Kaufverhalten

Krisengewinner E-Commerce

Der Corona-Ausbruch verstärkt die Verlagerung vom stationären Einzelhandel in den Onlinehandel schneller als bisher prognostiziert, so eine neue Studie. Die Veränderung des Kaufverhaltens wird durch Corona innerhalb weniger Monate stattfinden statt wie erwartet in drei bis vier Jahren.

14.04.2020

© Getty Images/the burtons

20 Prozent der Verbraucher gaben an, dass sie weniger in stationären Geschäften einkaufen, neun Prozent, dass sie mehr online einkaufen und 32 Prozent, dass sie erwarten, ihren Anteil am Onlineshopping noch weiter zu steigern.

Der Anteil der Verbraucher, die 50 Prozent oder mehr ihrer gesamten Einkäufe online tätigen, ist in den drei größten europäischen E-Commerce-Märkten deutlich gestiegen. Darüber hinaus steigerte sich der Anteil der Verbraucher, die mehr als die Hälfte ihrer gesamten Einkäufe im Internet tätigen, seit dem Ausbruch von Covid-19 um 25 bis 80 Prozent. Sechs von zehn Verbrauchern sagen, dass sie auch nach der Pandemie ihr gestiegenes Online-Kaufverhalten beibehalten werden, so einige Ergebnisse der Studie, die von der schwedischen E-Commerce-Prüfungsgesellschaft Detail Online bei dem Marktforschungsinstitut Kantar in Auftrag gegeben wurde. Insgesamt wurden im Laufe der letzten Märzwoche 2020 rund 3.200 Personen in Großbritannien, Deutschland und Frankreich befragt.

Somit werde der Corona-Ausbruch die Verlagerung vom stationären Einzelhandel in den Onlinehandel schneller als bisher prognostiziert verstärken. 20 Prozent der Verbraucher gaben an, dass sie weniger in stationären Geschäften einkaufen, neun Prozent, dass sie mehr online einkaufen und 32 Prozent, dass sie erwarten, ihren Anteil am Online-Shopping noch weiter zu steigern. 

Die Corona-Pandemie hat die traditionellen europäischen Einzelhändler hart getroffen. Social Distancing, Ausgangssperren und andere Maßnahmen zur Kontrolle der Ausbreitung haben das Einkaufen in Geschäften oder Supermärkten erschwert oder sogar ganz zum Erliegen gebracht. Infolge dessen hat die Mehrheit der Verbraucher ihr Kaufverhalten angepasst und ihre Ausgaben auf Grundbedarfsgüter wie Lebensmittel und rezeptfreie Medikamente beschränkt. Der Studie zufolge werden sich die Ausgaben für Kleidung, Haushalt, Möbel sowie Unterhaltungselektronik im Laufe des Jahres jedoch wieder stabilisieren.

Erholung nach der Epidemie

"Während des Lockdowns konzentriert man sich auf das Wesentliche. Aber diese Studie zeigt, dass nach Ende der Epidemie alle wichtigen E-Commerce-Kategorien wieder auf ihr vorheriges Niveau zurückkehren und dieses teilweise sogar übertreffen wird. Wenn dieser Fall eintritt, ist es unabdingbar, dass Marken über Online-Sichtbarkeit verfügen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Alle Marken sollten sich jetzt die Frage stellen: Sind meine Produkte sichtbar, wenn Verbraucher sie bei Onlinehändlern suchen?“, sagt Detail-Online-Gründer Joakim Gavelin.

In der Studie geben etwa 80 Prozent der Verbraucher an, dass sie noch in diesem Jahr nicht lebensnotwendige Güter wieder online kaufen werden. In den beiden größten Kategorien, Kleidung und Haushaltselektronik, liegt dieser Wert bei 50 bis 60 Prozent. „2020 ist nicht verloren. Im Moment gibt es ein riesiges Potenzial für Marken, um den Onlineverkauf in diesem Jahr zu steigern", sagt Joakim Gavelin.

Um auf der Gewinnerseite zu sein, müssten Onlinehändler ihre Produkte genauso gut kontrollieren können wie ein stationärer Einzelhändler. "Ein Beispiel dafür ist, dass vor dem Ausbruch von Covid-19 bis zu 40 Prozent der Artikel fälschlicherweise als nicht vorrätig bei einem Onlinehändler aufgelistet sein konnten. Ich mag mir nicht einmal vorstellen, wie diese Zahlen momentan aussehen könnten, angesichts des derzeitigen Drucks bei Onlinehändlern", so Gavelin.
 

Schlagworte: Einzelhandel, Digitalisierung, Onlinehandel, Studie, Kaufverhalten

Kommentare

  • Klaus Bronner

    Weltweit bezahlt Amazon keine Steuern. Wir bezahlen in Deutschland die 2. höchsten Steuern der Welt. Derzeit müssen wir über Amazon verkaufen, weil unsere Webseite kaum besucht wird. Amazon zieht 15-20% ab. Bei wenigen Tagen Lieferverzug über Weihnachten haben die die Zahlung verzögert. Wir haben bis heute noch nicht alles Geld erhalten.
    Also Ausnutzung einer Monopolmacht. Ich habe keine Ahnung wie der Handel Bundesweit organisiert ist. Ich sehe nur die Möglichkeit, ein starker deutscher Verband muss eine gemeinsame Plattform erstellen, um dagegen zu halten. Eine Genossenschaft wäre ein geeignetes Instrument. Siehe EDEKA. Wer kennt die entsprechenden Personen in Verbänden und in der Politik? Gemeinsam sind wir stark.
    Antworten
    15.04.2020, 22:41 Uhr
  • Katharina Brand

    Wie kommt man an die Studie?

    Antworten
    05.05.2020, 11:02 Uhr
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