Ökonomie des Netzwerks

Die Welt wird immer komplexer. Die Digitalisierung sowie sich wandelnde Kundenwünsche verändern Märkte, Branchen und Unternehmen. Um den Herausforderungen begegnen zu ­können, gilt es zu handeln – und zwar gemeinsam. Denn ­Kooperation ist die Voraussetzung für Erfolg.

Von Thomas Fell, Geschäftsführer GS1 Germany 11.06.2019

© Diebold Nixdorf

Thomas Fell

Von künstlicher Intelligenz über das Internet der Dinge bis hin zur Blockchain: Der technische Fortschritt im digitalen Zeitalter verläuft nicht mehr linear, sondern exponenziell. Customer Centricity treibt Unternehmen zu immer neuen Produktinnovationen und Services an, und Online- und Offlinewelt verschmelzen zu Omnichannel. Denn Produktqualität allein reicht nicht mehr aus – der Verbraucher erwartet mehr. Nie zuvor folgten technologische Entwicklungen rasanter aufeinander, nie waren der technische Wandel umfassender und die Umwälzungen für Gesellschaft und Wirtschaft drastischer.

Im Spannungsfeld zwischen etablierten Systemen, Technologiefortschritt und Kundenwünschen gilt es, Antworten auf diese rasant steigende Marktdynamik und den stets wachsenden Grad an Komplexität zu finden. Starre Geschäftspläne funktionieren nicht mehr. Gefragt sind Agilität und Flexibilität. Wir leben und arbeiten in einer Welt, die geprägt ist durch Flüchtigkeit, Ungewissheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Kurz: Die VUCA-Welt (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) stellt Unternehmen vor große Herausforderungen.

Wertschöpfung neu denken

Gemeinsam innovativ zu sein, ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg und die Basis, um diesen Herausforderungen begegnen zu können. Es gilt, Wissen und Lösungen mit anderen zu teilen, verschiedene Sichtweisen zusammenzubringen, voneinander zu profitieren und miteinander zu wachsen. Dabei ist der Kollaborationsansatz nicht einmal eine Erfindung des Digitalzeitalters – und heute doch aktueller denn je: Laut Digitalverband Bitkom kooperieren bereits zwei Drittel der deutschen Großkonzerne mit innovativen Start-ups. Aber auch etablierte Unternehmen gehen miteinander Partnerschaften ein: teils mit Wettbewerbern, wie die beiden Automobilhersteller Daimler und BMW, die ihre Carsharing-Dienste Car2go und DriveNow zusammenlegen, teils als Kooperation, wie Volkswagen mit dem Elektroautohersteller eGo.

Doch wohin geht die Reise konkret? Gemeinsam mit Branchenexperten und Partnern hat GS1 Germany im vergangenen Jahr sieben Zukunftsszenarien für das Jahr 2025 erarbeitet. Sie zeigen, vor welchen Herausforderungen die Konsumgüterbranche angesichts der sich permanent wandelnden Marktgegebenheiten steht, wie diese gemeistert werden können und wie sich die Einkaufswelt der Zukunft gestaltet. Werfen wir gemeinsam einen Blick darauf:

Die wohl wesentlichste Erkenntnis ist, dass der Shopper mit seinen Wertvorstellungen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen im Jahr 2025 noch stärker als heute der zentrale Einflussfaktor in der Konsumgüterwelt sein wird. Er ist das Maß aller Dinge. Starke Marken und Produktqualität allein sind keine Garantie für langfristigen Erfolg. Aufstrebende Unternehmen denken Wertschöpfung komplett neu, und die Digitalisierung treibt Marktverschiebungen in Richtung netzwerk- und plattform- orientierter Geschäftsmodelle voran.

Diejenigen, die dies ignorieren, setzen ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel. Denn wer kollaborativ agiert, ist klar im Vorteil: Ein Netzwerk von vielen kann schneller und effizienter auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren als ein einzelnes Unternehmen. Ressourcen, Daten und Know-how lassen sich gezielt einsetzen. Vorausgesetzt, die unternehmensübergreifenden Prozesse funktionieren reibungslos.

Unabdingbar für erfolgreiche Wertschöpfungsnetzwerke ist darum die Nutzung einer gemeinsamen Sprache in Form von Identifikations-, Kommunikations- und Prozessstandards. Sie schaffen eine effiziente, unternehmensübergreifende Zusammenarbeit innerhalb einer hoch entwickelten digitalen Infrastruktur – die im Jahr 2025 unter anderem Cloud-Technologien und dezentralisierte Daten einsetzen wird.

Standards für die digitale Infrastruktur

Unter dem Begriff „Efficient Consumer Response“ (ECR) verfolgt die Konsumgüterindustrie bereits seit den 1990er-Jahren kooperative Ansätze. Konkret geht es dabei um Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette. Das Konzept stellt den Kunden als Ausgangs- und Orientierungspunkt in den Mittelpunkt aller Handlungen. Schulter an Schulter orientieren sich Händler und Hersteller an seinen Bedürfnissen mit dem gemeinsamen Ziel, den Kundennutzen zu erhöhen und die Wertschöpfung zu steigern – angefangen bei der Produktion bis hin zum Verkauf.

Spezielle Methoden beispielsweise aus dem Supply Chain Management sowie dem Category Management helfen seit jeher bei der erfolgreichen Umsetzung. Somit wissen wir eigentlich schon sehr lange, dass sich Kundenwünsche gemeinsam besser erfüllen lassen. Doch in der modernen VUCA-Welt ist das ECR-­Konzept nicht mehr länger lediglich ein Schlüssel, der Wettbewerbsvorteile eröffnet, vielmehr wird es zur absolut notwendigen Voraussetzung für den Erfolg. Kurz: ECR ist aktueller denn je.

So schnell sich unsere Lebens- und Arbeitswelt auch heute wandelt – und sie wird es zukünftig noch rasanter tun –, so existiert doch eine Konstante: Koopera­tionen waren und sind ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg und werden zukünftig noch weiter an Bedeutung gewinnen, um im Markt bestehen zu können. Darum gilt es jetzt umzudenken, zu lernen, sich zu transformieren – und zwar am besten gemeinsam.

Der ECR-Tag 2019 findet am 18. und 19. September 2019 im Congress Center Essen statt. Zu den Vortragenden zählen Stefan Leitz, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Carl Kühne, Dieter Hieber, Geschäftsführer von Hieber’s Frische Center, und Michael Rybak, Geschäftsführer bei Rossmann. Vertiefende Fachforen greifen aktuelle Fragestellungen und Entwicklungen in Themenfeldern wie Blockchain, Omnichannel, künstliche Intelligenz, Logistik, Category Management, Datenqualität und Daten­management auf. Erwartet werden etwa eintausend Entscheider aus der Industrie und dem Online- und Offlinehandel.

Frühbucher sichern sich bis zum 31. Mai 2019 einen vergünstigten Tarif für den Kongress.

Weitere Angebote für Studenten und Start-ups sowie Informa­tionen rund um den ECR-Tag unter: ecrtag.de

Schlagworte: ECR-Tag, ECR, Digitalisierung, Kooperation

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