Retail Sessions

Klimaschutz in Krisenzeiten

Wie lassen sich unter der ­Corona-Pandemie leidende Handelsunternehmen retten – und gleichzeitig das Klima? Darum ging es bei der ersten Ausgabe des gemeinsamen Webinar-Formats Retail Sessions von HDE und Klimaschutzoffensive des Handels.

Von Jens Gräber 22.06.2020

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„Wir können jetzt nicht sagen, Klimaschutz können wir uns angesichts der Pandemie nicht mehr leisten – und damit das Erreichte infrage stellen“, betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Die Coronakrise hat derzeit die öffentliche Sorge um das Klima in den Hintergrund gedrängt, so scheint es. Kein Wunder, sind ihre Auswirkungen doch enorm. Viele Handelsunternehmen rängen weiterhin massiv mit den Folgen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie, stellen Genth und Will klar. Staatliche Kreditprogramme allein genügten nicht, um ihre Existenz zu sichern.

Rettungsfonds, also nicht zurückzahlbare Hilfsgelder, seien nötig, um die anhaltende Phase der Kaufzurückhaltung seitens der Verbraucher in beiden Ländern zu überbrücken. „Es müssen nachvollziehbare Konzepte für den Weg aus der Krise kommuniziert werden, um die angesichts von Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit eingetrübte Stimmung der Verbraucher wieder aufzuhellen“, erklärt Genth.

Vielleicht, so Will, berge die Krise aber auch eine Chance für Veränderungen: „Wir können den eigenen Staat und die EU neu denken und voneinander lernen.“ Genth stimmt zu – und nennt ein Beispiel: Während hierzulande Gewerbemieten nur gestundet werden könnten, sei in Österreich eine Minderung oder sogar der Wegfall von Mietzahlungen im Fall einer Pandemie gesetzlich geregelt. „Hier muss der deutsche Gesetzgeber nachbessern“, fordert der HDE-Chef.

Bekenntnis zum Klimaschutz

Doch ungeachtet all dieser akuten Probleme verliere der Handel die drohende Klimakrise nicht aus dem Blick, so Genth. Für ihn steht fest: „Wir können jetzt nicht sagen, Klimaschutz können wir uns angesichts der Pandemie nicht mehr leisten – und damit das Erreichte infrage stellen.“ Auch Will unterstreicht das anhaltende Engagement der österreichischen Unternehmen im Kampf gegen den Klimawandel. So unterstütze der österreichische Lebensmittelhandel etwa die kleinteilige regionale Landwirtschaft, um unnötig lange Lieferketten zu vermeiden und den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

„Ökonomischer Erfolg und Klimaschutz gehen Hand in Hand“, postuliert Genth – das gelte auch in der Coronakrise. Energieeffiziente Beleuchtung etwa senke zugleich die Stromkosten des Händlers. Er wünsche sich allerdings vom Gesetzgeber eine stärkere Würdigung der Klimaschutzbestrebungen seiner Branche, so der HDE-Hauptgeschäftsführer.

Beispiel Stromkosten: Dass der Handel zehn Prozent der EEG-Umlage zahle, obwohl er nur sechs Prozent des Stroms verbrauche, sei ungerecht. Gerade in der Coronakrise sieht Genth die Absenkung der EEG-Umlage als Chance. Denn sie entlaste nicht nur die gebeutelten Händler, sondern auch die Verbraucher – und könne so helfen, die Kauflaune wieder zu verbessern.

 

Wie retten wir den Handel und das Klima

Schlagworte: Webinar, Klimaschutz

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