Innenstadt-Gipfel

Unterstützung des Handels bei der Digitalisierung gefordert

Beim Runden Tisch zur Lage der Innenstädte im Bundeswirtschaftsministerium macht HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth deutlich, dass die Lage in vielen Zentren sehr kritisch ist. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will mehr Sonntagsöffnungen im Weihnachtsgeschäft.

20.10.2020

© dpa Picture Alliance/Bernd von Jutrczenka

Mit Spitzenvertretern des Handels diskutierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am virtuellen Runden Tisch über Strategien gegen die Verödung der Stadtzentren.

„Der Einzelhandel als Kernbranche vitaler Innenstädte steht in Folge der Corona-Krise insbesondere im Bekleidungsbereich in vielen Fällen vor der Insolvenz. Am Ende der Krise könnten bis zu 50.000 Geschäfte vom Markt verschwunden sein. Das hat Auswirkungen auf ganze Innenstädte“, betont Genth. Der HDE setzt sich deshalb für eine Verlängerung der Überbrückungshilfen des Bundes ein. Denn diese Gelder könnten auch vielen mittelständischen Innenstadthändlern helfen. 

Gleichzeitig regt der HDE aber Unterstützung bei der Digitalisierung der mittelständischen Händler an: „Die aktuelle Krise führt dazu, dass das Eigenkapital der Handelsunternehmen aufgebraucht ist. Und doch müssen gerade die mittelständischen Händler sich für die Zukunft rüsten. Damit der Mittelstand in unseren Innenstädten in dieser Krise nicht unverschuldet den Anschluss verliert, braucht es ein staatliches Förderprogramm. Ansonsten drohen verödete Stadtzentren“, so Genth.

Ruf nach staatlichem Digitalisierungsfonds

Der HDE schlägt dazu einen Digitalisierungsfonds vor. In einem ersten Schritt sollte dabei das schon bestehende Kompetenzzentrum Handel 4.0 genutzt werden, um die Händler über die Möglichkeiten der Digitalisierung aufzuklären. Schon heute leistet dieses Kompetenzzentrum unter dem Dach des Bundeswirtschaftsministeriums und der Konsortialführerschaft des Handelsverbandes mit Veranstaltungen, Webinaren und einem Digital-Mobil einen großen Beitrag.

In einem zweiten Schritt sollten dann bei interessierten Unternehmen geeignete Maßnahmen identifiziert werden. Dabei können Digitalisierungscoaches – wie sie in NRW bereits in die Praxis umgesetzt wurden – helfen. Die Unternehmen, die eine oder mehrere der von den Coaches empfohlenen Maßnahmen umsetzen möchten, sollten dafür entsprechende finanzielle Förderungen bekommen, fordert der HDE. Insgesamt wäre für diese Fördermaßnahmen zunächst ein Budget von rund 100 Millionen notwendig. 

Kulturelle Identität wahren

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will notleidenden Händlern unter die Arme greifen. Und zwar nicht nur mit Überbrückungshilfen gegen die Corona-Folgen, die bis Mitte 2021 verlängert werden. "Für mich ist eine einheitliche Regelung für das Weihnachtsgeschäft nach wie vor das, was ich gerne anstreben möchte", so Altmaier. Er werde das jetzt noch einmal aufgreifen. Wenn es dazu auf Bundesebene keine Einigung gebe, wünsche er sich, dass Bundesländer vorangingen. 

Weitere Gespräche mit Einzelhandelsexperten sollen folgen, an deren Ende ein schnell umsetzbares Handlungskonzept stehen soll. Ziel ist eine Trendwende hin zu mehr neuen Geschäften und lebendigen Stadtzentren. 2021 solle das Ladensterben gestoppt und 2022 umgekehrt werden, so Altmaier - dann sollten es wieder mehr Menschen wagen, sich in den Innenstädten selbstständig zu machen. Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern um die kulturelle Identität.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Innenstadt, Vitale Innenstädte

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