Gastbeitrag

Coronakrise: Wie Händler finanzielle Engpässe überbrücken können

Die Folgen des Coronavirus für den globalen Güterverkehr werden enorm sein. Händlern, die ihre Ware nach der Just-in-Time-Strategie einkaufen, drohen Engpässe. Wie sie trotz Krise Bestände aufstocken können, erklärt Dirk Oliver Haller von der Deutschen Finetrading AG im Gastbeitrag.

Von Dirk Oliver Haller, Geschäftsführer der DFT AG 13.03.2020

© Getty Images

Ohne ausreichende Lagerbestände drohen in der Krise Engpässe.

Covid-19 hält die Welt in Atem. In praktisch jedem Land der Erde sind mittlerweile Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der Pandemie angelaufen. Für die vernetzte Globalwirtschaft bedeuten die damit verbundenen Einschränkungen erhebliche Einbußen. Weltweit brechen die Börsenkurse ein. Auch den DAX hat die Krise längst auf Talfahrt geschickt. Am vergangenen Montag erlebte er den größten prozentualen Tagesverlust seit 2001.

Kein Wunder, ist die deutsche Wirtschaft doch besonders eng mit den globalen Märkten verzahnt. Rund die Hälfte aller deutschen Unternehmen, so eine kürzliche Umfrage der DIHK, erwartet für 2020 bereits einen Umsatzrückgang. Dabei steht die Krise noch ganz am Anfang, dürfte das ganze Ausmaß der Folgen für den globalen Güterverkehr erst in den kommenden Wochen und Monaten voll zum Tragen kommen.

In den vergangenen Jahren bestimmte in der vernetzten Globalwirtschaft für die meisten – auch deutschen – Unternehmen vor allem ein Ziel die Geschäftsstrategie: die Maximierung der Kosteneffizienz. Globalisierung, Digitalisierung und Vernetzung erlaubten eine immer effektivere, punktgenauere Planung des Ankaufs und des Verkaufs von Gütern. Die Just-in-time-Strategie trat ihren weltweiten Siegeszug an. Die eigene Lagerhaltung wurde zurückgefahren, der vernetzte Weltmarkt zur erweiterten Lagerhalle umfunktioniert.

Just-in-Time-Stategie mit Schwächen

Nun – in der Krise – machen sich erstmals die Schwachstellen dieser Strategie bemerkbar. Quarantänemaßnahmen drosseln die Produktion der Lieferbetriebe, Grenzschließungen und verstärkte Kontrollen verzögern den Warentransport. Und auf den Weltmärkten kommt es zu plötzlichen signifikanten Änderungen bei Angebot und Nachfrage. Eine punktgenaue Planung ohne ausreichend Spielraum für Unvorhergesehenes stößt hier rasch an ihre Grenzen.

Die vielerorts von staatlicher Seite verkündeten Wirtschaftshilfen dürften vielen Händlern hier eine gewisse Erleichterung verschaffen – zumindest vorübergehend. Um mit der neuen Lage effektiv umgehen zu können, sie tatsächlich in den Griff zu bekommen, werden die meisten jedoch – zumindest vorübergehend – aktiv umsteuern müssen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich mit dem Corona-Virus grundlegend geändert.

Unternehmen, die weiterhin rein auf Kosteneffizienz setzen, werden scheitern. Eine Änderung der Geschäftsstrategie ist erforderlich. Liefersicherheit muss in der Planung stärker betont, Lagerbestände ausgebaut, die Just-in-time-Strategie – zumindest kurz- und mittelfristig – ausgesetzt werden. Eine echte Herausforderung – auch und gerade in finanzieller Hinsicht.

Zusätzliche Mittel werden benötigt

Denn für viele Handelsunternehmen bedeutet dies, dass sie die Finanzierung ihres Geschäftsmodells überarbeiten müssen. Zusätzliche liquide Mittel müssen bereitgestellt werden. Großunternehmen werden diese Umstellung aller Voraussicht nach ohne größere Komplikationen überstehen. Kleine und mittlere Unternehmen jedoch – der deutsche Mittelstand – werden es deutlich schwerer haben, die zusätzlichen Ressourcen aus eigener Kraft bereit zu stellen.

Am regulären Kapitalmarkt einen Kredit aufzunehmen dürfte nur für die wenigsten von ihnen in Betracht kommen. Auch jenseits von Basel II und III wird er für das Gros kaum die passenden Konditionen bereithalten. Denn für 2020 ist mit der Zunahme der Quarantänemaßnahmen auch mit einem Anstieg deutscher Insolvenzen zu rechnen. Bankhäuser reagieren bereits. An den Kreditmärkten steigen die Risikoaufschläge.

Zwar überlegt die EZB, den Einlagezins weiter zu senken, ihre Anleihekäufe zu erhöhen und Banken direkte Kapitalspritzen zu gewähren, den Kredit-Bedarf deutscher KMUs werden Bankinstitute jedoch dennoch kaum befriedigen können. Bereits in der Vergangenheit erwiesen sich die regulären Kreditprogramme als nicht flexibel genug.

Finetrading als Alternative

Eine realistische Alternative dürfte sich dem deutschen Mittelstand deshalb an anderer Stelle bieten: im Finetrading. Die dort gewonnenen flexiblen Zwischenkredite sollten es auch kleinen und mittleren Unternehmen mit engerer Kapitaldecke ermöglichen, die kurzfristig erforderliche Umstrukturierung ihrer Geschäftsmodelle erfolgreich abzufedern.

Und auch mittelfristig dürfte sich diese Lösung für viele kleine und mittlere Unternehmen als sinnvoll erweisen. Denn von einer schnellen Besserung der Gesundheitslage ist derzeit kaum auszugehen. Experten rechnen mit ersten Impfstoffen nicht vor 2021. Der deutsche Mittelstand wird deshalb gut daran tun, früh und entschlossen zu reagieren und sich rasch an die neue Lage der vernetzten Weltwirtschaft im Krisenmodus anzupassen.

Dirk Oliver Haller ist Gründer und Geschäftsführer der DFT Deutsche Finetrading AG. Haller blickt auf 25 Jahre Berufserfahrung im Handel zurück und gründete 2010 die DFT. Gemeinsam mit seinem Team agiert er vom Unternehmenssitz in Ladbergen in Nordrhein-Westfalen national und international. Von der Warenfinanzierung über die Import- und Exportfinanzierung bis hin zur Lagerfinanzierung bietet das Unternehmen seinen Kunden Finanzierungslösungen an.

Schlagworte: Finanzierung, Warenlogistik

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