Möbelhandel

Jahresbilanz mit Licht und Schatten

Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel hat im Jahr 2019 den Umsatz des Vorjahrs um rund vier Prozent übertroffen und liegt mit 34,2 Milliarden Euro Jahresbruttoumsatz auf hohem Niveau. Für 2020 erwartet der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) eine stabile Nachfrage.

14.01.2020

© Lightfield Studios/Stock Adobe

Möbel und Küchen sind Produkte, die auch im digitalen Zeitalter noch mehrheitlich stationär gekauft werden.

Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind für den Handel gut: Die Beschäftigungsquote ist auf Rekordniveau, das verfügbare Einkommen steigt, die Neubautätigkeit befindet sich auf hohem Niveau. Doch der Umsatzverlauf der Branche stellt sich uneinheitlicher denn je dar, so der BVDM.

Dahinter stehen globale Trends im Handel, die alle Vertriebsformen herausfordern: Das Informations- und Einkaufsverhalten wird in Deutschland immer hybrider. Bislang galt die Annahme, dass sich die Kaufkraft immer mehr in die Peripherie der Städte verlagert, dorthin, wo die großen Möbelmärkte und Möbeldiscounter angesiedelt sind. So es sich nicht um Möbelhäuser, Autohändler und Baumärkte handelt, von denen keine Integration in Siedlungsgebiete verlangt wird, würden Einkaufszentren die Konsumenten anziehen.

Heute gibt es eine klare Präferenz jüngerer Käuferschichten zu hippen Standorten in florierenden Städten. Selbst für Möbel und Küchen muss es eine Erreichbarkeit ohne Auto geben, verbunden mit der Zustellung der Ware. Erst wenige Unternehmen der Branche haben darauf eine Antwort. Der europäische Marktführer steuert sein Geschäftsmodell deutlich um. Er sucht keine neuen, großformatigen Standorte mehr. Er geht mit kleineren Einheiten zu den Menschen in die Städte. Was der Kunde nicht bequem mitnehmen kann, wird ihm nach Hause geliefert. Das spart teure innerstädtische Logistikfläche und führt zu einer ganz neuen Kalkulation.

Hohe Wohnkosten verderben Geschäft

Hinzu kommt, dass es schwierig geworden ist, die zunehmende Kaufkraft der Bevölkerung auf die Branche zu lenken. Die Einrichtungswirtschaft hat einen harten Konkurrenten bekommen: Die Entwicklung der Wohnkosten. Die ungesunde Steigerung der Kauf- und Mietpreise für Wohnungen und Häuser, die Kostensteigerungen bei Strom, Gas und Wasser, die hohen Grunderwerbssteuern binden Kaufkraft, die in Möbel und Küchen nicht investiert werden kann. Darüber hinaus sinkt die Bereitschaft zum Umzug, denn jeder neue Kauf- und Mietvertrag ist mit schmerzhaften Mehrkosten verbunden. Wo weniger Wohnungen neu bezogen werden, wird weniger für eine neue Einrichtung ausgegeben, so die Schlussfolgerung des BVDM.

Der Jahresbruttoumsatz ergibt sich aus Hochrechnungen auf Basis der ersten zehn Monate 2019 nach Werten des statistischen Bundesamtes. Wenn die amtliche Statistik einen Umsatzgewinn von vier Prozent ausweist, sind es die Umsätze des „Einzelhandels mit überwiegend Wohnbedarf“. Der Handelsverband Möbel und Küchen geht davon aus, dass hier Randsortimente, die bislang über andere Branchen vertrieben wurden, eine zunehmende Rolle spielen, sowie Dienstleistungsumsätze, denen Beratungs- und Serviceleistungen gegenüberstehen. Während die Volumenvermarkter im Jahr 2019 vielfach über Umsatzrückgänge und leerstehende Häuser klagten, konnten die mittelständischen Fachhändler eher positive Entwicklungen melden.

Gleichwohl sind Möbel und Küchen Produkte, die grundsätzlich stationär gekauft werden. Niemand käme auf die Idee, sich eine Auswahl von Möbeln liefern zu lassen, um sie – wie Bekleidung – größtenteils zurück zu schicken. Daher geht der BVDM von nur zehn Prozent reinem Onlineanteil aus. Wobei durch die zunehmende digitale Präsenz von Möbelkonzernen eine Abgrenzung zwischen stationärem Geschäft und Distanzhandel nur schwer möglich ist. Das Medium des Kaufabschlusses – im Geschäft oder online oder in Kombination beider – kann für eine Abgrenzung nicht mehr herangezogen werden.

Virtuelle Präsentation

Für den Handel sind digitale Angebote insbesondere dort interessant, wo Wohnräume und Küchen virtuell dargestellt werden, Produkte ganz konkret in diese Welten positioniert und mit unterschiedlichen Farben und Materialien gezeigt werden. Hier gibt es immer mehr Unternehmen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Augmented Reality, der computergestützten Wahrnehmungserweiterung, in die Öffentlichkeit begeben haben. Der BVDM sieht dies als attraktive Ergänzung zur persönlichen Beratung, die das Vorstellungsvermögen unterstützt.

Der Onlinehandel mit Möbeln gewinnt weiter an Bedeutung. Gut 3,5 Milliarden Euro brutto, also zehn Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2019 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet. Hierbei beteiligen sich inzwischen auch zunehmend klassische stationäre Händler, die bislang der Online-Pure-Playern weitgehend das Feld überlassen hatten.

Der Flächenzuwachs hat sich im vergangenen Jahr derweil weiter abgeschwächt: Es wird weniger neu gebaut, es werden häufiger bestehende Standorte und Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon werden über sechs Millionen Quadratmeter – das ist ein Viertel der Fläche – von 170 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben.

Schlagworte: Einzelhandel, Möbelhandel, Möbelmarkt, Handelsverband Möbel und Küchen

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