprägt, da immer wieder Einkäufer über die Coronaregeln teils heftig diskutieren, manchmal sogar streiten.

Haben diese neuen Anforderungen nach Ende des Lockdowns zu einem höheren Bedarf an Sicherheitskräften im Handel geführt?

Es stimmt zwar, dass die Nachfrage nach Sicherheitsmitarbeitern, die vor allem auf die Einhaltung der Maskenpflicht, der Abstände und der Wegeleitsysteme in den Läden zu achten haben, weiterhin hoch ist. Andererseits ist der Bedarf beispielsweise an Warenhausdetektive seit dem Lockdown geringer als zuvor. Insgesamt sind unsere Dienstleistungen derzeit noch immer weniger gefragt als vor Beginn der Pandemie, sicherlich auch aufgrund der finanziell angespannten Situation vieler Einzelhändler. Die langfristigen Folgen werden sich aber erst in den kommenden Monaten zeigen.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Sicherheit

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