Pandemie

Kampf gegen steigende Corona-Zahlen bremst Wachstum aus

Die Corona-Infektionszahlen steigen massiv in Deutschland. Die Politik will gegensteuern. Doch neue einschneidende Beschränkungen haben Folgen für den Einzelhandel und zahlreiche weitere Branchen.

29.10.2020

© Andreas Rentz / Getty Images

Der Handel fürchtet leere Fußgängerzonen als Folge der neuen Corona-Regeln.

Die zweite Coronawelle und verschärfte Beschränkungen gefährden nach Einschätzung von Volkswirten den Aufschwung in Deutschland. "Die Wirtschaft lässt sich nicht wie eine Lampe ein- und abschalten, ohne dass es zu Schäden kommt", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie könnten das Wirtschaftswachstum erneut bremsen, macht auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei einer Regierungsbefragung im Bundestag deutlich.

Der CDU-Politiker sicherte Firmen im Falle neuer und massiver Beschränkungen Unterstützung zu. Konkret plant der Bund milliardenschwere Nothilfen für Unternehmen, die von neuerlichen vorübergehenden Schließungen betroffen sind. Umsatzausfälle sollen erstattet werden, die Finanzhilfe soll ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro haben.

Der Bund will mit einem Herunterfahren von weiten Teilen des öffentlichen Lebens die starke Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland aufhalten. Angesichts deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen sollen Gastronomiebetriebe vom 2. November an für den restlichen Monat schließen. Zudem sollen touristische Übernachtungsangebote im Inland im November verboten werden. Diese dürften nur noch für notwendige Zwecke wie zwingende Dienstreisen gemacht werden. Veranstaltungen, die der Unterhaltung und der Freizeit dienen, wollen Bund und Länder ab nächster Woche bis Ende November deutschlandweit weitgehend untersagen. Das betrifft etwa Theater, Opern oder Konzerthäuser, Messen, Kinos, Freizeitparks und Spielhallen.

HDE warnt vor schwerwiegenden Folgen für die Branche

Nach Einschätzung von Ökonom Krämer dürfte das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal zum Erliegen kommen. Bestenfalls sei mit einer schwarzen Null gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. Zwar seien Industrie und Handel nicht direkt betroffen, dürften aber trotzdem leiden, weil die allgemeine Unsicherheit steige und die Anti-Corona-Maßnahmen im Ausland ebenfalls verschärft würden.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt, erneute Einschränkungen könnten auch die Geschäfte treffen. Zwar sollen Groß- und Einzelhandel geöffnet bleiben - es gibt aber Vorschriften, wie viele Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen. "Wenn die Geschäfte als einzige geöffnet sind, alle anderen Branchen rundherum schließen müssen und die Menschen in einer faktischen Ausgangssperre zuhause bleiben, dann sind die Händler in einer sehr schwierigen Lage", teilt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth mit. Und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser mahnt: „Viele Händler befinden sich durch die Coronakrise in einer unverschuldeten Notlage. Deshalb muss die Bundesregierung auch Handelsunternehmen mit einem Umsatzausfall von 70 Prozent oder mehr in ihr Unterstützungsprogramm aufnehmen.“

Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) kritisiert die Schließungen der Gastronomie als "völlig unangemessen". Für viele mittelständischen Betriebe könne das in der jetzigen Lage den Todesstoß bedeuten, sagt BGA-Präsident Anton Börner.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, HDE

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