Coronakrise

Sorgenfalten statt Shoppinglust

Die Stimmung unter den deutschen Konsumenten in der Coronakrise kippt. Fast jeder Fünfte (17 Prozent) geht mittlerweile von einer lang anhaltenden Rezession aus, vor drei Wochen waren nur 13 Prozent so pessimistisch.

12.05.2020

© imago/Ralph Peters

Die Öffnung der Geschäfte führt bei den Verbrauchern zu geteilten Reaktionen, so der „Consumer Sentiment Pulse Check“ von McKinsey.

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist besorgt über die Entwicklung der Wirtschaft und über die unsicheren Aussichten zur Dauer der Krise. Neu auf Platz drei der größten Sorgen: Die Unsicherheit über die Reisepläne. 42 Prozent der Befragten geben an, um ihren geplanten Urlaub besorgt zu sein. Ende März lag der Wert nur bei 30 Prozent. Auch die jüngsten Lockerungsmaßnahmen haben bei den Verbrauchern zu geteilten Reaktionen geführt: Obwohl die Geschäfte zumindest teilweise wieder geöffnet sind, geben 54 Prozent der Befragten an, seit Ende April nur für den täglichen Bedarf eingekauft, aber nicht geshoppt zu haben (zum Beispiel Bekleidung, Kosmetik oder Elektronik).

Mehr als die Hälfte der Konsumenten möchte also die Risiken so weit wie möglich minimieren, so ein zentrales Ergebnis des aktuellen „Consumer Sentiment Pulse Check“, einer repräsentativen Befragung unter mehr als 1.000 Konsumenten in Deutschland zwischen 30. April und 3. Mai. Seit März befragt die Unternehmensberatung McKinsey & Company regelmäßig Konsumenten in über 30 Ländern weltweit, zehn davon in Europa.

Dauerhafte Veränderung des Alltags

Gefragt, welche der folgenden Dinge sie nach dem Ende der Coronakrise ihrer Meinung nach mehr oder weniger tun werden als vor Beginn der Krise,
- geben 56 Prozent der Teilnehmer an, weniger oder gar nicht (27 Prozent) mehr reisen zu wollen.
- 41 Prozent wollen abgesehen von Lebensmitteln weniger einkaufen gehen.
- Fast zwei Drittel planen, weniger auf Konzerte, ins Theater oder ins Kino zu gehen.
- 45 Prozent wollen seltener für Sport- und Wellnessangebote aus dem Haus gehen.

Auch Veränderungen im Mobilitätsverhalten zeichnen sich ab: Die Menschen wollen nach der Krise deutlich seltener den öffentlichen Nahverkehr nutzen und stattdessen vermehrt zu Fuß gehen, Fahrrad fahren oder das eigene Auto benutzen. 51 Prozent derjenigen, die vor der Krise mit dem Bus gefahren sind, wollen dies in Zukunft weniger oder gar nicht mehr tun. 47 Prozent wollen weniger oder gar nicht mehr Zug fahren. Genauso viele wollen die U-Bahn meiden.

37 Prozent der bisher regelmäßigen Taxinutzer wollen dies weniger tun, elf Prozent ganz aufs Taxi verzichten. Auch bei Mietwagen und E-Scootern zeichnet sich ein Einbruch ab: 18 Prozent wollen gar keine Autovermietung mehr nutzen, 29 Prozent weniger als bisher. Und 17 Prozent planen, sich auch von E-Scootern fernzuhalten; 29 Prozent derjenigen, die vor der Krise E-Scooter genutzt haben, wollen dies seltener tun.

„Unsere Daten belegen, was wir seit Tagen auch in den sozialen Medien wahrnehmen: Die deutschen Verbraucher sind zunehmend besorgt und gespalten, was das Richtige ist. Unternehmen sollten jetzt durch Transparenz über ihre Hygienekonzepte Vertrauen aufbauen. Klare Regeln und ein eindeutiger Fahrplan sind wichtig,“ sagt Jesko Perrey, Seniorpartner und Marketingexperte bei McKinsey.

Die komplette Studie sowie vergleichbare Verbraucherumfragen in anderen Ländern stehen hier kostenlos zum Download bereit.

Schlagworte: Einzelhandel, Studie, Kaufverhalten, Coronakrise

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