Ausblick 2020

Das Beste aus beiden Welten

Der Beginn eines neuen Jahres ist bei uns häufig mit der Vorstellung verbunden, dass sich mit der Jahreszahl auch alles andere ändern müsse.

Von Ian McGarrigle 21.01.2020

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Die ebenso radikale wie rasante Transformation des Handels setzt sich fort.

Hand aufs Herz: Wird 2020 für den Handel ein Jahr, das Konzepte und Ideen hervorbringt, von denen wir zwölf Monate vorher noch nicht einmal zu träumen gewagt hätten? Warum nicht? In unserer beschleunigten Welt lässt sich bekanntlich nichts ausschließen. Doch eins ist schon heute Gewissheit: Die ebenso radikale wie rasante Transformation des Handels setzt sich fort.

Wer ein Event wie den World Retail Congress (WRC) vorbereitet, das im Frühjahr 2020 Branchenvertreter aus aller Welt versammeln wird, muss zunächst einmal verstehen, was die führenden Köpfe des Handels umtreibt. Um eine Ahnung von den Fragen und Themen zu bekommen, mit denen sich die Branche derzeit beschäftigt, haben wir in zurückliegenden Monaten viele Gespräche und Diskussionen geführt. Und ganz nebenbei ergab sich aus den Einsichten eine Art Branchenvorschau auf das vor uns liegende Jahr.

Ende des vergangenen Jahres hatte ich mehrmals das Vergnügen, mich mit einigen ausgesprochen geschäftstüchtigen Händlern über die anstehenden Herausforderungen zu unterhalten. Ein Gespräch mit einem sehr jungen, sehr erfolgreichen Unternehmer ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Er wollte den verbreiteten Pessimismus angesichts der Entwicklung unserer Branche partout nicht teilen, sondern verwies auf die Chancen, die mit dem Wandel verbunden seien. Seiner Überzeugung nach betrachten zu viele Leute den Handel durch „alte Brillen“, anstatt ihn neu zu denken und zu erkennen, dass wir, also die Kunden, keineswegs aufhören, einzukaufen, sondern auf neuen Wegen zum Handel gelangen und einkaufen. „Kunden wollen nach wie vor einkaufen“, so seine Schlussfolgerung, „doch sie möchten damit neue Erlebnisse und Erfahrungen verbinden.“

Andere Händler sprechen von „Kundenrelevanz“. Denn der Kunde wird nur bei jenen Händlern einkaufen, die ihm etwas bedeuten und ihm wichtig sind. In einer Zeit, in der von Verbraucherloyalität nicht mehr die Rede sein kann – zum einen wegen der explodierenden Auswahl, zum anderen durch die Konkurrenz aus dem Internet –, wird Kundenrelevanz zum entscheidenden Faktor.

Doch wie können Händler Relevanz gewinnen? Erstens: Sie müssen ihre Kunden und deren Bedürfnisse verstehen. Zweitens: Sie müssen ein erstklassiges Angebot bieten, das die Kunden auf effiziente und komfortable Weise erreicht, sowohl stationär als auch online. Drittens: Händler müssen als Marke erkennbar sein und das Bedürfnis nach Sinn erfüllen. Anders gesagt, der Kunde muss wissen, wofür eine Marke steht und mit welchen Strategien sie auf die sozialen und ökologischen Fragestellungen unserer Zeit reagiert. Viertens: Für ihre Relevanz als Unternehmen sind Händler auf eine mutige, dynamische Unternehmensführung und hierarchieübergreifende Branchenkompetenz angewiesen. Doch der entscheidende Faktor ist und bleibt die Technologie. Jeder Händler, der am Markt bestehen will, muss stets in die besten und modernsten Technologien investieren.

Natürlich sind diese vermeintlich „neuen“ Unternehmensstrategien tatsächlich nicht gar so neu. Neu ist nur, dass sie heute über Erfolg oder Misserfolg riesiger Konzerne entscheiden. Oder wie es ein Händler sehr treffend formulierte: „Es geht darum, den technologischen Fortschritt mit unseren alten Tugenden kurzzuschließen.“ In diesem Sinne: Auf ein erfolgreiches, gutes Jahr 2020!

Schlagworte: Kolumne, Ian McGarrigle

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