Erfolg auf kleiner Fläche

Der deutsche Vermietungsmarkt für Einzelhandelsimmobilien verzeichnete 572 Abschlüsse in den ersten sechs Monaten des Jahres und damit rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr, so eine neue Erhebung. Großer Nachfrage erfreuen sich vor allem kleine Flächen.

30.07.2019

© Getty Images/Frank Herfort

Übersichtlich: Vor allem die Größenkategorie 100 bis 250 Quadratmeter war bei Handelsmietern im ersten Halbjahr 2019 sehr gefragt.

Zum Halbjahr 2019 wurden rund 248.000 Quadratmeter Fläche umgesetzt, das liegt 10.000 Quadratmeter beziehungsweise vier Prozent über dem Vorjahr, so das Beratungsunternehmen für Immobilien JLL. Der Grund für diese Konstellation: Vor allem die Größenkategorie 100 bis 250 Quadratmeter war sehr gefragt. Hier waren die Bereiche Gastronomie/Lebensmittel (58 Anmietungen) und Textilhandel (53) besonders aktiv. Die größten Kategorien über 1.000 Quadratmeter, einst eine Domäne der Bekleidungsketten, dominieren hingegen nun die Nutzer aus der Branche Gesundheit und Beauty mit insgesamt 17 Abschlüssen.

"Stärker denn je zeigt sich, dass die Dynamik in der Einzelhandelsvermietung von kleineren Flächen ausgeht, die für Konzepte mit einer exklusiven Warenpräsentation leichter zu bespielen sind", so Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany. Besonders große Flächen würden für den jeweils städtischen Markt stetig schwerer zu vermitteln, da auch die ehemals großflächigen Textilhändler mittlerweile stärker auf kleinere Einheiten mit exklusivem Kauferlebnis setzen. "Vermehrt werden Flächen mit mehr als 1.000 Quadratmeter derzeit von expansiven Fitness-Studio-Ketten nachgefragt."

Stuttgart schwächelt

Die Dynamik des bundesweiten Trends spiegelt sich in den zehn größten Metropolen hingegen nur teilweise wider. Hatte der Anteil der "Big 10" in den vergangenen drei Jahren zwischen 42 und 44 Prozent der Dealanzahl betragen, waren es diesmal mit 208 Anmietungen nur 36 Prozent. Insgesamt setzten die "Big 10" rund 90.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche im ersten Halbjahr um.

Das Gros entfiel dabei auf Berlin, das 26.000 Quadratmeter bei 45 Abschlüssen erzielte – rund ein Drittel davon in innerstädtischen Shoppingcentern. In der Finanzmetropole Frankfurt mit 17.000 Quadratmetern entfallen rund 40 Prozent auf Shoppingcenter. Es folgt Hamburg mit knapp 10.000 Quadratmeter, das wieder mehr Nachfrage auf dem Neuen Wall verzeichnete, wo beispielsweise die französische Marke Isabel Marant ihren ersten deutschen Standort eröffnen wird.

Das Mittelfeld um München und Köln (je 9.000 Quadratmeter) präsentiert sich solide auf der Höhe des jeweils eigenen Fünfjahresschnitts. Düsseldorf gelingt es nach einem schwachen Jahresbeginn, Plätze gut zu machen, indem Flächen im neuen Gastropavillon des Kö-Bogen II vermietet werden. Einzig Stuttgart schwächelt, da hier in diesem Jahr noch keine der verfügbaren Flächen mit mehr als 1.000 Quadratmeter einen neuen Nutzer gefunden hat.

Discounter in der City

Im Branchenvergleich hat Gastronomie/Food seine Spitzenposition verteidigt – wenn auch knapp vor dem langjährigen Primus Textilhandel. Mit 63.000 Quadratmeter erzielte die Gastronomie 25 Prozent des Flächenumsatzes. Entscheidenden Anteil an diesem erneuten Erfolg hatten vor allem die Discounter Netto und Aldi, die zusammen elf Anmietungen beisteuerten. Aber auch Rewe und Edeka expandierten in die Innenstadtlagen. Dahinter reiht sich die Textilbranche mit 56.000 Quadratmeter und 23 Prozent Umsatzanteil ein. Hier war es vor allem die Sparte Young Fashion, wo die Marke Only acht sowie Olymp & Hades immerhin vier Ladenlokale anmietete. Auch die Textildiscounter Ernsting's Family (11 Filialen) und TK Maxx (4) weiteten ihr Netzwerk im ersten Halbjahr erneut aus.

"Zwar gleicht die expansive Gastronomie die Zurückhaltung der Textilhändler vielerorts aus. Doch letztlich ist nicht jede Einzelhandelsfläche auch für einen gastronomischen Betrieb oder Nahversorger geeignet", erklärt Wichner. Einen starken dritten Platz belegt die Gesundheit/Beauty-Sparte, indem sie ihren Anteil auf Jahressicht von zwölf auf 17 Prozent ausbaut. Wichtigster Motor dieser Entwicklung ist die Drogeriekette Müller, die zusammengenommen knapp 13.000 Quadratmeter anmietet und damit 80 Prozent der seit einigen Jahren sehr expansiven Drogerieketten ausmacht.

Die Spitzenmieten in den Big-10-Standorten werden in diesem Jahr weiterhin auf dem bisherigen Stand verharren. Doch je kleiner die Städte werden, desto stärker ist ein Rückgang der Spitzenmiete zu beobachten: In Großstädten zwischen 250.000 und einer halben Million Einwohnern gingen sie im Schnitt um sechs Prozent zurück, in der nächstkleineren Kategorie 100.000 bis 250.000 Einwohner sogar um acht Prozent. Den stärksten durchschnittlichen Rückgang von rund neun Prozent registrierten allerdings die kleineren Städte unter 100.000 Einwohnern.

Schlagworte: Einzelhandel, Ladenmieten, Stationärhandel, stationärer Einzelhandel, Stationärgeschäft, Studie

Kommentare

Ihr Kommentar