Herbstprognose

Warum der HDE trotz Coronakrise mit Wachstum rechnet

Trotz der Coronakrise rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) für das laufende Jahr mit einem Umsatz im Einzelhandel von knapp 552 Milliarden Euro - und damit mit rund 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Lage sei jedoch in einzelnen Branchen sehr verschieden, heißt es.

22.09.2020

© MiS/Imago Images

Vor allem der Modehandel leidet noch immer sehr unter den Folgen der Coronakrise, anderen Branchen geht es besser.

"Das Wachstum darf nicht darüber hinweg täuschen, dass wir in vielen Bereichen noch deutlich unter den Normalfrequenzen liegen", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Wir haben gut laufende Branchen, aber wir haben auch die Situation, dass besondere Branchen sehr negativ betroffen sind." Getrieben wird das Wachstum demnach vor allem vom Fahrradhandel, wo der Umsatz in den ersten sieben Monaten um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt hat. Auch der Online- und Versandhandel sowie Baumärkte konnten ihren Umsatz im selben Zeitraum deutlich steigern.

Viele andere Sektoren jedoch seien von der Krise nach wie vor stark betroffen. Dazu gehöre insbesondere der stationäre Einzelhandel abseits der Lebensmittelmärkte, der über Wochen schließen musste. Vor allem Bekleidungs- und Schuhgeschäfte leiden demnach unter deutlichen Umsatzeinbußen in Höhe von knapp 30 Prozent zwischen Januar und Juli. Mehr als elf Milliarden Euro Umsatzverluste verzeichnete dem HDE zufolge der von Schließungen betroffene Einzelhandel. 

Insbesondere an den innerstädtischen Standorten seien die Herausforderungen groß. So beurteilen laut einer HDE-Umfrage unter 1.000 Händlern mehr als drei Viertel der in den Hauptgeschäftslagen der Stadtzentren ansässigen Unternehmer ihre Situation in den ersten sechs Monaten des Jahres schlechter als im Vorjahr. Um den vielerorts weiter voranschreitenden Niedergang der Innenstädte aufzuhalten, erneuert der HDE seine Forderungen nach einem Innenstadtfonds und einem staatlichen Förderprogramm zur Digitalisierung des mittelständischen Einzelhandels.

Hohe Mieten belasten gebeutelte Einzelhändler

Auch bei den Mieten sieht Genth den Staat gefordert. "Es gibt vor allem große Vermietungs- und Fondsgesellschaften, die nach wie vor hohe Mieten verlangen", kritisiert er. Ein mit dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft vereinbarter Verhaltenskodex für den Umgang mit der Coronakrise, der Mietsenkungen vorsieht, zeige nicht in allen Fällen Wirkung. Genth fordert deshalb vom Gesetzgeber rechtliche Änderungen, um eine Anpassung der Mieten durchzusetzen. "Angesichts der Umsatzrückgänge können viele Händler ihre Mieten nicht in voller Höhe bezahlen." 

Lob gibt es vom HDE-Hauptgeschäftsführer dafür, dass die Bundesregierung in der vergangenen Woche die Hürden für die sogenannte Überbrückungshilfe gesenkt hat. Weil auch Kurzarbeit und andere soziale Sicherungssysteme funktionierten, steige auch die Kaufkraft der Kunden wieder, sagt Genth. Die Voraussetzungen für Konsum seien damit grundsätzlich gegeben, so sein Fazit.

Mehr Informationen zur Herbstpressekonferenz des HDE finden Sie hier.

Schlagworte: Coronakrise, HDE, Coronavirus

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