Coronakrise

Pandemie verändert Ernährungsgewohnheiten

Die Verbraucher in Deutschland kochen in der Coronakrise wieder mehr zu Hause, die Wertschätzung für frische Lebensmittel wächst. Das geht aus dem neuen Ernährungsreport 2020 hervor, den Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorstellte.

02.06.2020

© Henry Schmitt/Stock Adobe

Auf den Tellern deutscher Verbraucher herrscht Vielfalt. Insbesondere Obst und Gemüse aus der Region lassen sie sich gern schmecken.

Die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa beleuchtet die Ess- und Einkaufsgewohnheiten der Deutschen. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation hat der Auftraggeber, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die Umfrage um eine Zusatzbefragung "Ernährung in der Coronakrise" ergänzt.

"Corona verändert auch den Ernährungsalltag der Deutschen", betont Bundesernährungsministern Julia Klöckner. "Lebensmittel aus der Region haben an Bedeutung gewonnen. Es ist ein neues Bewusstsein für Lebensmittel entstanden – und für die Arbeit derjenigen, die sie produzieren. Diese neue Wertschätzung gilt es, aufrecht zu erhalten."

Für 39 Prozent der Befragten hat durch Corona die Bedeutung der Landwirtschaft nochmals zugenommen. Besonders hoch fällt dieser Zuwachs bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus: Fast die Hälfte misst der Landwirtschaft eine höhere Bedeutung zu (47 Prozent). 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in der Coronakrise mehr kochen, als zuvor. 28 Prozent der Befragten nehmen Mahlzeiten häufiger als zuvor gemeinsam ein.

Vielfalt auf den Tellern

"Nur sechs Prozent nutzen die klassischen Lieferangebote und nur acht Prozent die etablierten Lieferdienste häufiger für fertige Mahlzeiten. Allerdings nehmen 21 Prozent der Befragten für den Einkauf von Lebensmitteln oder fertigen Mahlzeiten häufiger als zuvor Lieferangebote der örtlichen Gastronomen in Anspruch", so Klöckner. "Ob die neue Kochbegeisterung von Dauer sein wird oder lediglich den Einschränkungen in der Corona-Pandemie geschuldet ist, werden wir erst später beurteilen können."

98 Prozent der Befragten ist wichtig, dass es schmeckt. Dabei herrscht Vielfalt auf den Tellern: Gemüse und Obst sind bei 70 Prozent der Befragten täglicher Spitzenreiter. Milchprodukte werden von 64 Prozent täglich konsumiert. Bei Fleisch und Wurstwaren liegt der tägliche Konsum bei 26 Prozent. Das ist rückläufig. Neu ist: Über die Hälfte der Befragten, 55 Prozent, bezeichnen sich als Flexitarier, also Fleischesser, die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichten. Die Zahl der Vegetarier (5 Prozent) und Veganer (1 Prozent) in Deutschland ist gleich geblieben.

Für 90 Prozent der Befragten muss Essen gesund sein. Dabei wird auch auf den Zusatz von Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten vermehrt geachtet: 86 Prozent befürworten es, dass Fertigprodukten weniger Zucker zugesetzt wird, auch wenn die Produkte dann nicht mehr so süß schmecken. 81 Prozent der Befragten begrüßen ein staatliches, unabhängiges Tierwohlkennzeichen. Für mehr Tierwohl wären Verbraucher bereit, mehr zu zahlen. 45 Prozent gaben an, bereit zu sein, sogar bis zu 15 Euro pro Kilo* zu zahlen. Bundesministerin Klöckner: "Die verbale Bereitschaft ist erfreulich, mehr für tierwohlgerechtere Produkte zu zahlen. Leider sieht es an der Ladentheke oftmals noch anders aus."

Die Konsumenten sind bei der Wertschätzung von Lebensmitteln und Ressourcenverschwendung sensibler geworden: 91 Prozent der Befragten verlassen sich auf ihre Sinne und prüfen ein Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums und werfen es nicht direkt weg. 2016 taten dies nur 76 Prozent.

Den gesamten Ernährungsreport 2020 finden Sie hier

Schlagworte: Einzelhandel, Lebensmitteleinzelhandel, Lebensmittellieferdienst, Studie, Coronakrise, Coronavirus

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