Coronakrise

Verbände: Modehändlern droht das Aus

Das Coronavirus hat die Fashionbranche hart getroffen: Alle Textil- und Schuhgeschäfte sind geschlossen. Tausende Boutiquen, Schuhgeschäfte und Modehäuser und damit ihre Lieferanten stünden vor dem Aus, warnen der Handelsverband Textil und der Modeverband Deutschland.

26.03.2020

Die Modebranche leide aufgrund ihrer saisonalen Produkte extrem stark unter den Auswirkungen der Coronakrise, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. „Hosen oder Schuhe aus der Frühjahrskollektion kann der Modehandel im Sommer kaum noch verkaufen“, schildert Steffen Jost, Präsident des Handelsverbands Textil (BTE).

Ein großes Problem der Fashionbranche sei zudem die lange, internationale Lieferkette: Selbst während der erzwungenen Ladenschließung wird neue Ware angeliefert, die bereits vor Monaten bei den Lieferanten bestellt wurde und trotz fehlender Einnahmen angenommen und bezahlt werden muss. Eine Aussetzung der Belieferung ist schwierig, da die Industrie bei ihren Vorlieferanten in der gleichen Situation ist.

Partnerschaftliche Lösungen würden zwar diskutiert, sie verschieben das Problem aber lediglich. „Die Produzenten stehen vor großen Herausforderungen, weil bereits die Beschaffung für die Herbstmode läuft und kostenintensive Verpflichtungen bestehen“, erklärt Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des deutschen Modeverbandes GermanFashion.

Die Verbandspräsidenten warnen: Aufgrund dieser speziellen Situation stehe die ganze Branche mit Hunderttausenden von Arbeitsplätzen in Handel und Industrie vor dem Aus. Bereits die beschlossenen Öffnungsverbote bis Ende April führten zu zahlreichen Insolvenzen. „Wenn nicht spätestens im Mai die Geschäfte wieder öffnen, droht eine noch nie dagewesene Insolvenzwelle speziell von mittelständischen Händlern und Lieferanten“, erklären Jost und Seidensticker.

Dramatisch seien die Folgen für die Innenstädte und Shoppinglagen: Wenn neben der Gastronomie Boutiquen, Schuhgeschäfte und Modehäuser für immer ihre Türen schließen, werden die Lebensqualität und das Gewerbesteueraufkommen in den Städten und Gemeinden massiv sinken. „Der Internethandel kann diese Lücke nicht einmal in Ansätzen schließen“, mahnt Jost.

Die Verbände fordern daher rasche Hilfen von der Politik. Ein finanzieller Schutzschirm wäre die beste Lösung, heißt es. Nach Ende der erzwungenen Ladenschließung könnten unbürokratische Möglichkeiten für Sonntagsöffnungen eine echte Hilfe sein. „Der stationäre Handel braucht jede sich bietende Gelegenheit zum Verkauf seiner Produkte, damit er auch künftig noch am Standort bestehen und Arbeitsplätze in Handel und Industrie sichern kann“, fordert der BTE-Präsident. Die Verbände wollen mit einem konkreten Maßnahmenkatalog auf die Politik zugehen.

Schlagworte: Modehandel, Modebranche

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