Coronakrise

Ansturm auf Läden bleibt zunächst aus

Wegen Corona geschlossen: Über Wochen konnten Verbraucher nur das Nötigste einkaufen. Nun öffnen in vielen Bundesländern wieder mehr Geschäfte. Doch die Erwartungen im Handel bleiben verhalten.

20.04.2020

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Wiedereröffnete Geschäfte blieben am Montagvormittag von großem Andrang verschont.

Klopapier, Brot und Pasta: Die Suche danach hat das Einkaufsverhalten vieler Bundesbürger in den vergangenen Wochen geprägt. Ihr Einkaufszettel dürfte sich mit der Wiedereröffnung kleinerer Geschäfte erweitert haben - in vielen Bundesländern gilt seit Montag die Lockerung der Corona-Maßnahmen im Einzelhandel. Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern und Kfz-Händler dürfen damit vielerorts wieder die Tore öffnen. Doch der Handelsverband HDE geht nicht davon aus, dass es nun zu einem großen Ansturm auf die Läden kommt.

"Die Händler, die heute wieder aufmachen können, freuen sich natürlich sehr, dass sie wieder für ihre Kunden da sein können", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Nach mehreren Wochen der Schließung zähle jetzt jeder Euro Umsatz. Aber: "Wir erwarten heute und in den kommenden Tagen keinen Run auf die geöffneten Geschäfte. Die Konsumstimmung ist wegen der Corona-Krise schlecht." Die Verbraucher hielten ihr Geld eher zusammen: "Viele sind auf Kurzarbeit und fürchten um ihre Jobs."

Ein Blick in die Innenstädte scheint diese Einschätzung zu bestätigen - zumindest in Nordrhein-Westfalen, dessen Landesregierung bei den Lockerungen für den Handel besonders weit gegangen ist. Die Düsseldorfer Königsallee blieb trotz vieler wiedereröffneter Geschäfte am Montagvormittag von großem Andrang verschont. Auch in Köln standen maskierte Verkäufer in vielen kleinen Geschäften erst einmal recht einsam da und hatten Zeit, ihre Auslagen neu zu sortieren. In Köln und Dortmund füllten sich die Geschäfte schließlich gegen Mittag stärker.

Weiterhin Kritik an Exit-Strategie

Etliche Geschäfte ließen sich am Montag aber noch Zeit und machten noch keinen Gebrauch von der neuen Erlaubnis, wieder zu öffnen. Auch der Möbelriese Ikea ließ seine Filialen geschlossen, obwohl sie hätten öffnen dürfen.

Die Situation in den Bundesländern gestaltete sich dabei äußerst unterschiedlich. Während in NRW neben den kleineren Geschäften auch Babyfachgeschäfte und Möbelhäuser öffnen durften, war es in Bayern lediglich den Bau- und Gartenmärkten erlaubt, jenseits des Lebensmittelhandels die Tore aufzumachen. In Berlin wiederum will der Senat erst am Dienstag über das weitere Vorgehen entscheiden.

Mehrere Verbände erneuerten zu Beginn der Woche ihre Kritik am uneinheitlichen Vorgehen der Bundesländer sowie an den aus ihrer Sicht ungeeigneten Vorgaben. "Das Kriterium für eine Wiedereröffnung sollten keine Quadratmeterzahlen sein, sondern die Konzepte für Hygiene und Abstand", so Genth.

Viele offene Fragen

"Nicht zuletzt die fachlich nicht belegte Zahl von 800 Quadratmetern für den Handel aber auch die unterschiedliche Handhabe von Sortimenten haben klar Fragen aufgeworfen", sagt auch Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA).

Uneinheitlich geregelt ist in den Ländern zudem, ob größere Geschäfte einen Teil der Verkaufsfläche absperren dürfen, so dass sie ebenfalls unter 800 Quadratmetern bleiben. Erlaubt ist das laut einer Übersicht des HDE etwa in Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen. In Bayern sei es verboten, in anderen Bundesländern die Lage unklar, heißt es.

Umstritten ist ebenfalls die Frage, ob die 800-Quadratmeter-Regel auch auf Shopping-Center allgemein anzuwenden ist und diese geschlossen bleiben müssen. Oder ob dort kleinere Geschäfte ebenfalls öffnen dürfen. Auch hier waren unter anderem Supermärkte und Apotheken von den Schließungen ausgenommen. In Sachsen etwa müssen einzelne Läden, die nun öffnen wollen, einen Außenzugang für die Kunden vorweisen - und ansonsten schließen. In Berlin ist darüber noch nicht entschieden.

 

Schlagworte: Einzelhandel, Kundenverhalten

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