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Was wir von den Gewinnern der Coronakrise lernen können

Nach dem Lockdown kehrt in den meisten Ländern rund um den Globus das Leben auf die Straßen zurück; Geschäfte, Cafés, Bars und Restaurants dürfen wieder öffnen.

Von Ian McGarrigle 15.08.2020

© Vetre/stock.adobe.com

Die Liste der Krisengewinnler führt Amazon an, das seinen Börsenwert um sagenhafte 401,1 Milliarden Dollar steigern konnte.

Nicht zuletzt aus Angst vor einem möglichen Zusammenbruch ihrer Volkswirtschaften setzen viele Regierungen auf eine möglichst rasche Wiederherstellung der, wie es heißt, Normalität. Doch es ist ziemlich offensichtlich, dass wir noch weit entfernt von jenem Zustand sind, der vor der Corona-Pandemie unsere Normalität war. Ob wir überhaupt jemals dahin zurückkehren werden? Oder sind wir nicht längst in einer neuen Normalität angekommen, zu der eben auch die befürchteten zweiten Wellen der Pandemie gehören?

Dass es die Menschen nach den langen Wochen von Quarantäne und Lockdown ins Freie drängt, belegen die Bilder von überfüllten Stränden und Parks. Doch vor dem Bummel durch Geschäfte und Einkaufsstraßen haben viele Menschen nach wie vor Angst, insbesondere dann, wenn Schutzmaßnahmen nur halbherzig umgesetzt werden.

Auch wenn die Pandemie noch längst nicht vorbei ist und ihre krisenhaften Folgen gerade erst sichtbar werden, stellt sich bereits die Frage nach den Gewinnern und Verlierern. Die „Financial Times“ berichtete kürzlich über Unternehmen, die während der Pandemie den größten Wertzuwachs erzielten. Ziemlich vorhersehbar handelte es sich dabei vor allem um Tech-Firmen, Streaminganbieter, Pharmakonzerne, Social-Media-Plattformen, Telekommunikationsdienstleister und, jawohl, den Einzelhandel. Die Liste der Krisengewinnler führt Amazon an, das seinen Börsenwert um sagenhafte 401,1 Milliarden Dollar steigern konnte. Zu den anderen, ähnlich erfolgreichen Händlern gehören die E-Commerce-Größen aus China, darunter Alibaba, JD.com, Tencent und Pinduoduo.

Auch in anderen Erhebungen schneiden Händler überdurchschnittlich gut ab. In den Top-100-Rankings der wertvollsten globalen Brands sind sowohl Pure Player als auch Omnichannel-Unternehmen vertreten, von Amazon und Walmart über Louis Vuitton und Zara bis hin zu Alibaba und Ikea. Die Top-20-Einzelhandelsunternehmen konnten ihren Börsenwert um durchschnittlich 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöhen – trotz (oder wegen) der Coronakrise.

Die Studien zeigen, dass die Gewinner unter den Einzelhändlern schon vor Ausbruch der Pandemie auf die richtige Strategie gesetzt haben. Corona, so die einhellige Meinung der Branchenexperten, hat Transformationsprozesse, die sich schon seit etwa fünf Jahren vollziehen, lediglich beschleunigt. Deshalb sind Unternehmen, die bereits zuvor auf unbedingte Qualität von Service, Markenerlebnis und Produkt gesetzt haben, auch jetzt ganz vorn. Natürlich hatten auch die ganz großen Konzerne zu Beginn mit der neuen Situation zu kämpfen, doch wie es ihnen gelungen ist, ihr Geschäftsmodell anzupassen, sich neu aufzustellen und mit innovativen Ideen weiterzuentwickeln – das sind nicht nur Lehren, die wir aus der Krise ziehen, sondern auch Ausblicke in die Zukunft unserer Branche. ●

Ian McGarrigle ist ein international erfahrener Einzelhandels­experte aus Großbritannien und der Branche seit mehr als 30 Jahren verbunden. Der Gründer und Direktor des World Retail Congress hat den Einzelhandel unter anderem als Journalist, Autor und Verleger begleitet und war maßgeblich an der Entwicklung der führenden britischen Branchenpublikation Retail Week beteiligt. Die von ihm initiierten Formate, darunter die Retail Week Conference und der Retail Week Award, zählen mittlerweile zu den wichtigsten Veranstaltungen der Branche.

Schlagworte: Kolumne

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