Wem die Stunde schlägt

Auch wenn der World Retail Congress 2017 in Dubai schon wieder Geschichte ist, haben die meisten der dort gewonnenen Einsichten mit der Zukunft des Einzelhandels zu tun.

Von Ian McGarrigle 11.04.2017

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Das ist nicht zuletzt den zahlreichen Studien zu verdanken, die im Vorfeld des Retailgipfeltreffens Anfang April durchgeführt wurden und wichtige Erkenntnisse zur Lage der Branche lieferten. In diesen Untersuchungen, darunter auch Befragungen von global agierenden Branchenführern,  ging es vorrangig um die aktuellen Herausforderungen im Einzelhandel. Keine Frage: Der Handel steht vor historisch beispiellosen Veränderungen. Doch was steckt hinter dieser sattsam bekannten Tatsache?

Mehr als 100 Führungskräfte der weltweit größten Handelsunternehmen, die im Rahmen einer CEO-Befragung Rede und Antwort standen, waren sich einig: Der unumkehrbare Wandel hin zum Omnichannel-Handel ist für alle Beteiligten mit hohem Transformationsdruck und strukturellen Veränderungen mit ungewissem Ausgang verbunden. Dabei handelt es sich gewissermaßen um einen globalen Befund, denn er trifft Händler in jedem Winkel der Welt und an jedem Standort.

Angesichts der jüngsten politischen und wirtschaftlichen Ereignisse hat sich das Gefühl der Unsicherheit bei den Befragten sogar verstärkt. So stehen in Europa nicht nur mehrere Länder vor richtungsentscheidenden Wahlen, auch die Brexit-Verhandlungen beginnen in absehbarer Zeit. Die USA werden indes von einem Präsidenten regiert, der die Wahlen mit dem Versprechen gewann, die bestehende Ordnung über den Haufen zu werfen. Zugleich erzeugt die anhaltende Ölpreisschwäche in vielen Volkswirtschaften einen Domino-Effekt, der sich negativ auf das Verbraucherverhalten auswirkt.

Doch auch innerhalb der Branche hat die Umfrage einen besorgniserregenden Trend aufgedeckt. So geben die in der CEO-Erhebung von JDA und PricewaterhouseCoopers befragten Händler zwar an, genau zu wissen, was für den Geschäftserfolg zu tun sei, und haben zu 60 Prozent auch die Absicht, ihre Investitionen in die entsprechende Technologie zu erhöhen. Dennoch räumt mehr als die Hälfte (52 Prozent) gleichzeitig ein, mit der Umsetzung dieser nötigen Maßnahmen noch nicht begonnen zu haben. Auch der „WRC Global Retail Sentiment Index“, dem eine Onlinebefragung von Retailführungskräften zugrunde liegt, bestätigt dieses beunruhigende Missverhältnis.

Angesichts des immer rasanteren Wandels sind die Zahlen alles andere als eine Nebensächlichkeit. Anstatt ihre Unternehmen für die Zukunft zu rüsten, gibt es tatsächlich noch viele Händler, die abwartend an der Seitenlinie stehen und zugucken. Zugegeben, die anstehenden Entscheidungen sind radikal und die dafür nötigen Investitionen enorm. Doch ganz gleich, ob kleiner Händler oder global tätiger Handelskonzern – wer den Anschluss an diesen Wandel verpasst, wird am Ende einen weitaus höheren Preis bezahlen müssen.


Download des JDA and PWC Reports CEO Viewpoint 2017: The Transformation of Retail

Download des WRC Global Retail Sentiment Index 2017


Ian McGarrigle ist ein international erfahrener Einzelhandelsexperte aus Großbritannien und ist der Branche seit mehr als 30 Jahren verbunden. Der Gründer und Direktor des World Retail Congress hat den Einzelhandel unter anderem als Journalist, Autor und Verleger begleitet und war maßgeblich an der Entwicklung der führenden britischen Branchenpublikation Retail Week beteiligt. Die von ihm initiierten Formate, darunter die Retail Week Conference und der Retail Week Award, zählen mittlerweile zu den wichtigsten Veranstaltungen der Branche.

Schlagworte: Ian McGarrigle, Kolumne, World Retail Congress, Global Retail, WRC

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