Coronakrise

Deutsche Verbraucher haben keinen Spaß am neuen Einkaufen

Konsumenten fehlt in diesen Tagen die Lust zum Shoppen. Das zeigt der Corona-Handelstracker von EY-Parthenon und Innofact. Insgesamt 63 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen das Einkaufen unter den aktuellen Bedingungen keinen Spaß macht, 13 Prozent mehr als in der letzen Woche.

11.05.2020

© dpa picture alliance

58 Prozent der Verbraucher haben bisher noch nicht die Gelegenheit ergriffen, in Geschäften einzukaufen, die im Zuge des Lockdowns geschlossen waren.

Verbraucher halten sich weiterhin zurück: Auch in der zweiten Woche nach dem Ende des Shutdowns kommt bei den Verbrauchern keine Shopping-Stimmung auf. Nur 16 Prozent der Konsumenten haben mehr als einmal in der letzten Woche die Möglichkeit zum Einkaufen in den bis dato geschlossenen Geschäften genutzt. 58 Prozent geben an, die Gelegenheit noch gar nicht ergriffen zu haben.

Insgesamt 63 Prozent der Verbraucher sagen, dass ihnen Einkaufen unter den aktuellen Bedingungen keinen Spaß macht. Im Vergleich zur Vorwoche ist das eine Steigerung von 13 Prozent. Rund ein Drittel der Befragten findet den Einkauf noch zu riskant.

Fast ausschließlich gezielte Einkäufe

Die Mehrheit der Verbraucher, die die Öffnung der Geschäfte genutzt haben, hat sich beim Einkaufen unwohl gefühlt und bemängelt das Verhalten der anderen Kunden. Die Kunden haben fast ausschließlich gezielte Einkäufe getätigt.

Unverändert geben 60 Prozent der repräsentativ befragten Verbraucher an, dass entweder sie selbst oder mindestens eine Person aus ihrem Haushalt zur Corona-Risikogruppe zählt. Diese Risikowahrnehmung wirkt sich entsprechend auch auf das Einkaufsverhalten der Verbraucher aus.

Etwas mehr als jeder dritte Verbraucher muss feststellen, bereits persönlich finanziell von Corona negativ betroffen zu sein. Dieser Anteil zeigt sich aber über die letzten sechs Wochen stabil und ist nur minimal weiter gestiegen. Aus den finanziellen Einschränkungen erwachsen entsprechende Risiken für den privaten Konsum – auch in Zeiten nach Beendigung eines Shutdowns.

Produkte, die nicht unmittelbar benötigt werden, werden auch nach der langsamen Öffnung vieler Geschäfte generell deutlich weniger gekauft. Allerdings deutet sich nach Öffnung der Geschäfte bei Bekleidung und Baumarktprodukten ein langsamer Umschwung beim weiterhin deutlich negativen Einkaufssaldo an.

Online-Anteil steigt wieder leicht

Nach einem leichten Rückgang der Online-Käufe in der letzten Woche, ist der Anteil der Online-Käufer in manchen Warengruppen aktuell sogar wieder etwas gestiegen. Gestiegen ist auch der Anteil der Verbraucher, die davon ausgehen, dass Sie langfristig mehr online kaufen werden und/oder ihr Konsumverhalten langfristig verändern werden. Dies könnte eine Reaktion auf die veränderten Einkaufsbedingungen im stationären Handel sein.

Nach wie vor kaufen die Menschen in Corona-Zeiten mehr Lebensmittel, allerdings mit einem Mehrbedarf von rund zehn Prozent nicht mehr so viel wie zu Anfang der Krise (mit plus 20 Prozent). Eine vollkommene Normalisierung hat sich aber noch nicht eingestellt, der Grundbedarf vieler Haushalte ist gestiegen.

Im Lebensmittelhandel kaufen die Verbraucher derzeit vermehrt preisreduzierte Angebote und Eigenmarken. Bei preislich höher angesiedelten Produkten, wie Premiumprodukten oder Markenartikeln, zeigt sich inzwischen ein geringeres Einkaufsvolumen ab – auch weil viele Verbraucher bei den Ausgaben vorsichtiger werden.

Innofact und EY-Parthenon befragen jede Woche eine repräsentative Stichprobe von rund 1.000 Verbrauchern. Damit liegen wöchentlich aktuelle Daten zum Kaufverhalten in Corona-Krisenzeiten für momentan 11 abgebildete Branchensegmente vor.

Schlagworte: stationärer Handel, Verbraucherstimmung, Coronakrise

Kommentare

Ihr Kommentar