Handelsinitiativen

Hilfe in der Krise

In der Coronakrise sind Kreativität und Solidarität gefragt, um die Auswirkungen für den Einzelhandel und seine Partner abzudämpfen. Ob Gutscheinshops, Plattformen oder Preisnachlässe – im Schulterschluss stemmt sich die Branche gegen den Stillstand.

Von Ralf Kalscheur 05.05.2020

© dpa

Die Branche nutzt unter anderem Gutscheine, um sich gegen die Krise zu stemmen.

Kooperationen - gemeinsam mit dem Handelsverband Deutschland

 

Kauf nebenan

Die Nachbarschaftsplattform Nebenan.de unterstützt den lokalen Einzelhandel mit einer groß angelegten Hilfsaktion. Auf der Kampagnen-Website kaufnebenan.de erwerben Kunden Gutscheine von ihrem Lieblings­geschäft, die per E-Mail ausgeliefert werden. Auf diese Weise können Ladeninhaber Umsätze generieren, obwohl ihr Geschäft geschlossen ist. Zudem besteht die Möglichkeit, zu spenden. „Nebenan.de kontaktiert die adressierten Kleingewerbe und überweist ihnen zügig die gesammelten Spenden und Gutscheinumsätze, und zwar gebührenfrei in voller Höhe“, sagt Michael Vollmann, Mitgründer der Plattform, die deutschlandweit über 1,5 Millionen Mitglieder in 400 Städten zählt. Der Clou: Eine Registrierung vonseiten der Not leidenden Ladeninhaber ist nicht erforderlich. „Unser Angebot ist besonders niederschwellig gestaltet, denn es soll von der ersten Minute an bundesweit für alle Läden funktionieren“, erklärt Vollmann. „In den Zeiten der Coronakrise hat sich auf nebenan.de eine riesige Welle der Solidarität unter Nachbarn entwickelt. Diese erstreckt sich auch auf die lokalen Einzelhändler, die fester Bestandteil einer lebendigen Nachbarschaft sind.“ Der Handelsverband Deutschland unterstützt die Aktion als ideeller Träger.

kaufnebenan.de

 

Gemeinsam handeln

Während im Lebensmittelhandel und bei Drogerien der Personalbedarf derzeit ungewöhnlich hoch ist, sind viele Beschäftigte im Nicht-Lebensmittelhandel aufgrund der Ladenschließungen auf Kurz­arbeit oder freigestellt. Damit die Handelsunternehmen das Personal rasch und unkompliziert dort einsetzen können, wo es gebraucht wird, haben das EHI Retail Institute und der Handelsverband Deutschland die kostenfreie Jobbörse „Gemeinsam handeln“ entwickelt. Zudem bietet die Vermittlungsplattform die Möglichkeit, Lagerkapazitäten und Transportmöglichkeiten zu suchen.

gemeinsam-handeln.ehi.de

 

Anfassbar gut

Die Nähe zum Kunden ist die Stärke des stationären Einzelhandels. „Anfassbar gut“ heißt darum die Initiative, die der Handelsverband Deutschland zusammen mit dem Versicherungsunternehmen Signal Iduna startet. Sie soll den lokalen Handel unter anderem durch eine originelle Gewinnspielaktion stärken: Verbraucher sind aufgerufen, ihren Lieblingsladen (Nonfood) zu nominieren und zu erläutern, was ihn so besonders macht. Gewinnern winkt ein Einkaufsgutschein in Höhe von 250 Euro. Die Initiative berichtet zudem auf ihrer Homepage und in den sozialen Medien über aktuelle Themen im Handel und stellt Lösungen für alltägliche Probleme, insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung im Handel, vor.

anfassbargut.com

Initiativen - von Händlern für Händler

 

Shop Daheim

Hinter der bundesweiten und branchenübergreifenden Initiative stehen die Buchhändler Thalia, Mayersche und Osiander. Die Gründungspartner schaffen mit der neuen Einzelhandelsplattform ein reichweitenstarkes Netzwerk. Kleine Händler registrieren sich kostenlos und geben ihren Standort ein. Durch eine Suchfunktion findet der Endkunde die teilnehmenden Läden in seiner Gegend und kann nach Branchen filtern. Die Plattform zeigt weitere Informationen an, wie Kontaktmöglichkeiten und Öffnungszeiten, und leitet den Nutzer – sofern vorhanden – auf die Website des Händlers weiter. Tausende Händler sind seit dem Start von „Shop daheim“ am 30. März bereits verzeichnet, um ihre Onlinesichtbarkeit zu verbessern.

shopdaheim.de

 

Kooperation des Mittelstands

Mit Beginn des Shutdowns riefen mittel­­stän­dische Handelsunternehmen eine Gruppe auf der Karriereplattform LinkedIn ins Leben, um sich zu vernetzen und den gegenseitigen Informationsaustausch zu befördern. Mittler­weile zählt die Gruppe fast 2 500 Mitglieder, darunter Händler wie Rose Bikes, BabyOne, MediaMarkt, Saturn, Tom Tailor sowie Handels- und Wirtschaftsverbände. Zusammen mit dem IFH Köln veranstaltete die Initiative einen Ideenwettbewerb, um nachhaltige Handels­modelle für die Zeit nach Corona zu entwickeln. Zudem arbeiten Mitglieder der Initiative an einer Verkaufsplattform, auf der stationäre Händler ihre Filialbestände hochladen und zum Beispiel durch Taxis und regionale Logistikdienstleister versenden können.

haendler-helfen-haendlern.com

 

Einzelheld

Die Plattform hilft lokalen Geschäften, für die Zeit der Corona-Pandemie einen Lieferservice zu organisieren. Auch Händler ohne einen eigenen Onlineshop können ihre Waren zur regionalen Auslieferung anbieten. Die Betreiber, zwei Softwareunternehmen aus Stuttgart, berechnen Händlern und Kunden weder Anmelde- noch Grundgebühr.

einzelheld.de

 

Kauf lokal

Die Münchner Initiative „Kauf lokal“ und die Internetagentur Norisk Group stellen die Vielfalt des bayerischen Einzelhandels in einer digitalen Shoppingmall aus. Jeder angeschlossene Händler präsentiert sein Online-Angebot kostenfrei. Kunden navigieren durch verschiedene Produktwelten und werden schließlich zum Shop des Händlers geführt. Zudem erhöht ein Store-Finder die Sichtbarkeit im Netz. Das in München gestartete Projekt hat sich eine bundesweite Reichweite zum Ziel gesetzt.

kauflokal.com

 

Kauf Regional

Ebenfalls in München und mit bundesweiten Ambitionen ist die Plattform „Kauf Regional“ von Kooperationspartnern wie Salesforce und der Agentur Factory42 an den Start gegangen. Lokale Unternehmen tragen sich kostenfrei ein und sind online auf einer Karte sichtbar und auffindbar. Kunden können Anbieter einer bestimmten Branche in ihrer Nähe suchen und erhalten Kontaktdetails, Kurz­beschreibungen und Hinweise zur Bezahlung und Lieferung beziehungsweise Abholung.

kaufregional.com

 

Kauf da, wo du zu hause bist

Unter diesem Motto können Läden den Service der Plattform KaufDA von Bonial kostenlos nutzen, um während der Coronakrise weiterhin auf Angebote, Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen oder gezielt Aufrufe oder Aktionen zu platzieren – seien es ein neu eingerichteter Lieferdienst, der eigene Onlineshop, Take-out-Angebote, Gutscheine oder einfach nur die Bitte um Unterstützung. Die Inhalte werden auf der reichweitenstarken Plattform, die jeden Monat mehrere Millionen Nutzer über lokale Angebote informiert, auch in der kostenlosen Corona-Variante standortbasiert ausgespielt.

kaufda.de/insights/kaufda-wo-du-zuhause-bist-lokale-geschaefte-unterstuetzen/

Gutscheine - Liquidität für Lieblingsläden

 

Hilfe Lokal

Metro und das Berliner FinTech OptioPay haben die Gutscheinplattform HilfeLokal.de ins Leben gerufen. Kunden unterstützen Geschäfte in ihrer Umgebung, indem sie jetzt Gutscheine kaufen, die sie bei Wiedereröffnung einlösen. HilfeLokal leitet den Umsatz unmittelbar an die Einzelhändler weiter. Falls der Kunde den Gutschein solidarisch spenden will, lässt er ihn einfach verfallen. Die Anmeldung für das Gutscheinsystem ist für Händler kostenlos; OptioPay erhebt eine Kostendeckungspauschale auf den Gutscheinwert in Höhe von 3,8 Prozent.

hilfelokal.de

 

Helfen.Berlin

Die ehrenamtlich aufgesetzte lokale Gutscheinplattform, am 20. März eröffnet, sammelte innerhalb von knapp vier Wochen eine Million Euro ein. Rund 2 400 Geschäfte, Restaurants und Bars sind registriert und profitieren von der Liquiditätshilfe.

helfen-shop.berlin

 

Stammi

Der international aufgestellte Gutscheinshop ist für Einzelhändler kostenlos nutzbar. Die durch den Gutscheinverkauf generierten Umsätze erhalten die teilnehmenden Läden in wöchentlicher Auszahlung.

stammi.de

 

Locals for locals

Der ehrenamtlich und provisionsfrei betriebene Gutscheinshop zur Unterstützung lokaler Geschäfte ist für Händler kostenfrei nutzbar. Schwerpunkt des Angebots ist Düsseldorf.

locals-for-locals.de

 

Support your local

Die deutschlandweite Spontanhilfe verzichtet in den ersten zwei Monaten nach Registrierung auf alle Gebühren. Über 5 500 Läden und Gastronomiebetriebe sind registriert.

supportyourlocal.online

Schlagworte: Gutscheine, Plattformen, Coronakrise

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