GfK-Analyse

Einkaufen in der Coronakrise: Routine verdrängt die Panik

Die Zeit der Hamsterkäufe ist erst einmal vorbei. Marktforscher beobachten eine wachsende Routine der Verbraucher im Umgang mit der Krise. Doch ein Wiederaufflammen der Panikkäufe ist nicht auszuschließen.

09.04.2020

© imago images/Sven Simon

Lebensmittel-Lieferdienste sind derzeit besonders gefragt.

Die Corona-Krise hat das Einkaufen in Deutschland verändert. Hamsterkäufe fegten die Regale leer. Desinfektionsmittel, Nudeln und Toilettenpapier waren plötzlich Mangelware in Supermärkten und bei Discountern. Doch inzwischen entwickeln immer mehr Verbraucher Routine im Umgang mit der Krise und die Regale füllen sich wieder. "Die Panik ist vorbei", beschreibt der Handelsexperte Robert Kecskes von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die aktuelle Situation. "Es gibt eine Gewöhnung an den Krisenmodus." Ein vorübergehendes Wiederaufflammen der Panikkäufe schließt er dennoch nicht aus. Drei wichtige Phasen im Überblick:

1. Die Panik-Phase: Einkaufen gegen die Angst

Angefangen hatten die Hamsterkäufe nach Beobachtung der GfK in der letzten Februarwoche. "Die erste Phase war die Panik-Phase. Die Haushalte hatten unspezifische Ängste, wussten nicht, was kommt, wollten vorsorgen." Die Nachfrage nach Hand-Desinfektionsmitteln stieg schlagartig um mehr als 500 Prozent. Bei Mehl, Reis, Nudeln, Seife und Toilettenpapier verdoppelten sich die Verkaufszahlen.

2. Die Krise wird zur Routine: Küchentisch statt Italiener

Inzwischen sei der Umgang mit der Krise ein Stück weit Routine geworden und die Verbraucher hätten sich an die neue Situation angepasst. Die Nachfrage beginnt sich wieder einzupendeln, allerdings auf einem höheren Niveau als vor der Krise.

Die Steigerung erklärt sich nach Einschätzung Kecskes zum Großteil durch die Verlagerung des früher auf Restaurants, Kneipen und Kantinen entfallenden Konsums in die eigenen vier Wände. "Wir essen mehr zuhause, weil wir nicht mehr zum Italiener gehen können." Das zeige sich bei Nudeln und Reis, aber auch bei Limonade, Bier oder Kaffee. Auch Süßigkeiten und andere Genussmittel könnten in den nächsten Wochen von der Krise profitieren.

Allerdings ist die mühsam gewonnene Routine im Umgang mit der Krise noch leicht zu erschüttern. "Die Panik kann immer mal wieder aufflammen", warnt Kecskes. Etwa wenn neue Entwicklungen für zusätzliche Verunsicherungen sorgen. "Wenn künftig ein Mundschutz getragen werden müsste beim Einkaufen im Laden - dann könnten einige Haushalte noch einmal ängstlich reagieren."

3. Nach der Krise: Gewinner und Verlierer

Nicht spekulieren mag Kecskes darüber, wie lang es dauern wird, bis die Krise wirklich ausgestanden ist. Doch danach werde vieles anders sein. Beispiel Verbraucher: Viele Konsumenten werden künftig angesichts steigender Arbeitslosenzahlen wieder stärker aufs Geld schauen müssen.

Davon könnten die Discounter profitieren, die vor der Krise noch Marktanteile an die Supermarktketten verloren. Aber auch Edeka, Rewe und Co. könnten das durch ihr Krisenmanagement gewonnene Vertrauen nutzen, um ihre Eigenmarken aufzuwerten und so von der gestiegenen Preissensibilität der Kunden zu profitieren.

Den Anbietern einiger Hamsterprodukte wie Nudeln oder Reis könnte die Coronakrise dagegen nachträglich noch Probleme bereiten. Zwar bescherten ihnen die Panikkäufe anfangs hohe Umsätze. Doch weil die Regale oft leer gefegt waren, wichen die Kunden am Ende häufig auch auf Produkte anderer Marken aus. "Da wurde die Markenloyalität aufgebrochen", meint Kecskes. Und es sei durchaus nicht sicher, dass alle Verbraucher am Ende zu ihrer alten Marke zurückkehren.

"Auch der E-Commerce wird nach Corona einen Riesensprung gemacht haben", sagt Kecskes. Entfiel vor der Corona-Krise gerade einmal ein Prozent des Lebensmittel-Umsatzes auf das Internet, so könnte sich der Anteil nach der Krise verdreifacht haben. Vor allem aber werde der Vertriebsweg Internet künftig viel stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert sein.

Schlagworte: Supermärkte, Einkaufsverhalten

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