Flexibel auf der letzten Meile

Verbraucher sind bereit, Mehrkosten zu akzeptieren, wenn damit flexible Serviceleistungen bei der Paketzustellung verbunden sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Rahmen des Forschungsprojekts "Smile". Kooperationen ermöglichen individuellere Lösungen.

14.05.2019

© obs/Burg-Wächter KG/Adam Drobiec

Neben Packstationen im öffentlichen Raum messen die Umfrageteilnehmer der dienstleisterneutralen Paketbox am Wohnsitz zukünftig das größte Wachstumspotenzial bei.

Um die letzte Meile zu entlasten, gibt es viele Stellschrauben. Auch der Shopper könnte dazu beitragen und seine Anforderungen einmal kritisch hinterfragen: Muss es immer die Zustellung an der Wohnungstür sein oder akzeptiert er auch andere Zustellformen? Ist er bereit, für mehr Flexibilität und Service einen Preis zu zahlen? Und wenn ja, welche Leistungen würde er in Zukunft mit welchen Preisen honorieren? Diesen Fragen geht die aktuelle Studie im Rahmen des Förderprojekts Smile, Smart Last-Mile Logistik, nach. Sie liefert detaillierte Einblicke in die Wünsche privater Paketempfänger in puncto Zustellszenarien und ihre Bereitschaft, hierfür zu zahlen.

Die Studienergebnisse verdeutlichen nach Einschätzung der Autoren, dass die KEP-Branche (Kurier, Express, Paket) vor allem eins tun muss: Umdenken. Denn der Konsument fordert einen flexiblen und passgenauen Service und signalisiert gleichzeitig seine Bereitschaft, dafür einen Aufpreis zu zahlen. Die quantitative Erhebung zur Paketzustellung auf der letzten Meile führte GS1 Germany zusammen mit Goodstag, Hasso-Plattner-Institut, Pickshare und der Universität Leipzig durch.

Zustellung an der Haustür
Mit zunehmender Personenanzahl pro Haushalt steigt auch die Anzahl der zu empfangenden Pakete: Im Durchschnitt erhalten die Haushalte der Studienteilnehmer mehr als ein Paket pro Woche, die sie in Zukunft lieber innerhalb individueller Wunschzeitfenster erhalten möchten. Neben der weiterhin gewünschten Zustellung an der Haustür gewinnen Packstationen und Paketannahmestellen an Bedeutung. Auch mehr Flexibilität ist gefragt: Ort und Zeitpunkt der Lieferung sollen kurzfristig anpassbar sein. „Die gewonnenen Erkenntnisse sind richtungsweisend und dienen als Ausgangspunkt für zukünftige Entwicklungen in der KEP-Branche“, erklärt Sarah Leick, Produktmanagerin GS1 Germany.

Packstation oder Lieferung in den Kofferraum – innovative Zustellkonzepte liegen im Trend, doch sieht der Empfänger darin die Zukunft der Paketzustellung? Die klassische Lieferung an den Wohnsitz wird von fast 90 Prozent der Befragten genutzt. 80 Prozent wollen daran auch in Zukunft festhalten. Auf Platz zwei folgt die Lieferung an einen Nachbarn mit gleichwertiger Relevanz für die Zukunft. Die alternativen Zustellmöglichkeiten, denen die Befragten in den kommenden Jahren ein größeres Potenzial zutrauen, sind DHL-Packstationen, dienstleisterneutrale Paketannahmestellen und vor allem die Annahmen am Arbeitsplatz. Neben Packstationen im öffentlichen Raum messen die Umfrageteilnehmer der dienstleisterneutralen Paketbox am Wohnsitz zukünftig das größte Wachstumspotenzial bei. Während zurzeit nur rund 2 Prozent der Befragten eine solche besitzen, sprechen sich mit fast 40 Prozent vergleichsweise viele Studienteilnehmer dafür aus.

Erhöhte Zahlungsbereitschaft
Um den Kundenanforderungen der Zukunft gerecht zu werden, müssen KEP-Dienstleister die Paketzustellung flexibilisieren und zum Beispiel während individueller Wunschzeitfenster beliefern. Da das unter anderem mit Mehrkosten für die KEP-Dienstleister verbunden wäre, wurden die Empfänger nach ihrer Bereitschaft gefragt, für erhöhte Servicequalität mehr Geld zu bezahlen. Insgesamt 71 Prozent der Befragten würden für die Zustellung innerhalb eines von ihnen angegebenen Zeitfensters höhere Versandkosten akzeptieren. Bei einer wichtigen Sendung ließen sich 60 Prozent der Empfänger ein Wunschzeitfenster von maximal zwei Stunden sogar 1,99 Euro kosten. Über alle Befragten, die einen Preisaufschlag akzeptieren, ergibt sich eine durchschnittliche Zahlungsbereitschaft von etwa 79 Cent pro Sendung.

Die Ergebnisse untermauerten die Relevanz des Forschungsszenarios von Smile. „Die Infrastrukturen im oligopolistischen Paketmarkt sind längst an ihre Grenzen gekommen. Die reine Abwicklung des Volumens alleine stellt die Dienstleister schon jetzt vor immense Herausforderungen, die eine richtungsweisende Erweiterung des Serviceportfolios nahezu unmöglich machen. Die Bereitschaft, echte Kooperationen einzugehen, wäre eine Möglichkeit, diesen Problemen zu begegnen. Kooperationen reduzieren Entwicklungskosten für jedes einzelne Unternehmen, lasten die bestehende Infrastruktur besser aus, erhöhen den Drop-Faktor je Stopp und stellen gleich zu Beginn relevante Mengen für neue, kundenindividuellere Zustelllösungen sicher“, betont Björn Paulus, CEO von Pickshare.

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Schlagworte: Einzelhandel, Studie, Logistik, letzte Meile, GS1 Germany

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